Kindern die Arbeit erklären
Kindern die Arbeit erklären
Datum: 11.04.2014, 12:13
Haben Sie sich in dieser Woche beim Zeitunglesen auch die Augen gerieben? So viele unbesetzte Lehrstellen gibt es in Deutschland wie nie zuvor. Unbesetzte Lehrstellen! Dort, wo früher Bündnisse von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Politikern und Radiosendern mit dem Ziel geschlossen wurden, der gewaltigen Nachfrage von jungen Menschen nach Ausbildung irgendwie gerecht zu werden.
Heute finden viele Unternehmen keine Interessenten mehr und werben neben beachtlicher Vergütung mit Sonderleistungen vom Auslandsaufenthalt bis zum Dienst-Pkw um junge Menschen. Gleichwohl wird zunehmend deutlich, dass von manchen Schulen im Lande Abgänger auf den Arbeitsmarkt losgelassen werden, die nicht ausbildungsfähig sind. Mangelhafte Rechtschreibung, vom einfachen Dreisatz keinen Schimmer und überhaupt keinen Bock auf disziplinierte Tagesabläufe.
Wenn ein Schüler seinen Abschluss bekommt, aber keinen Satz fehlerfrei zu Papier bringen kann, darf man mit Fug und Recht der Schule Versäumnisse vorwerfen. Es gibt ganz fantastische Schulen, nicht nur in Bayern, sondern auch in NRW. Aber es gibt eben auch Schulen, wo man unwillkürlich darüber nachdenkt, was dort eigentlich im Unterricht gelehrt wird.
Wenn es aber um Jugendliche geht, die morgens nicht aufstehen wollen, die nicht bereit sind, Anweisungen eines Vorgesetzten entgegenzunehmen, muss man wohl von einer ernsten gesamtgesellschaftlichen Fehlentwicklung ausgehen. Und hier kommen die Elternhäuser ins Spiel.
Ich frage mich oft, wenn ich abends um 23 Uhr auf der Straße noch Achtjährige sehe, wo eigentlich deren Eltern sind. Wenn Kinder nicht lernen, dass es Grenzen und Regeln gibt, werden sie später im Leben nicht klarkommen. Wenn sie nicht begreifen, dass die Fähigkeit, morgens aufzustehen, etwas mit der freiwilligen Bereitschaft zu tun hat, abends auch mal früher schlafen zu gehen, werden sie erleben, dass Arbeitgeber es nicht goutieren, wenn die Mitarbeiter zu spät kommen.
Ganz sicher gehöre ich nicht zu denen, die eine Generation von Duckmäusern haben möchte. Ganz im Gegenteil, davon gibt es viel zu viele. Selber denken, frei entscheiden, wie man das eigene Leben gestalten will – das ist das Wichtigste. Doch diese Gesellschaft und unser Wohlstand basieren auf einem System, das auch in Zukunft nur funktioniert, wenn jeder bereit ist, ein paar Grundregeln einzuhalten. Das sollten wir unseren Kindern erklären, und das sollten auch ihre Lehrer vermitteln.
Beitrag zuerst erschienen auf www.rp-online.de
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