Deutschlands Mütter haben wenig zu feiern

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Deutschlands Mütter haben wenig zu feiern
Datum: 12.05.2014, 14:06

Und wieder ist Muttertag. Wieder Blumen. Wieder ein gedeckter Frühstückstisch für die Managerinnen kleiner, gut organisierter "Familienunternehmen". Und wieder Zeit für ein deprimierendes Fazit: Für Mütter hat sich im vergangenen Jahr in Deutschland nichts Entscheidendes verbessert.

Zugegeben: Nach all dem Hickhack wurde endlich das Betreuungsgeld eingeführt. 150 Euro monatlich für Eltern, die in den beiden ersten Jahren selbst erziehen und betreuen wollen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin. Und die Mütterrente wurde reformiert. Auch gut, denn sie beseitigt nun eine Ungerechtigkeit zwischen Müttergenerationen bei der Altersversorgung. Jetzt haben alle gleich wenig.

Die wirklich entscheidenden Themen aber werden weiter ignoriert. Wie ermöglichen wir Frauen und Männern, trotz Berufstätigkeit ausreichend Zeit für Familie zu haben? Eine große Mehrheit der Eltern in Deutschland wünscht sich das mehr als zusätzliches Geld, glaubt man dem zehnten Familienbericht der Bundesregierung mit dem schönen Titel "Mehr Zeit für Familie".

Das Problem ist allerdings: Mehr Zeit hängt auch mit Geld zusammen. Manche Leute halten Familie und Kinder für so etwas wie ein nettes Hobby, das sich Eltern leisten. Was geht uns an, wenn andere Leute Kinder wollen? Solchen Ignoranten muss man bisweilen erklären, dass Kinder später den Laden am Laufen halten sollen. Bei der Rente. Bei den Fachkräften. Ein kinderfreundliches Umfeld ist kein Luxus, sondern sollte gesellschaftliche Priorität sein, auch für Menschen, die keine Kinder haben können oder wollen.

Und diejenigen, die die nächste Generation großziehen, sollten wir nicht belächeln oder beleidigen ("Heimchen am Herd"), wir sollten sie nicht finanziell ausbluten lassen und irgendwann in die Altersarmut schicken. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig macht Politik für Mütter, die möglichst schnell wieder in den Beruf zurück wollen. Das ist legitim. Aber wo sind die Modelle für die Mehrheit der Mütter und Väter?

In den skandinavischen Ländern, die uns immer als vorbildlich zum Beispiel bei der Bildung vorgeführt werden, wird elterliche Erziehung mit einem deutlich höheren Betreuungsgeld unterstützt. In Frankreich werden Familien ab dem dritten Kind massiv steuerlich entlastet, so dass sie praktisch steuerfrei leben.

Was ist mit flexiblen Arbeitszeitmodellen für Unternehmen? Alle Statistiken zeigen, dass vor allem Mütter in Deutschland mehr Teilzeitjobs wünschen.

Was bietet das Familienministerium? Ein Recht auf Vollzeitjobs für Mütter, das kaum jemand verlangt.

Mit Blumen am kommenden Sonntag ist es wirklich nicht getan.

Beitrag erschien auch auf: rp-online.de

Sven von Storch

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