Von eigenem und fremden Geld

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Von eigenem und fremden Geld
Datum: 24.04.2014, 19:31

Der Staat gibt allenthalben „fremdes Geld“ für „fremde Leute“ aus – der private Spender aber stets sein privates, eigenes, schwer erarbeitetes Geld für Fremde, vermutlich Bedürftige.

Nur, wer einmal mit sich selbst in Klausur geht und für sich ganz allein ganz praktische Beispiele überlegt, was es für ihn an Unterschied bedeutet, ob er sein eigenes Geld oder fremdes Geld (für das er selbst nichts hat leisten müssen) wahlweise für sich selbst oder gar für Fremde ausgibt, bemerkt den gravierenden Unterschied zwischen den beiden Varianten.

Wenn wir uns im Bundestagswahlkampf das Poster der Linkspartei „Teilen macht Spaß – Millionärssteuer einführen“ angeschaut haben, wird der Zwiespalt zwischen eigenem und fremden Geld noch einmal besonders augenfällig.

Man stelle sich ein Poster mit der Aufschrift: „Teilen macht Spaß – zehn Prozent aller deutschen (auch Sozial)Einkommen an die Ärmsten Spaniens“ einmal vor!

Wäre das nicht auch ein hehres, sehr soziales Ziel? Und trotzdem würde keine Partei damit aufmachen, weil: hier merken mindestens 90 % der Wähler sogleich: Hilfe, die wollen mir ans Leder - es geht an mein Geld – mein eigenes Geld?

Im Fall der Millionäre geht es dagegen nur um deren Geld – fremdes Geld also. Und wer weiß? Vielleicht bekomme ich ja den einen oder anderen Euro aus dieser neuen Millionärssteuer eines Tages auf mein Konto überwiesen?

Recht unwahrscheinlich: selbst wenn man jedem der eine Million Millionäre in Deutschland 1.000 € aus der Tasche ziehen sollte, wäre das gerade Mal die eine Milliarde Euro in unserem Rechenbeispiel oben.

Oder 12,50 € für jeden, wenn man das Geld gleichmäßig unter die Leute verteilen würde. Was aber nach den Erfahrungen mit der staatlichen Ausgabenpolitik eher nicht zu erwarten wäre!

Zurück zu den Grundpfeilern der – privaten - Wohlfahrt.

Der finanzielle Aufwand für private Wohlfahrt ist immer in der Höhe und in der Zeit begrenzt. Das gibt Planungssicherheit und macht die Ausgaben kalkulierbar.

Wenn ich meine Spende für die Hungernden abgeliefert habe, weiß ich, was mich die Sache gekostet hat! Das Risiko einer Nachschusspflicht ist ausgeschlossen!

Wenn der Organisator der Wohlfahrtaktion für die Hungernden in Irland neue Getreideschiffe dorthin schicken will, muss er mich wiederum um eine Spende ansprechen. Wieder kann ich allein entscheiden, ob ich mich an einer neuerlichen, gleichen oder ähnlichen Spendenaktion beteiligen möchte. Und mit welcher Summe!

Ich habe immer die Chance. „nein zu sagen“! Das ist echte Solidarität – weil sie eben auf Freiwilligkeit beruht. Solidarität oder (soziale) Wohlfahrt aber, zu der man die Menschen zwingt, ist ein Widerspruch an sich:

Niemand ist allein aus dem Grunde ein guter, mildtätiger Mensch, weil er sich nicht dagegen wehren kann, dass man ihm sein eigenes Geld abnimmt. Derjenige ist zwar gezwungen, mit seinen Händen zu geben – sein Herz aber sträubt sich hingegen heftig.

Ganz im Gegenteil: er wird sauer werden, weil man ihm Monat für Monat; Jahr für Jahr, sein ehrlich verdientes Geld wegnimmt und er vermuten muss, das sehr viel Unsinn damit angestellt wird. Und: er wird versuchen, sich diesem allmonatlichen Raub des Staates zu widersetzen. Offener Widerstand ist sinnlos und bringt ihn auf direktem Weg ins Gefängnis; also muss er „tricksen“!

Mit demselben Anspruch müsste ich jemanden als Vegetarier bezeichnen, der zwar gern Fleisch isst, aber zu arm ist, sich welches zu kaufen!

Auch hat nur die private Wohlfahrt einen andern, wichtigen Effekt:

Sie bringt rasch die Erkenntnis, dass nicht alles, was wünschenswert wäre, auch tatsächlich machbar ist!

Sicher hätten die amerikanischen Siedler gern noch viel mehr Hilfsschiffe auf den Weg nach Irland gebracht. Sie wären dort auch dringend „notwendig“ gewesen! Um die Not abzuwenden, die  eine Millionen Menschen dort mit ihrem Leben bezahlen musste. Trotz aller Spenden! Allein war ihnen klar: wenn sie soviel davon weggeben, dass ihre eigenen Familien hungern müssen, dass gar nicht mehr genug für die Aussaat des kommenden Jahres bleibt – dann wären sie auf absehbare Zeit nicht mehr in der Lage, anderen beizustehen in Notzeiten.

Diese letzte Erkenntnis; die, stets nur das Machbare zu finanzieren, ist dem modernen Wohlfahrtsstaat mittlerweile längst, Stück für Stück, verloren gegangen.

Ebenso die Frage: Ist es eigentlich „sozial“, sich Geld zu leihen, um damit zuhause und mittlerweile auch in der ganzen Welt Gutes zu tun?

Was passiert, wenn ich auf diese Art und Weise eines Tages selbst so ruiniert bin, dass mir keine Bank der Welt mehr etwas leiht? Wer kümmert sich dann um die Tränen der Welt? Und: wer wird in einem solchen Fall am Ende mich wohl retten?

Eine solche Art Wohlfahrt erinnert auf skurrile Weise an den sprichwörtlichen „Selbstmord aus Angst vor dem Tode“ oder an Erich Kästners „Fabian, den Moralisten“, der, obgleich selbst Nichtschwimmer, ins tiefe Wasser springt, um einem Kind das Leben zu retten. Natürlich ertrinkt er bei der Aktion!

Das Kind allerdings konnte sich selbst retten.

Im Nachhinein hatte sich herausgestellt, dass es schwimmen konnte!

Und last but not least:

Die überbordende, steuer- und schuldenfinanzierte Wohlfahrt hat einen fatalen Nebeneffekt: wie Unkraut überwuchert sie die tatsächliche, freiwillige Wohlfahrt!

 

Sven von Storch

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