Etikettenschwindel _ Eine andere Partei
Etikettenschwindel _ Eine andere Partei
Datum: 27.02.2013, 08:24
Zur Taktik: Wie schon bei der Wehrpflicht oder der Energiewende besteht die Taktik der Truppe Merkel darin, dem Gegner den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem man einfach dessen Themen zu den eigenen macht und dem Wahlvolk sagt: Gute Idee, aber schaut, wir machen es besser. Ob das Andere, vielleicht sogar das Gegenteil, nicht auch das Bessere sein kann, darüber wird nur noch in kleinen Kreisen nachgedacht. Die CDU-Führung will sich auf diese Weise für mehrere Koalitionsoptionen offen halten, vor allem für eine Große Koalition. Denn ganz gleich wie die Wahl ausgeht, ohne die SPD und ihre neun Ministerpräsidenten im Bundesrat wird das Regieren sehr schwer werden. Eine numerisch mögliche Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition wäre nur eine Notlösung – für beide Parteien. Auch die FDP von Guido Westerwelle, der den Stein bei der CDU gelockert und ins Rollen gebracht hat, würde lieber in einer Ampelkoalition bürgerliches Korrektiv spielen. Aber das hängt eben ganz vom Ergebnis ab. Für Rotgrün wird es nicht reichen. Die SPD muss also auch an eine Koalition mit der CDU denken oder, wenn sie unbedingt den Kanzler stellen will, an eine Ampel. Es kann aber auch sein, daß sie eine Große Koalition ohne Frau Merkel anstrebt, das wird man im Wahlkampf noch sehen. Wie immer: Wenn die CDU weiter regiert, wird es eine andere Partei sein.
Zum Inhalt: Das, was die CDU an C-Resten noch vorbringen konnte, war die Förderung von Ehe und Familie gegenüber anderen Lebensformen. Dieser Profilrest wird nun geschleift. Er war es aber, der zumindest noch den Anschein des Christlichen erweckte, nachdem man Scheidung, Abtreibung, PID und Aufwertung homosexueller Partnerschaften liberalisiert und durchgewunken hatte. Auf Christus kann diese Partei sich nicht mehr berufen. Das angeblich christliche Menschenbild ist zu einer Art Humanismus abgestuft, wie man ihn schon bei Aristoteles, Platon oder anderen vorchristlichen Denkern findet. Die Parteiführung ist frei, das zu tun. Es wäre aber ehrlicher, die CDU würde sich nun in (Humanistische) Volkspartei oder Demokratische Union umtaufen. Sie wäre als kleineres Übel jedenfalls glaubwürdiger, wenn sie sich auf bürgerliche, marktwirtschaftliche und ordnungspolitische Programmpunkte konzentrierte, ähnlich wie in Spanien oder Frankreich oder sonstwo in Europa. Das C ist mit der vollen Gleichstellung der Homo-Ehe nur noch ein Etikettenschwindel – für alle sichtbar. Es fehlt halt bloss noch der kleine Abgeordnete, der ruft: Die Partei ist ja nackt.
Selbst wenn die CDU das Ehegattensplitting zu einem Familiensplitting erweiterte, wäre das keine christlich verbrämbare Variante. Das haben die laizistischen Franzosen bereits aus schlichten Gründen der Staatsräson. Vernünftig wäre es allerdings schon, das Zeugen und Erziehen anzuerkennen, auch wenn einige gleichgeschlechtliche Paare sich dadurch diskriminiert fühlen könnten. Und es würde Stammwähler halten. Vielleicht kommt das noch, wenn Grün, Rot oder Gelb dazu ein Gesetz vorlegen wollen. Denn dann hätte es wieder taktischen Sinn.
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