Ein vorhersehbarer Skandal
Ein vorhersehbarer Skandal
Datum: 23.01.2013, 09:30
Lange bevor der Missbrauchsskandal in Deutschlands Kirchen in die große Öffentlichkeit getragen wurde, waren einige Bischöfe und Fachleute bemüht, Daten und Fakten zu sammeln, um eine wissenschaftliche Grundlage für Ausmaß und Bewertung der Fälle zu bekommen. Neutrale, das heißt auch nicht-katholische Experten, waren schon länger damit befasst, unter ihnen die besten psychiatrischen Gutachter Deutschlands. 78 Gutachten gab es bereits; der Druck aus Rom, Licht in dieses dunkle Kapitel zu bringen, war groß. Die renommiertesten Professoren waren bereit zur Mitarbeit und Auswertung. Und dann wurde – für sehr viel mehr Geld als die seriösen Fachleute gekostet hätten - der Professor aus Hannover beauftragt.
Es war der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, der sich auf Professor Christian Pfeiffer festlegte - trotz der besseren Alternativen, trotz der Warnungen vor der sattsam bekannten Medienaffinität des Kriminologen, trotz der Unkenntnis Pfeiffers in kirchlichen Dingen. So interessierte es den Juristen Pfeiffer nicht, dass das kanonische Recht verlangt, Dokumente zu Fällen, die länger als zehn Jahre zurückliegen, zu vernichten und nur einen Tatbestandsbericht aufzubewahren (Canon 489 Paragraf 1). Den Theologen Langendörfer interessierte das offenbar auch nicht, obwohl allein dieser Umstand dem Auftrag die wissenschaftliche Grundlage entzog. Es interessierte beide auch nicht, dass man mit der Methode Pfeiffer gegen den Datenschutz verstoßen würde und dass man mit bloßen Verdächtigungen viele unschuldige Priester zu Freiwild kirchenfeindlicher Medien abstempeln würde.
Der Bruch mit Pfeiffer war vorhersehbar. Der mediale Krach, der folgte, auch. Leider ist auch vorhersehbar, dass man im Sekretariat der Bischofskonferenz erneut keine Konsequenzen ziehen wird. Das ist auch ein Skandal.
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