Der Realitätssinn der CDU

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Der Realitätssinn der CDU
Datum: 05.03.2013, 10:59

Erst wird im Brustton der Überzeugung getönt, die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe sei geboten, dann treten namhafte Mitglieder der CDU aus der Partei aus und als CSU-Chef Seehofer die Reißleine zieht, schwenkt der ganze Verein wieder um. Zurück bleiben Zweifel beim Wähler und Sicherheit bei den Nichtwählern. Dabei hatte man letztere mit dem Betreuungsgeld fast wieder mobilisiert. Niemand weiß jetzt, wofür die CDU eigentlich steht.

Immerhin, Horst Seehofer hat zwar nicht die Unschuld, aber doch die Ehre der Union gerettet. Vorerst. Sein Einspruch stoppt die vorauseilend Gehorsamen und mahnt – auch die eilfertigen Richter in Karlsruhe – zu mehr Nachdenklichkeit. Natürlich werden etliche Rote, Grüne und Gelbe jetzt wieder wochenlang von überkommenen Familienbildern schwafeln. Leider gehört wohl auch Wolfgang Schäuble jetzt in diese Gruppe. Der Realitätssinn dieser bunten Truppe kommt nach Schäuble so zum Ausdruck: „Wenn die CDU Volkspartei bleiben will, dann muss sie veränderte Realitäten zur Kenntnis nehmen“. Aber welche? Ändern die 23.000 eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften die Gesellschaft? Sie ändern das Denken in Medien und Politik, weil sie auf diesen Bühnen überrepräsentiert sind und Druck machen. Der Mikrozensus zeigt auch: Weniger als acht Prozent der verheirateten Frauen bleiben kinderlos; fast alle Ehen bringen also Kinder hervor. In dieser kinderarmen Zeit müsste der Staat ein erhöhtes Interesse daran haben, das Institut der Ehe zu fördern und die gesellschaftlich wertvolle Leistung der Zeugung und Erziehung anzuerkennen - so wie die Väter der Verfassung es auch im Sinn hatten -, sowie von Partnerschaften abzusetzen, die diese Leistung nicht erbringen (können).

Und noch eins sollte die bunte Truppe trotz des hysterisch anmutenden öffentlichen Diskurs bedenken: Warum sollen zusammenlebende Geschwister oder andere Wohngemeinschaften nicht auch in den Genuss der Vorteile eingetragener Lebenspartnerschaften kommen? Warum werden sexuell gleichgeschlechtlich orientierte Lebenspartnerschaften privilegiert? Hier schweigen die Richter – und die CDU.

Sven von Storch

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