Älter und ärmer

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Älter und ärmer
Datum: 02.05.2011, 15:09

Da sind sich die Kommentatoren einig und nicken im Geiste gefällig, denn die Angst vor einem wirtschaftlich starken China geht um. Das Nicken müsste sich mit Blick auf die Zahlen in Deutschland in ein nachdenkliches Kopfschütteln wandeln. Auch in Deutschland fehlen Kinder, gibt es eine Art freiwillige Ein-Kind-Politik und eine Alterung der Gesellschaft, die ebenfalls zu neuen Formen der Armut führt. Aber niemand hebt den Zeigefinger oder schreit gar auf. Eine seltsame Wahrnehmung der Realitäten. 

Natürlich erinnern von Zeit zu Zeit manche verwegene Autoren an die Folgen des „demographischen Wandels“ (das ist die politisch korrekte Umschreibung der Vergreisung aufgrund der fehlenden Kinder). Aber beflissen fügen sie hinzu, dass dies auch eine große Chance sei, man müsse nur die wenigeren Kinder besser ausbilden um die Produktion zu halten und schon blühe der Wohlstand weiter. Aus diesem ökonomistischen Zweckdenken entstehen dann Ideologien wie die Krippenideologie, die Betreuungsideologie oder die Illusion vom deutschen Wirtschaftslöwen mit der Silbermähne. Dass der gelungenen Bildung immer auch eine gelungene Bindung vorausgeht und diese von der Beziehung zur Mutter (vor allem in den ersten Jahren) und dem Vater abhängt, wird verdrängt. Man braucht die jungen, gut ausgebildeten Mütter im Wirtschaftsprozess, schon heute fehlen ja massenhaft Fachkräfte. Den jungen Paaren wird eingeredet, ihr Kind hätte es in der Krippe am besten, die Mütter bräuchten für ihr eigenes Wohlbefinden den sozialen Kontakt an der Arbeitsstelle dringender als den Kontakt zum Kind. 

Auch die OECD-Studie ist voll mit solch ideologischem Ballast. Für Deutschland wird eine umfassendere Betreuung angemahnt, also mehr Krippen und Ganztagsschulen. Aber gerade Deutschland hat bewiesen, dass eine flächendeckende staatliche Betreuung nicht zu mehr Geburten führt, siehe Ostdeutschland. Auch die angeblich hohen Summen, die Vater Staat in die Familien investiert, schrumpfen bei näherem Hinsehen zu kläglichen Beträgen. Denn die Eltern tragen zu den Summen den größten Anteil bei. Deutschland gehört in der Tat zu den Ländern, die einer Objektförderung das Wort reden. Man investiert in Strukturen (Krippen, Planstellen, Gebäude, etc.) und nicht in Personen. Das tun andere Länder wie Frankreich oder Dänemark. Diese Subjektförderung (man gibt den Eltern das Geld in die Hand) ermöglicht mehr Freiheit, mehr Eigenverantwortung, mehr Zuwendung zum Kind. Da macht Familie Freude. Das ist neben der höheren Geburtenrate auch ein gutes Geschäft für den Staat. Er muss nicht so viel in Reparaturanstalten investieren, zu denen manche Schulen mutieren. Mittlerweile ist jedes fünfte Kind bei seiner Einschulung therapiebedürftig und das hängt in der Regel mit den frühen Orten emotionaler Erfahrungen zusammen. Die emotionale Verarmung ist das eigentliche Folge-Elend des „demographischen Wandels“, Stichworte wären Einsamkeit, Trennungsängste, innere Resignation. Eben älter und ärmer. Das wäre mal eine Studie der OECD wert. 

Sven von Storch

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