Das Kreuz im öffentlichen Raum
Das Kreuz im öffentlichen Raum
Datum: 08.11.2009, 17:45
Eine italienischer Staatsbürgerin finnischer Abstammung, zweifache Mutter und bekennende Atheistin, hatte sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gewandt, weil sie ihr Recht, ihre Kinder nach ihren Überzeugungen zu erziehen sowie deren Recht auf Religionsfreiheit verletzt sah. Der Gerichtshof gab ihr Recht und verhängte ein entsprechendes Urteil gegen Italien, das dort von Kirche und Politik mit Unverständnis aufgenommen wurde. Auch hierzulande gibt es kritische Stimmen zum Urteil (obgleich dieses keine Wirkung auf Deutschland hat). Die katholische Deutsche Bischofskonferenz bezeichnete das Urteil als „große Enttäuschung“.
Die Organisation „Europe for Christ“ hat als Reaktion auf das Urteil zwölf Thesen zum Kreuz im öffentlichen Raum aufgestellt und ihre Mitglieder und Unterstützer, zu denen ich mich rechne, um Verbreitung gebeten. Dem komme ich gerne nach.
Die Thesen sind auf Englisch formuliert. Sie finden dazu jeweils meine deutsche Übersetzung.
1.
The right to religious freedom can only mean its exercise - not the freedom from confrontation. The meaning of “freedom of religion” has nothing to do with creating a society that is “free from religion”!
Das Recht auf Religionsfreiheit kann nur bedeuten, Religion ausüben zu dürfen – nicht, ihr keinesfalls ausgesetzt zu sein. „Religionsfreiheit“ bedeutet nicht, eine Gesellschaft „frei von Religion“ zu schaffen!
2.
Forcibly removing the symbol of the Cross is a violation on the same level as would to force atheists to mount this symbol.
Eine zwangsweise Entfernung des Kreuzes als Symbol wirkt genauso verletzend wie ein etwaiger Zwang für Atheisten, dieses Symbol zu errichten.
3.
The blank white wall is also an ideological statement – especially, if over the previous centuries, it had not been empty. A "value-neutral" state is fiction, which is often used for propaganda purposes.
Die leere weiße Wand ist auch eine ideologische Aussage – besonders dann, wenn sie über die vergangenen Jahrhunderte nicht leer war. Ein „wertneutralen“ Staat ist eine Fiktion, die oft Propagandazwecken dient. [Anmerkung: Wer das Kreuz abnimmt schafft nicht Neutralität sondern Leere. (Edmund Stoiber)]
4.
An alleged right not to be confronted with religious content, cannot be stronger than the right to free exercise of religion.
Ein vermeintliches Recht, nicht mit religiösen Inhalten konfrontiert zu werden, kann nicht schwerer wiegen als das Recht auf freie Religionsausübung.
5.
The states, which have signed the European Convention on Human Rights, have understood that the "right to freedom of religion" is certainly not a "freedom from religion".
Die Staaten, die die Europäische Menschenrechtskonvention unterschrieben haben, verstanden das „Recht auf Religionsfreiheit“ sicherlich nicht als „Freiheit von Religion“.
6.
Lawyers speak of the "slippery slope". Resist the beginnings! Today institutions are affected by iconoclastic attempts, tomorrow I will no longer be allowed to wear a religious chain around my neck.
Juristen sprechen von der „schiefen Ebene“. Wehret den Anfängen! Heute geht es um Symbole in öffentlichen Einrichtungen, morgen darum, ob man noch eine Kette mit religiösem Symbol tragen darf. [Anmerkung: Für einige englische Krankenschwestern ist das kein „Morgen“, sondern ein „Gestern“]
7.
Instead of fighting religious intolerance, religion, by way of its symbols, is being attacked.
Statt religiöse Intoleranz zu bekämpfen, wird Religion über ihre Symbole angegriffen.
8.
One cannot fight political problems by fighting against religion.
Man kann nicht politische Probleme bekämpfen, indem man gegen Religion vorgeht.
9.
Anti-religious fundamentalism makes itself an accomplice of religious fundamentalism when it provokes through intolerance.
Anti-religiöser Fundamentalismus macht sich zum Verbündeten des religiösen Fundamentalismus’, wenn er durch Intoleranz provoziert.
10.
Christianity by its very nature pushes outwardly – it can never be dismissed as private nor be locked into a ghetto!
Das Christentum drängt seinem ureigenen Wesen gemäß nach außen – es kann niemals ins Private zurückgedrängt oder in ein Ghetto gesperrt werden!
11.
The majority of the affected population would like to retain the cross! It is also a problem of democratic politics, giving priority to individual interests so blatantly.
Die Mehrheit der Bevölkerung, die es betrifft, würde das Kreuz gerne behalten. Es ist mithin auch ein Problem für eine demokratische Politik, Einzelinteressen so offenkundig Vorrang einzuräumen.
12.
The cross is the logo of Europe. It is a religious symbol, but still much more than that.
Das Kreuz ist das Zeichen Europas. Es ist ein religiöses Symbol, doch darüber hinaus weit mehr als das.
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