Zertifikate für Privatanleger
Zertifikate für Privatanleger
Datum: 22.01.2014, 14:54
Zertifikate für Privatanleger haben keinen guten Ruf. Doch richtig eingesetzt können sie sehr hilfreich sein. Dabei spreche ich weniger von gehebelten Wetten, sondern eher von Instrumenten mit denen man eine angemessene Seitwärtsrendite erwirtschaften kann. Insbesondere in unsicheren Marktphasen sollte man ein Augenmerk auf Produkte lenken, die auch bei gleichbleibenden oder fallenden Kursen eine Rendite bringen. Anbei eine kleine Übersicht über gängige Zertifikate.
- Bonitätsanleihen
Bei den sogenannten Credit Linked Notes (CLN) handelt es sich um normale Anleihen mit fester Verzinsung sowie Fälligkeitstermin. Die Rückzahlung der Anleihe erfolgt zum Nennwert (100%) sofern bei einem vorher festgelegten Referenzschuldner kein Kreditausfall eintritt. Daher liegt die Rendite solcher Bonitätsanleihen meist über einer laufzeitadäquaten Anleihe eines hochqualitativen Schuldners. Käufer von Bonitätsanleihen erwarten, dass es beim Referenzschuldner zu keinem Kreditevent kommt. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist asymmetrisch: Die maximale Rendite ist der Zins. Das maximale Risiko ist der Totalverlust.
- Aktienanleihen
Aktienanleihen sind klassische Anleihen mit fester Laufzeit und fixer Zinszahlung. Die Rückzahlung am Fälligkeitstermin orientiert sich an der Entwicklung einer Aktie (Basiswert). Liegt der Aktienkurs am Bewertungstag z.B. auf oder über dem Basispreis, dann erfolgt die Rückzahlung zu 100,00 % des Nennbetrags. Liegt der Aktienkurs unter dem Basispreis, dann erfolgt die Rückzahlung in Aktien. Käufer von Aktienanleihen erwarten eine seitlich bis leicht steigende Entwicklung der zugrunde liegenden Aktie. Die feste Zinszahlung, die unabhängig von der Aktie gezahlt wird, ist entsprechend des Risikos höher im Vergleich zu normalen Anleihen. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist asymmetrisch: Die maximale Rendite ist der Zins. Das maximale Risiko ist der Totalverlust.
- Bonus-Zertifikate
Hierbei handelt es sich um Anleihen mit fester Laufzeit. Zur Ausgestaltung eines Bonus-Zertifikats gehören ein Bonuslevel sowie ein Sicherheitspuffer in Form einer Barriere unterhalb des Basiswertes. Fällt der Basiswert während der Laufzeit nie unter die Barriere, dann erhält der Anleger den Bonus. Entwickelt sich der Basiwert besser als das Bonuslevel, dann können Anleger unbegrenzt an der Entwicklung partizipieren; manchmal wird aber auch ein Cap vereinbart. Berührt oder unterschreitet der Basiswert während der Laufzeit mindestens einmal die Barriere, dann orientiert sich die Rückzahlung an der tatsächlichen Entwicklung des Basiswertes. In diesem Fall können Verluste auftreten. Käufer von Bonus-Zertifikaten erwarten, dass der Preis des Basiswertes leicht fällt, sich seitwärts bewegt oder stark steigt.
- Discount-Zertifikate
Ein Discount-Zertifikat bildet einen Basiswert nach. Dies kann z.B. eine Aktie oder ein Index sein. Der Käufer erhält einen Rabatt (“Discount”) auf den Marktpreis und hat daher ein besseres Startniveau im Vergleich zur Direktanlage. Im Gegenzug gibt es aber eine Obergrenze für Gewinne (“Cap”). Die Rückzahlung des Zertifikats zum Fälligkeitstermin hängt an der Entwicklung des Basiswertes. Durch den Discount entsteht ein kleiner Risikopuffer. Liegt der Basiswert über dem Cap, dann erhält man nur den Höchstbetrag (maximal mögliche Rendite ist also vorher bekannt; Verlust könnte 100% sein). Käufer von Discount-Zertifikaten erwarten, dass der Preis des Basiswertes zum Laufzeitende leicht steigt oder seitlich verläuft. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist asymmetrisch: Der Gewinn ist auf den Cap begrenzt; ein Totalverlust ist möglich.
- Geldmarktanleihen
Hierbei handelt es sich um klassische Anleihen mit fester Laufzeit und Rückzahlung zu 100% des Nennwertes. Die Zinszahlungen sind allerdings variabel und an einen Referenzzins (z.B. Leitzins) gekoppelt. Manchmal wird ein Mindest- oder Höchstzins vereinbart. Beispiel: “Leitzins mal 2, mind. 0,5%, max. 3%”. Käufer von Geldmarktanleihen wollen eine sehr sichere Geldanlage und gehen tendenziell von einem steigenden Referenzzins aus.
Hinweis: Zertifikate sind Anleihen, sprich Kredite. Daher haben sie immer auch ein Emmitentenrisiko. Geht der Emmitent (Schuldner-Bank) pleite, dann ist die Einlage in Gefahr.
Beitrag erschien auch auf: pinksliberal.wordpress.com
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