Wenn die Bäckerei eine Bank wäre

Veröffentlicht:

Wenn die Bäckerei eine Bank wäre
Datum: 21.03.2016, 11:38

Du  kommst rein und bist dir noch nicht sicher welche Brötchen du kaufen willst. Der Bäcker muss nun fragen,  ob du überhaupt schon mal Brötchen gekauft hast. Er muss in Erfahrung bringen, was du beruflich machst und welchen Schulabschluss zu hast. Auch muss er protokollieren wie oft und welche Brötchen du in der Vergangenheit gekauft hast. Um abzuschätzen, ob er dir überhaupt ein Brötchen empfehlen darf, muss dich der Bäcker noch nach deinem Einkommen und deinem Vermögen befragen.

Wird eine konkrete Empfehlung ausgesprochen, dann wird dir der Bäcker jede einzelne Zutat des Brötchen erläutern müssen. Auch die Mischungsverhältnisse und jeder einzelne Produktionsschritt wird transparent dargestellt und protokolliert. Selbstverständlich klärt der Bäcker auch über die steuerliche Behandlung des Brötchens auf. Damit in der Bäckerei alles nach den gesetzlichen Vorschriften abläuft, musste der Bäcker eine personalintensive Compliance-Abteilung aufbauen.

Durch gezieltes Nachfragen muss der Bäcker feststellen, ob du alles verstanden hast. Wenn ja, dann übergibt dir der Bäcker die 140 seitige Bröschüre “Basisinformationen über Brötchen” sowie die wesentlichen Brötcheninformationen und das 455 seitige Verkaufsprospekt. Handelt es sich um ein besonderes Brötchen, dann muss dir der Bäcker 7 Tage Bedenkzeit geben, bevor er dir etwas empfehlen darf. Möchtest du das Brötchen gemeinsam mit deiner Partnerin oder deinem Partner essen, dann gelten die Pflichten für alle Personen.

Alle Einzelheiten werden dokumentiert. Wenn du Angaben verweigerst, dann darf der Bäcker keine Empfehlung aussprechen. Alle Bäcker werden ähnlich wie Nazis und Sexualstraftäter in einer nationalen Datei gespeichert. Macht der Bäcker einen Formfehler in der Dokumentation oder schmeckt dir das Brötchen nicht, dann kannst du ihn anschwärzen. Hat das Aufsichtsamt zu viele Einträge für einen Bäcker erhalten, dann kann er ein Berufsverbot bekommen.

Zum Schluss muss dir der Bäcker noch erzählen, welche Einkaufspreise er für die einzelnen Zutaten hat. Auch muss er dir auf den Cent genau offenlegen, was er an dem Brötchen verdient. Gibt es das gleiche Brötchen irgendwo anders billiger, dann muss er dir das auch noch sagen. Manchen kleinen Bäckern ist der Aufwand zu hoch. Sie schließen ihre Filialen, während die großen Konzernbäckereien weiterbacken wie bisher. Die kleinen Bäcker vor Ort werden so behandelt, als hätten sie die große Backkrise in 2008 verursacht.

Beitrag zuerst erschienen auf pinksliberal.wordpress.com

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.