Unter der Lupe_ Indexgebundene Rentenversicherungen
Unter der Lupe_ Indexgebundene Rentenversicherungen
Datum: 16.12.2013, 09:38
Private Rentenversicherungen ohne Garantiezins liegen derzeit voll im Trend. Fast alle namhaften Anbieter haben sog. “Indexgebundene Rentenversicherungen” entwickelt. Statt wie üblich Garantiezins plus Überschüsse, gibt es hier eine Indexpartizipation. Ich habe mir die Produkte angeschaut und traue meinen Augen nicht.
Die zur Altersvorsorge und zur Geldanlage beworbenen Produkte funktionieren alle ähnlich. Auf die Einzahlungen gibt es keinen Zins. Mit diesem theoretischen Zins geht die Versicherung in einen Index. Relevant sind die Monatsentwicklungen des z.B. EuroStoxx50. Jede Monatsentwicklung wird aufaddiert bzw. subtrahiert. Positive Monate werden auf einen “Cap” gekürzt. Nach 12 Monaten wird geschaut, was raus kommt: Ist das Ergebnis positiv, dann ist das die Rendite für die Verträge. Ist es negativ, dann wird es auf 0,00% erhöht. Diese Systematik gilt bei fast allen Anbietern.
Weil es sich rechtlich um eine Versicherung handelt, müssen die Berater kein aufwendiges Beratungsprotokoll erstellen (mehr dazu).Was Privatkunden hier angeboten wird, ist eine komplizierte derivative Struktur. Auch Kosten und Provisionen müssen die Berater, anders als bei z.B Fonds, erst auf Nachfrage offenlegen. Konsens sind Abschlusskosten in Höhe von 4%, bezogen auf alle Beiträge bis zum Laufzeitende. Die sich ergebende Summe, wird komplett zu Beginn des Vertrages in Rechnung gestellt. Je länger die Laufzeit, desto mehr Provision gibt es. Eine Versicherung wirbt dreist damit, dieses Produkt für Kinder abzuschließen. Dabei kommen oft Laufzeiten von über 60 Jahren heraus. Zusätzlich werden die Verträge mit 3% bis 6% Verwaltungskosten belastet. Bei Kündigung gibt es obendrein noch Stornoabzüge.
Alle Anbieter werben mit einer Kapitalgarantie. Dass im verwendeten Index “EuroStoxx50″ keine Dividenden enthalten sind, verschweigt man aber. Mit indexgebundenen Rententarifen hat sich die Versicherungsindustrie still und heimlich aus der Verzinsung verabschiedet. Ob die Kunden eine Rendite erhalten, liegt künftig am EuroStoxx und nicht mehr an einer Garantiezusage. Wer eine kapitalmarktbasierte Altersvorsorge mit Kapitalgarantie machen möchte, der ist bei “ungefördertem Riester”wesentlich besser aufgehoben. Zum Schluss bleibt mir noch zu erwähnen, dass es für Versicherungsguthaben quasi keine Einlagensicherung gibt. Wer die derivative Struktur, alle Kosten und Bedingungen verstanden hat, der kann gerne eine indexgebundene Rentenversicherung abschließen. Allen anderen rate ich ab.
Es wird allerhöchste Zeit, dass MiFID auf ALLE Finanzprodukte ausgeweitet wird! Die CDU ist bisher dagegen und schützt Anbieter von diesen dubiosen Versicherungsprodukten. Hier weiter lesen…
Beitrag erschien zuerst auf: pinksliberal.worpress.com
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