Rauchentwöhnung ist nicht nur Kopfsache

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Rauchentwöhnung ist nicht nur Kopfsache
Datum: 17.03.2014, 12:36

Ich habe im Oktober 2013 mit dem Rauchen aufgehört. Wenn man bedenkt wie wenig “Wirkung” der Konsum von Nikotin hat, dann sind die Entzugserscheinungen wirklich extrem. Auch ich durfte mir von Freunden und Bekannten anhören, dass “das alles nur Kopfsache”sei. Dies war eine mutwillige Verharmlosung medizinischer Vorgänge! Warum sagt man Rauchern nicht die Wahrheit? Die Wahrheit ist: Ihr seid krank! Der Entzug ist eure Heilung. Ihr seid Junkies, werdet durch die Hölle gehen, aber danach seid ihr gesund. Man muss das Rauchen tatsächlich als Krankheit sehen; nicht als schlechte Angewohnheit. Ich habe zirka 11-12 Jahre (16 bis 27) lang geraucht. Am Schluss war es fast eine Packung pro Tag.

Die ersten Nächte nach dem Entzug wacht man immer wieder auf.Es fällt schwer klar zu denken und man kann nur noch an Tabak denken. Für Nichtraucher ist das jetzt nicht nachvollziehbar. Stellt euch vor ihr müsst ganz heftig niesen, aber es kommt nichts. So ungefähr fühlt man sich. In den ersten Wochen haben mir Nikotinpräparate geholfen. Solche Kaugummis kann man in jeder Apotheke kaufen (online meist billiger). Eine Packung kostet ca. 25 Euro und reicht mir länger als einen Monat. Verglichen mit meinen Rauchkosten in Höhe von ca. 150€ monatlich, war das schon mal eine Verbesserung.

Ich bin komplett von Zigaretten zu Kaugumis umgestiegen. Aber auch das war nicht leicht. Nachts hatte ich ein Druckgefühl in der Lunge und auch mein Hals schmerzte widerlich. Beim Sport haben meine Fingerspitzen ekelhaft gepocht. Warscheinlich ist dort seit langem wieder mal ein Tropfen Blut geflossen. All diese Entzugserscheinungen kann man durch Kaugummis nicht lindern – da muss man einfach durch. Es gab aber auch positive Effekte. Im sportlichen Bereich der Ausdauer erlebte ich eine unfassbare Leistungssteigerung. Das zeigte mir dann, was der Rauch alles kaputt gemacht hat. Ein weiterer positiver Effekt zeigte sich beim Essen und Trinken: Bereits nach der ersten Woche schmeckt alles besser und intensiver!

Man hört immer wieder, dass man nur die ersten beiden Wochen überstehen müsse, “damit man über´m Berg ist”. Dies kann ich nicht bestätigen. Es dauert wesentlich länger. Nach den körperlichen Effekten folgen heftige psychische Entzugserscheinungen. Ich verspürte vor allem Aggressionen und das ständige Bedürfnis alles und jeden kurz und klein zu schlagen. Man wirkt extrem gereizt und verliert dadurch wichtige Sozialkompetenzen. Auch extreme Stimmungsschwankungen habe ich verspürt, doch die legten sich stets mit Einnahme eines Nikotinpräparates.

Es gibt ja bekanntlich Kaugummis, Pflaster, Sprays und viele andere Formen von Nikotinpräparaten. Ich habe mich mit Kaugummies und einem Spray angefreundet. Selbst heute benötige ich noch 2-3 Kaugummies pro Tag, aber das ist mir egal, denn ich bin rauchfrei. Das giftige am Rauchen ist ja nicht das Nikotin, sondern der Rauch. Am schlimmsten ist der Entzug in Verbindung mit Alkohol. Hier hilft dann ein Nikotinspray, allerdings habe ich hiermit keine guten Erfahrungen. Manchmal bekomme ich davon heftigen Schluckauf. Auch ist man zirka 1-2 Minuten nach dem sprayen nicht ansprechbar, denn die ganze Mundhöhle brennt höllisch.

Durch die kontrollierte Einnahme von Nikotin konnte ich auch mein Gewicht halten, denn mein Stoffwechsel ist dadurch nicht schlagartig zusammen gebrochen. Außerdem konnte ich durch die wesentlich verbesserte Leistung im sportlichen Bereich mehr Energie verbrennen, was den klassischen Effekt ziemlich kompensiert hat. Nun ist meine letzte Zigarette fast ein halbes Jahr her und der Entzug ist noch immer allgegenwärtig. Über die Fasnachtstage habe ich auch ein bisschen geraucht, was ein folgenschwerer Fehler war. Hierdurch musste ich die letzten Tage wieder einen leichten Entzug machen. Zu denken man könne mit dem Rauchen aufhören, um irgendwann “Gelegenheitsraucher” zu werden, ist eine Illusion, von der man sich verabschieden muss.

Der Rauchstopp ist möglich, aber nicht ganz so einfach, wie getan wird. Ich empfehle ganz dringend Nikotinersatzmittel, damit man das Gewicht halten kann. Auch kann man damit die schlimmsten Entzugserscheinungen lindern. Von der E-Zigarette halte ich nichts, denn man sollte sich von Rauchritualen und der klassischen “Rauchbewegung” fern halten. Ich spare inzwischen zirka 125 Euro pro Monat, fühle mich rein und gesund, konnte meine sportliche Leistung wesentlich verbessern und habe Freiheit gewonnen. Das war es wert! Raucher sind nicht frei, denn sie sind immer damit beschäftigt, den nächsten Schuss zu planen. Man kann es also schaffen, aber nur wenn man will und nur wenn man harte Regeln befolgt. Wichtig ist hierbei: Der Rauchstopp muss gut geplant werden. Hierzu gibt es zahlreiche Webseiten und Youtube-Videos. Wenn man vorher weiß, was mit dem Körper passiert, dann kann man es besser aushalten. Verharmlosung ist da eher kontraproduktiv.

Beitrag erschien zuerst auf: pinksliberal.wordpress.com

Sven von Storch

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