Griechenland muss das Jahr 2015 überstehen
Griechenland muss das Jahr 2015 überstehen
Datum: 28.04.2015, 10:01
Im Laufe dieses Jahres könnte passieren, was eigentlich nicht passieren darf: Ein Euroland scheidet aus dem Euro aus. Einen solchen Fall sieht die Konstruktion der Gemeinschaftswährung nicht vor und könnte sie empfindlich beschädigen. Deshalb werden die Institutionen alles dafür tun, dass es nicht so weit kommt. Überlebt Griechenland das Jahr 2015 ohne Grexit, dann ist das Gröbste überstanden.
Ein Grexit könnte Griechenland kurze und heftige Schmerzen verschaffen, das Land aber von seinen langfristigen Leiden erlösen. Der Schaden für die europäische Ideologie hingegen wäre wesentlich größer. Sofort käme Italien auf den Plan. Das Land ist mit seinen Defiziten bereits heute der Elefant im Euro-Porzellanladen. Eine Schlüsselrolle hat die EZB. Anders als in 2010 oder 2012 ist sie heute besser aufgestellt und kann inzwischen auch auf damals undenkbare Instrumente zurückgreifen. Das Thema Griechenland beschäftigt die Märkte nun zum dritten Mal, aber bald könnte Schluss damit sein, denn die griechische Schuldenstruktur zeigt Hoffnung.
Die meisten griechischen Anleihen sind in der Hand der Steuerzahler. Ein Großteil, knapp 28 Mrd. Euro, wird noch in 2015 fällig. Auch die wenigen restlichen privaten Gläubiger erwarten noch in 2015 ihr Geld zurück. Ab 2016 hat Griechenland fast nur noch öffentliche Gläubiger wie die Rettungsschirme, den IWF, die EZB oder Regierungen. Die Tilgung für Kredite der Rettungsschirme beginnen erst im Jahr 2023, was weitere Luft verschafft. Übersteht Griechenland durch Verhandlungen und Umschuldungen 2015, dann entspannt sich die Lage extrem. Richtig zur Sache gehts es im Juni und Juli: Am 12.06. sind knapp 4 Mrd. Euro fällig. Bereits eine Woche später sind weitere knapp 2 Mrd. Euro fällig und Mitte Juli noch einmal ca. 3,5 Mrd. Euro. Übersteht Griechenland diesen Sommer, dann gibt es wieder Hoffnung.
Wie kann Griechenland diesen Sommer überstehen? Ab 2016 nehmen die fälligen Kredite extrem ab, deshalb werden die Institutionen alles daran setzen, dass die Griechen irgendwie über den Sommer kommen. Einen Grexit halte ich für ausgeschlossen, denn die radikaleuropäische Machtelite will ihr Gesicht wahren und die Ideologie um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Für wahrscheinlicher halte ich eine Umstrukturierung der Schulden. Der “fällige Klotz” in 2015 könnte vom medial manipulierten Steuerzahler übernommen werden, während man dann die Anleihen zeitlich streckt. Eine andere Alternative wäre ein harter Schuldenschnitt, was aber Griechenland über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abschneiden würde. Eine Umstrukturierung der Schulden würde sich in der Propaganda besser anhören. Zudem könnte sich ein gesundetes Griechenland nach dem “Soft Landing” wieder am Kapitalmarkt refinanzieren.
Griechenland muss, wie auch immer, 2015 überstehen. Ab 2016 sinken die Belastungen drastisch. Wenn die europäische Gemeinschaft gemeinsam mit dem IWF das Land retten will und dabei die Ideologie aufrecht erhalten möchte, dann kann es weder einen harten Schuldenschnitt noch einen Grexit geben. Die einzig schlüssige Lösung wäre eine Umstrukturierung der in 2015 fälligen Kredite, damit sich Griechenland ab 2016 wieder selbstständig an den Märkten finanzieren kann. Das skizzierte Szenario preist aktuell auch der Markt ein: Kurzfristige Griechenbonds rentieren im Vergleich zu den langfristigen Anleihen fast um das Doppelte. Der Sommer bleibt also spannend, und die Fachklatschpresse wird noch einiges zu schreiben haben.
Zuerst erschienen auf pinksliberal.wordpress.com
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