FDP-Chef Christian Lindner_ “Der 22.09.2013 war keine Abwahl des politischen Liberalismus”
FDP-Chef Christian Lindner_ “Der 22.09.2013 war keine Abwahl des politischen Liberalismus”
Datum: 23.07.2014, 10:17
Man hat lange nichts mehr von ihm gehört, doch nun sagt Christian Lindner in einem Interview mit dem “TheEuropean” sehr interessante Dinge. Seiner Meinung nach hat nicht der Liberalismus die Wahl verloren, sondern die FDP, weil sie den liberalen Maßstäben nicht gerecht wurde.
Lindner betont, dass Liberalismus nicht nur eine Lehrbuchtheorie sei, sondern dass es sich um alltagstaugliche Selbstbestimmung handle. “Wir müssen zeigen, dass die Menschen einen konkreten Vorteil haben, wenn es eine liberale Partei gibt”, meint er. Genau das ist es, was die FDP in ihrer Regierungszeit versäumt hat. Auch spricht er ein Tabuthema an: Das geteilte liberale Lager. Es gibt zum einen konservative Spießbürger, die sich liberal nennen und es gibt zum anderen “linksliberale” und weltoffene Liberale. Erstere sind meiner Meinung nach wahrscheinlich zur AfD gewandert, letztere haben keine politische Heimat. Die Piraten hätten diese Lücke füllen können, haben sich aber nicht getraut. Christian Lindner will “diese beiden Pole” in der FDP verbinden, damit eine gesamtliberale Partei entsteht. Den dritten Pol der “Libertären” spricht er nicht an. Diese Richtung wird wie immer totgeschwiegen.
Lindner wünscht sich einen Staat, der Schiedsrichter ist, aber keine Tore schießt. Ein freiheitlicher Staat macht seine Bürger nicht zu Taschengeldempfängern, wie er sagt. Ich halte diese Aussage für sehr korrekt, halte sie aber nicht für durchsetzbar. Der durchschnittliche Deutsche will Taschengeldempfänger sein. Er liebt es abhängig und gefesselt zu sein. Die meisten Deutschen bevorzugen staatsgläubigen Gehorsam, denn so haben sie es im Merkelismus gelernt. Damit dieser Deutsche wieder Freiheit will muss er zuerst von seinem geliebten Staat zum frieren oder hungern gezwungen werden. Vorher tut sich da nichts. Aber das darf Lindner natürlich nicht so direkt sagen, denn er muss ja als Karrierepolitiker politisch korrekt sein. Ich sehe es da ähnlich wie die Autoren Weik und Friedrich: Der Crash ist die Lösung!
Lindner kritisiert auch die Beweislastumkehr, die viele Journalisten vornehmen. Es wird in gelernter linksgrüner Manier behauptet, dass zu viel Freiheit und “Deregulierung” viele aktuelle Probleme verursacht. Man müsse deshalb die Freiheit begrenzen. Christian Lindner sieht das anders und möchte, dass man die Freiheit des Einzelnen und nicht von Oligarchen stärkt. Als Beispiele nennt er Facebook und Google. Man hätte aber auch die Zentralbanken nennen können: Durch unfreie Kapitalmärkte, Manipulation und das große Finanzoligopol entstanden Verwerfungen , mit denen wir heute noch kämpfen. Nicht die Freiheit der Märkte ist das Problem, sondern deren Unfreiheit. Trotz Bürokratie haben wir an den Märkten 6 Jahre nach Ausbruch der Krise noch immer “nahezu unkontrollierbare Risiken”, wie es Lindner beziffert.
Link: Das komplette Interview
Zuerst erschienen auf pinksliberal.wordpress.com
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