Die Lüge von der Mini-Inflation
Die Lüge von der Mini-Inflation
Datum: 18.06.2014, 09:27
- Wem nützt eine künstlich niedrige Inflationsrate?
Nutznießer von künstlich niedriger Inflation sind alle Schuldner, denn sie können sich auf niedrige Zinsen freuen. Der größte Schuldner ist der Staat. Auch die Wirtschaft freut sich über eine Inflation die geringer ausgewiesen wird, wie sie tatsächlich ist. So haben Arbeitnehmervertreter kaum noch Argumente für Lohnerhöhungen, obwohl ihre tatsächliche Kaufkraft immer weiter sinkt. Auch Renten, Sozialleistungen und andere Transfers sind quasi an die offizielle Inflation gekoppelt. All diese Menschen werden durch diesen Taschenspielertrickt betrogen. Beispiel: Im Statistischen Warenkorb sind Nahrungsmittel mit 10,3 Prozent und Stromkosten mit 2,6 Prozent gewichtet. Alles klar, oder? “Inflationsrate wird systematisch zu niedrig berechnet”. Zu diesem Ergebnis kommt auch der Investor-Verlag.
- Der Warenkorb: Man rechnet wie man will
Dirk Müller bringt es in seinem neusten Buch toll auf den Punkt und erklärt den Sachverhalt wie folgt: “So wurde beispielsweise die Gewichtung von Lebensmitteln, deren Preise in den letzten Jahren dramatisch anzogen, von 13,1 Prozent im Jahr 1995 auf 10,4 Prozent im Jahr 2005 reduziert! Gleichzeitig wurde der Anteil von Freizeit und Kultur, zu dem auch die immer billiger werdenden Fernreisen zählen, von 10,4 auf 11,6 Prozent erhöht. Im Klartext heißt das: Man will der armen Rentnerin erklären, dass sie halt Pech hat, wenn ihr ganzes Geld, das sie nach den Ausgaben für Wohnen und Heizen noch übrig hat, für immer teurere Lebensmittel draufgeht. Würde sie weniger essen und stattdessen öfter nach Mauritius fliegen, hätte sie auch nicht so eine hohe persönliche Inflationsrate.” Auch der Focus hat das Thema beleuchtet und erklärt den Betrug ziemlich genau.
- Die Qualität der Waren nimmt ab
Es gibt zahlreiche Waren, die zwar im Preis gefallen oder gleich geblieben sind, aber in der Qualität sanken. In den 90er Jahren kostete eine Fertiglasagne 4 DM. Heute kostet sie 2€ enthält aber billigeres Pferdefleisch. Im Warenkorb schlägt sich dies nicht als Preissteigerung nieder, denn der Preis ist ja nicht gestiegen. Wie sieht es mit dem Service bei Flügen und Bahnreisen aus? Auch diese Dienstleistungen wurden nicht wesentlich teurer oder sogar günstiger. Aber die Qualität nahm subjektiv betrachtet deutlich ab. Was würde unsere Nahrung heute kosten, wenn sie kein Müll wäre? Wer heute die Qualität von damals will, muss wesentlich mehr bezahlen. Lebensmittel, die aufgrund traditioneller oder langjähriger gesetzlicher Vorgaben nicht schlechter werden dürfen, sind stark im Preis gestiegen. Beispiel: Der Bierpreis auf dem Oktoberfest erhöhte sich in den letzten 27 Jahren um jährlich ca. 4%. In den letzten 10 Jahren waren es sogar ca. 4,5% (Quelle).
- Inflation sucht sich andere Ventile
Wir exportieren unsere Inflation. Was würde unsere Kleidung kosten, wenn sie nicht unter erbärmlichen Bedingungen hergestellt würde? Was würde unsere Nahrung kosten, wenn wir nicht unseren Heimatplaneten vergiften würden? Was würde unsere Energie kosten, wenn wir nicht unsere Umwelt zerstören würden? Wir verlagern einen Teil der Preissteigerungen auf die sog. dritte Welt und auf unsere Kinder. Viele Preise konnten nur deshalb stabil bleiben, weil wir die Dreistigkeit besitzen, andere Menschen und unsere Kinder dafür zu bestrafen. Durch Umweltzerstörung, Gentechnik, Lebensmittelchemie und Billigarbeiter sichern wir uns stabile Preise; die wahre Inflation bezahlen andere.
- So berechnet man die wahre Inflation
Möchte man den wahren Kaufkraftverlust unseres Geldes ausrechnen, dann kann man das per “bottom up”, also einem Warenkorb machen, oder aber auch “top down” über die Volkswirtschaft. Man muss sich einfach anschauen, wie das Verhältnis des vorhandenen Geldes zur realen Wertschöpfung aussieht. Die Formel dazu: Inflation = Zuwachs M3 minus Zuwachs BIP. Diese Inflation liegt aktuell bei zirka 4%. Die Seite “Realgeld” rechnet zwischen 2003 und 2008 sogar mit bis zu 9% pro Jahr. Das unaufhörliche Gelddrucken der Notenbanken drückt die Inflation immer mehr nach oben. Der kleinste Teil dieser Geldentwertung zeigt sich im medienwirksamen Verpraucherpreisindex. Die wahre Inflation enteignet, versklavt, vergiftet und zerstört. Vereinfacht gesagt: Opfer dieser Geldpolitik sind alle, die auf Geld angewiesen sind, weil sie sich Sach- und Vermögenswerte nicht leisten können. Wann gehen diese Menschen gegen die Notenbanken auf die Straßen? ….. ach ja, da war ja was.
Beitrag erschien auch auf: pinksliberal.wordpress.com
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