Die ehrwürdigen Aufgaben der Banken

Veröffentlicht:

Die ehrwürdigen Aufgaben der Banken
Datum: 19.08.2014, 10:48

Ich lese gerade das Buch “Der Crash ist die Lösung” von Matthias Weik und Marc Friedrich. In den ersten Seiten des Buches findet regelrechtes Bankenbashing statt. Teilweise überspitzt formuliert, aber zu keinem Zeitpunkt populistisch.Man bekommt schnell den Eindruck, Banken wären generell kriminell. Es gibt aber tatsächlich auch ehrwürdige Aufgaben der Banken, auf die sie sich wieder zurückbesinnen könnten.

     

  • Fristentransformation
  •  

Die meisten Sparer möchten ihr Geld kurzfristig anlegen. Häuselauber und Investoren benötigen aber langfristige Kredite. Es ist die Aufgabe der Banken dieses Problem in der Volkswirtschaft zu lösen. Hierfür bedarf es auch Derivate wie z.B. Zinsswaps, mit denen sich die Institute absichern können. Die ehrwürdige Aufgabe besteht darin, die Nachfrage nach kurzfristigen Anlagemöglichkeiten zu befriedigen, obwohl die Volkswirtschaft meist nur langfristige Kredite aufnimmt. Für diese Risikoübernahme erhält die Bank eine Risikoprämie, um eventuelle Risikoeintritte zu finanzieren.

     

  • Riskotransformation
  •  

Gäbe es keine Banken, dann müssten sich Sparer direkt als Geldgeber in der Wirtschaft engagieren. Dieses Risiko möchten die meisten Sparerinnen und Sparer nicht eingehen. Die Aufgabe “Riskotransformation” der Banken besteht darin, der Volkswirtschaft Wagniskapital zur Verfügung zu stellen, wobei sie ihren eigenen Gläubigern größt mögliche Sicherheit bietet. Unterstrichen wird diese Sicherheit ganz aktuell mit Einlagenschutz und staatlichen Garantien. Wollen Anleger tatsächlich das Risiko und auch die Rendite gewisser Wagnisse, dann gehört es zu den Aufgaben der Finanzwirtschaft, diese Risiken verbraucherfreundlich in Sondervermögen zu bündeln, damit sich geneigte Sparer daran beteiligen können.

 

     

  • Losgrößentransformation
  •  

Die Transformation der Losgrößen ist eine der wichtigsten Aufgaben von Banken, denn Unternehmen benötigen für ein einziges Wagnis meist große Investitionssummen. Diese Beträge bei unzähligen Sparern ein zu sammeln wäre fast unmöglich. Deshalb schaltet man Banken dazwischen. Sie sammeln im kleinteiligen Spargeschäft Geld ein und investieren es als “große Summen” in der Volkswirtschaft. Auch im Hinblick auf die Risikostreuung macht es für Sparer keinen Sinn, sich direkt an nur einem Unternehmen zu beteiligen. Ohne diese Leistung der Banken müssten sich z.B. Häuselauer an unzählige Kleinsparer  wenden, um ihr Vorhaben zu finanzieren. Das wäre ein Unding und viel zu kompliziert.

Bei allem Respekt für Bankenbashing und bei aller berechtigten Kritik an der Finanzwirtschaft möchte ich gerne mal wissen, wer die oben genannten Aufgaben übernimmt, wenn die “bösen Banken” abgeschafft und die “bösen Banker” auf dem Scheiterhaufen sind. Klar der “Crash ist die Lösung”. Ich sehe das auch so. Aber wer übernimmt nach dem Crash die echten und ehrlichen Aufgaben einer Bank?

Beitrag erschien auch auf: pinksliberal.wordpress.com

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.