Darum wackeln wieder die Banken
Darum wackeln wieder die Banken
Datum: 17.08.2016, 14:52
Die Stammtische verstehen die Welt nicht mehr. „Die Banken haben sich jahrelang dumm und dämlich verdient.“, so der Tenor. Doch so einfach ist es nicht, denn eine Bank ist kein Privathaushalt. Wenn eine Bank Geld verdient, dann stärkt sie ihr Eigenkapital und schüttet einen Teil der Gewinne an die Eigentümer aus. Mit dem höheren Eigenkapital kann sie ihre Kreditvergaben erhöhen. Die Eigenkapitalquote, also die Relation des Kapitals zu den Kreditvergaben, bleibt dabei immer gleich.
Die Zinsen sind nun seit 2008 niedrig. Viele höherverzinste Darlehen in den Bankbilanzen waren bereits fällig und wurden zum niedrigeren Zinsniveau verlängert. Die Kreditnehmer bezahlen nun für das gleiche Geld nicht mehr 4% sondern 1% bis 2%. Gleichzeitig verlangt die EZB inzwischen 0,4% auf Einlagen, die Geschäftsbanken bei ihr tätigen müssen, weil die Privathaushalte in Liquidität schwimmen. Weil es schwierig ist, diesen Negativzins an Privatkunden weiter zugeben, belastet dies zusätzlich die Ergebnisse.
Will eine Volkswirtschaft ein wachsendes Kreditvolumen, dann bedarf dies wachsendes Eigenkapital bei den Banken. Hierfür benötigen die Institute einen Jahresüberschuss und möglichst wenig Kreditausfälle. Die Gewinne der Vergangenheit sind in das Kreditwachstum (Stichwort Immobilienblase) oder an die Eigentümer geflossen. Bleibt das Zinsniveau nahe oder unter Null, dann können sich für die Steuerzahler noch einige Bankenrettungen ergeben. Ich glaube nicht, dass viele Politiker, die Verantwortung haben, wissen wie eine Bank funktioniert.
Die EZB ist nicht alleine schuld! Die Zentralbank wird gerne als Südenbock herangezogen, dabei haben die Banken auch hausgemachte Probleme. Der Präsident der Europäischen Zentralbank hat stets betont, dass er nur Zeit kaufen kann. Staaten und Banken müssen die Zeit für Reformen nutzen. Ähnlich wie die Merkelregierung, haben sich Banken einfach auf der Nullzinswelle ausgeruht und wichtige Weichenstellungen verschlafen.
Zuerst erschienen auf https://pinksliberal.wordpress.com/
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