BIP-Berechnung_ Sex, Drugs and Rock´n´Roll

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BIP-Berechnung_ Sex, Drugs and Rock´n´Roll
Datum: 18.08.2014, 10:59

Das Bruttoinlandsprodukt soll alle wirtschaftlichen Aktivitäten einer Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres messen. Man ändert nun die Berechnungsmethode, weil man eine Vereinheitlichung schaffen möchte, damit die Staaten vergleichbar werden. “Forschung und Entwicklung” in Unternehmen gilt künftig als Investition. Auch staatliche Rüstungsausgaben gelten nicht mehr als Staatskonsum sondern als Investition. Weil beim BIP “alles” gemeint ist, gehören natürlich auch alle illegalen Aktivitäten dazu. So wird künftig auch Schmuggel, Drogenhandel und Prostitution hinzu gerechnet. Das Sexgewerbe ist in vielen Ländern illegal, weshalb es im bisherigen deutschen BIP nicht berücksichtigt wurde.

Schmuggler, Schwarzarbeiter und Drogenhändler legen aus naheliegenden Gründen selten eine Bilanz vor. Deshalb müssen diese Aktivitäten geschätzt werden. Hier will man auf Daten des Bundeskriminalamtes zurück greifen. Es entsteht ein Stellhebel, den man je nach Bedarf größer oder kleiner schätzen kann. Durch die einmalige Bewertung der Schattenwirtschaft steigt das deutsche BIP nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters auf einen Schlag um 72 Milliarden Euro. Für die Politik entstehen hierdurch neue Spielräume: Mehr Schulden sind möglich, denn die Staatsverschuldung in Bezug auf das BIP sinkt um zirka 2,5%-Punkte auf nun 76%.

Kommt es also künftig zu mehr Rüstungsexporten, Schwarzarbeit,  Schmuggel, Prostitution und Drogenhandel, dann kann die Politik mehr Schulden machen. Das Statistische Bundesamt wird das neue BIP übrigens bis 1991 zurück rechnen. Deshalb kommt es zumindest in den ofiziellen Zahlen nun nicht zu einem wundersamen Wachstumgsschub. Man weiß nicht wirklich was man von dem neuen BIP halten soll. Wie schon beim alten BIP handelt es sich um eine staatliche Statistik. Man sollte mit solchen Zahlen absolut vorsichtig umgehen und sie niemals für “echt” halten.

Das BIP sagt wenig über Wohlstand oder die Leistung der Menschen aus. Die Arbeit einer “Mutter”, eines “Vaters” oder Pflege in der Familie wird nicht mit einbezogen. Auch Ehrenämter oder Hobbys fehlen komplett. Krieg und Naturkatastrophen hingegen erhöhen das BIP. Das Thema Umweltschutz fehlt komplett. Zerstören wir unseren Planeten für Profite, dann steigert dies das BIP. Wachstum im Sinne des BIP ist also nicht zwangsläufig ein Grund zum feiern; außer für die Politik natürlich, denn sie kann wieder mehr Schulden machen. Das kann man sich wie ein automatischer Dispokredit vorstellen: Steigt das BIP, dann steigt das Kreditlimit. Mehr Wachstum bringt mehr Verschuldung und mehr Verschuldung bedeutet mehr Zinszahlungen im Bundeshaushalt. Diesen Effekt sehen wir aber (noch) nicht, weil die Zentralbank die Zinsen künstlich niedrig hält.

Beitrag erschien auch auf: pinksliberal.wordpress.com

Sven von Storch

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