Alles hat seinen Preis

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Alles hat seinen Preis
Datum: 09.12.2014, 13:38

Qualität und Substanz hat immer einen Preis. Selbst abstrakte Dinge, wie Zeit oder Versprechen haben ihren Preis. Welchen Wert hat etwas kostenloses? Kann eine Währung, die keinen Preis abwirft, wertvoll sein?

Stellt euch vor, wir würden eine heftige Immobilienblase erleben und Mieter bekämen von ihren Vermietern Miete, weil sie die Wohnung bewohnen. Niemand würde eine Negativmiete für möglich halten, doch beim Zins ist genau dies der Fall. Bis zu 3 jährige Bundesanleihen werfen eine negative Rendite ab. Viele Risikoaufschläge anderer Anleihen sind negativ, und kürzen damit den Nominalzins auf ein kleines Etwas. Der Realzins ist schon lange negativ. Anleger können zurecht den Wert einer Währung anzweifeln, wenn sie ihnen schadet.

Die skizzierte Wertlosigkeit unserer Währung ist kein reines Euro-Problem, sondern eher die Folge einer neuen Geldpolitik. Die EZB hatte den Plan die Zinsen “vorübergehend” zu senken, damit sich die Staaten reformieren können und hierbei nicht durch zu hohe Zinsen belastet werden. Auf Seite der Reformen ist bisher nicht viel passiert. Die EZB hat nun das Dilemma, dass sie aus dieser Situation nicht mehr heraus kommt und der Zins langfristig niedrig bleiben wird. Mario Draghi selbst sagte, dass er “…nur Zeit kaufen kann. Die wahren Probleme müssen die Staaten selbst lösen”.

Die Folgen von (zu) billigem Geld, mussten wir schon mehrfach sehen. Es bilden sich Spekulationsblasen, die beim Bereinigen stets neue Krisen verursachen können. Neu an der jetzigen Situation ist die Dauer. Der Zins ist schon fast ein halbes Jahrzehnt so niedrig! Bei früheren Zinstiefs konnten sich Anleger wie Versicherungen oder Fonds mit Festzinsanlagen über das Zinstal hangeln. Doch viele dieser hochverzinsten Anlagen waren längt fällig und müssen nun “zinslos” angelegt werden. Die Rendite von Anleihenfonds oder Versicherungen wird langfristig darunter leiden und nicht mehr an der Renditen der Vergangenheit anknüpfen können.

Schaden entsteht nicht nur durch den abgeschafften bzw. niedrigen Zins. Der jeweils größere Schaden entsteht, wenn die Zinsen wieder steigen. Höhere Zinsen schlagen in den Staaten empfindlich in den Haushalten ein und sorgen für höhere Ausgaben. Selbst jetzt mit dem Minizins schafft es unsere Regierung gerade mal so, einen ausgeglichenen Haushalt für 2015 zu präsentieren. Getilgt wird aber nichts. Wie soll das werden, wenn Deutschland wieder 2% oder 3% bezahlen muss? Die andere Seite der Risiken stellen die Kurse von Anleihen dar. Steigt der Zins und werden die Ausfallrisiken nicht mehr manipuliert sondern fair bewertet, dann fallen die Kurse drastisch. Belastet werden hierdurch Fonds, Versicherer und Banken. Dann ist wieder der Steuerzahler gefragt und das Spiel beginnt von neuem.

Zuerst erschienen auf pinksliberal.wordpress.com

Sven von Storch

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