Vier Jahre Rückwärtsgang. Wo bleibt die Wende?

Veröffentlicht:
Einführung

Vor wenigen Tagen standen 12.812 Unternehmensinsolvenzen im Mittelpunkt. Heute liefert der deutsche Maschinenbau die nächste Zahl derselben wirtschaftlichen Geschichte. Aufträge kommen zurück, doch die Produktion fällt weiter. Nach vier Jahren beginnt die Frage nach dem Aufschwung nüchterner zu klingen.

Vor wenigen Tagen haben wir auf 12.812 Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026 geschaut. Heute folgt die nächste Momentaufnahme derselben wirtschaftlichen Lage. Dieses Mal geht es um eine Branche, die wie kaum eine andere für das industrielle Deutschland steht: den Maschinen- und Anlagenbau.

Der VDMA rechnet für 2026 inzwischen mit einem realen Produktionsrückgang von zwei Prozent. Zuvor hatte der Verband noch mit Stagnation gerechnet. Damit würde die Produktion im deutschen Maschinenbau das vierte Jahr in Folge sinken.

In den ersten sieben Monaten des Jahres lag die Produktion laut VDMA 4,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Genau dieser Verlauf führte zur Korrektur der Prognose.

Aufträge steigen, Produktion fällt

Vier Jahre ergeben inzwischen mehr als eine vorübergehende Schwächephase. Eine industrielle Entwicklung, die so lange anhält, verändert Investitionsentscheidungen, Personalplanung und die Bereitschaft, neue Kapazitäten in Deutschland aufzubauen.

Und doch enthält die heutige Meldung einen bemerkenswerten Widerspruch: Die preisbereinigten Bestellungen stiegen in den ersten sieben Monaten um fünf Prozent.

Aus Ländern außerhalb der Eurozone legten die Bestellungen sogar um 14 Prozent zu. Deutsche Maschinen finden also weiterhin Käufer auf den Weltmärkten.

Die Nachfrage ist damit keineswegs verschwunden. Vielmehr entsteht eine Lücke zwischen neuen Aufträgen und der tatsächlichen Produktion im Inland.

Das Ministerium sieht die Bremsspuren

Genau an dieser Stelle wird die Lage politisch interessant. Denn eine Volkswirtschaft kann Exportaufträge gewinnen und gleichzeitig einen Teil ihrer industriellen Dynamik verlieren.

Das Bundeswirtschaftsministerium beschreibt für den Beginn des dritten Quartals ebenfalls eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik. Die Industrieproduktion sank im Juli um 2,2 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Bei den Investitionsgüterproduzenten lag das Minus im Juli sogar bei 3,4 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt um 2,5 Prozent, wobei Großaufträge aus öffentlicher Beschaffung eine wichtige Rolle spielten.

Diese Zahlen gehören zusammen. Sie erzählen von einer Wirtschaft, in der Nachfrage vorhanden ist, öffentliche Ausgaben Impulse setzen und dennoch Teile der industriellen Produktion hinterherlaufen.

Die Insolvenzen waren nur ein Teil des Bildes

Das macht die frühere Frage nach den Insolvenzen noch interessanter. 12.812 Firmenpleiten waren keine isolierte Statistik. Sie waren ein anderer Ausschnitt desselben wirtschaftlichen Umfelds.

Ein Unternehmen kann an Finanzierungskosten, Energiepreisen, schwacher Binnennachfrage oder fehlenden Margen scheitern. Ein anderes kann weiter Aufträge gewinnen und trotzdem Investitionen zurückhalten. Beide Entwicklungen können gleichzeitig auftreten.

Auch die deutsche Automobilindustrie passt in dieses Bild. Restrukturierungen, Kostensenkungen und die Debatte über Produktionsstandorte zeigen, wie stark der Druck inzwischen durch industrielle Wertschöpfungsketten läuft.

Maschinenbau, Automobilindustrie, Elektrotechnik, Metallverarbeitung und Logistik bilden kein Nebeneinander unabhängiger Branchen. Sie hängen über Lieferketten, Investitionen und Beschäftigung unmittelbar miteinander zusammen.

Wachstum und Industrie sind zwei verschiedene Fragen

Gleichzeitig gibt es positivere Signale. Das IMK erhöhte heute seine Wachstumsprognose für das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2026 von 0,6 auf 1,3 Prozent.

Als Gründe nennt das Institut unter anderem stärkere Exporte im ersten Halbjahr und steigende staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Für 2027 erwartet das IMK ein Wachstum von 1,4 Prozent.

Das ist eine wichtige Gegenperspektive. Gesamtwirtschaftliches Wachstum und industrielle Produktion sind jedoch unterschiedliche Größen. Ein steigendes Bruttoinlandsprodukt beantwortet noch nicht die Frage, wie viel industrielle Wertschöpfung dauerhaft in Deutschland entsteht.

Für Arbeitnehmer ist dieser Unterschied sehr konkret. Entscheidend ist, ob Investitionen, neue Maschinen, Produktionslinien und qualifizierte Arbeitsplätze tatsächlich an deutschen Standorten entstehen.

Auch für die öffentlichen Haushalte zählt diese Unterscheidung. Eine Wirtschaft, deren Wachstum stärker von Staatsausgaben getragen wird, entwickelt sich anders als eine Wirtschaft, deren private Investitionen und industrielle Produktion aus eigener Kraft zulegen.

Energie bleibt Teil der Standortrechnung

Das Bundeswirtschaftsministerium verweist gleichzeitig auf anhaltend hohe Energiepreise und eine nachlassende Dynamik des privaten Konsums. Im August lagen die Energiepreise dem Ministerium zufolge 10,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Für energieintensive und international konkurrierende Unternehmen ist das keine abstrakte Größe. Energiepreise beeinflussen Produktionskosten, Investitionsrechnungen und letztlich die Entscheidung, an welchem Standort neue Kapazitäten entstehen.

Der VDMA erwartet für 2027 wieder ein reales Produktionsplus von drei Prozent. Diese Prognose ist ein Signal der Hoffnung und zugleich ein Prüfstein.

Die Wende muss in den Fabrikhallen ankommen

Nach vier Jahren Rückgang wird die entscheidende Frage sein, ob aus verbesserten Erwartungen tatsächlich Maschinen, Investitionen und zusätzliche Produktion werden.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren oft über den kommenden Aufschwung gesprochen. Nun liegen gleichzeitig höhere Auftragseingänge, bessere Wachstumsprognosen und weiter fallende Maschinenbauproduktion auf dem Tisch.

Das lässt sich weder mit einem einzigen positiven noch mit einem einzigen negativen Indikator erklären. Es verlangt eine nüchterne Betrachtung dessen, wo Wachstum entsteht und wo industrielle Substanz verloren geht.

Vor wenigen Tagen zählten wir Insolvenzen. Heute zählen wir das vierte Jahr rückläufiger Maschinenbauproduktion.

Die nächste Statistik wird zeigen, ob Deutschland endlich beginnt, wieder Produktion zu zählen.

Quellen:

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Blog-Kommentare

Hans-Peter Klein

17.09.2026 | 19:06

Insgesamt ein hochinteressantes Thema, bei dem es sich lohnt tiefer in die  Materie einzusteigen.

Als Nicht-Ökonom kann ich es mir nicht erklären, wie bei steigenden Auftragszahlen trotzdem gleichzeitig die Produktion sinken kann.
Es sei denn die hohen Aufragszahlen gehen nicht einher mit entsprechend hohen monetären Auftragsvolumina während sinkende Produktion sich nicht an Auftragsstückzahlen bemisst sondern an der monetären Produktionswertschöpfung.
Ich weiß es nicht.

Wie dem auch sein, das Problem klingt erst mal nicht nach hausgemacht sondern der weltweiten Wirschaftskrise geschuldet.
Dann könnte man das Problem weder der Regierung, geschweige der deutschen Energiewende anlasten (*).

MfG, HPK
 (*) Außer für die üblich einfach gestrickten Gemüter, für die alle Übel der Welt per se und sowieso auf die globale Energiewende zurück zu führen sind, allen voran Deutschland.

Ekkehardt Fritz Beyer

18.09.2026 | 10:51

... „Die nächste Statistik wird zeigen, ob Deutschland endlich beginnt, wieder Produktion zu zählen.“

Ja mei, alles kein Problem, denn wie sieht es unser(?) von den Linken ins Amt gehievte https://www.ccnull.de/foto/friedrich-maerz-mit-pinocchio-nase-als-karikatur-und-symbol-fuer-luege/1121261???

https://www.n-tv.de/ticker/Merz-sieht-deutsche-Wirtschaft-wieder-auf-Wachstumskurs-id31234627.html!!!

Herr Graf von Henneberg, wenn die Weichen tatsächlich auf Niedergang stehen und auch noch verriegelt sind, bleibt immerhin eine deutsche Kernkompetenz: Wir brauchen einen Schlosser. Schwieriger wird nur die Frage, ob für seinen Einsatz zuerst eine Genehmigung, eine Machbarkeitsstudie und drei Jahre Planfeststellung

4 Jahre "Rückwärtsgang  " ?  (aber mit Turbo !!)

Nach den vielen bewusst gemachten Firmenpleiten ,angefangen mit Schließungen und Liquidationen durch Altparteien-Ver - brecherpolitik  mit  Coronamaßnahmen ,wofür bis heute immer noch keine Konsequenzen für die Verantwortlichen folgten ,sind nun aber fortschrittliche Strukturmaßnahmen des Kanzlers durchgedrungen ! (auf dem Papier !)

Zu bestaunen bei den gerade durchgeführten Wahlen ,z.B. in Berlin ,wo Wahllokale erst nach dem Ausschlafen des Hausmeisters öffneten  (Überstunden ?) ;  oder man mit Pappkartons im Vorgarten ,aber ohne Wahldokumente zur Wahl antreten wollte . https://youtu.be/VQe9mTPjpXk?si=eEEaNabsLbaG_MPP

Sicherlich dachten sich manche Wähler ,sie hätten sich verwählt -äm verlaufen und wären besser für einen Tritt in den Allerwertesten angetreten ,aber wir merkeln ,der neue Fortschritt hält Schritt ,mit dem Einzug der Islamisten ,welche bereits ihren Teppich zur Wahl mitbringen und nun sicherlich in Berliner Strassen ,den All ha hackbar ,oder vielleicht Hackbraten(?) riechen ,der nun von grün-links durch viele neu freiwerdende Wohnungen duftet. Nun kann die Enteignung ja voranschreiten ,und sicherlich werden immer weniger Menschen in Berlin investieren ! Immerhin investiert der Staat in "Goldstücke "! (Goldanlage !)

Nun immerhin sind ja die Gasvorräte fast zur Hälfte gefüllt und somit darf sich der  Verwähler ein gutes Beispiel nehmen und vielleicht zur nächsten Wahl Socken und Kuli mitbringen ,oder Druckerpapier als Wahlunterlage ? .Man könnte auch Dixiklo´s ,als günstige Wahlkabinen hinstellen ,wo der Verwähler gleichzeitig sein teures Toilettenpapier sparen kann und sein Geschäft,ohne Doppelmaske ,verrichten könnte ! 

Wir bemerkeln ,Berlin hat noch viel Sparpotential ! Die Bayern wären sicher sehr erfreut ,denen das söderbrennend  aufstößt ! (Länderfinanzausgleich ) 

Also ,es geht doch voran im Land ,wir müssen das nicht so schwarz sehen ! Ein gutes Beispiel gibt Meckernburg  vor Pommes ! Da sieht man weniger Schwarz ,und eine CDU  fliegt vielleicht aus dem Landtag ? Vielleicht hätten sie mehr Red Bull unterstützen sollen ? Die verleihen bekanntlich Flügel ! Doch ausleihen kostet wieder ...;  also vorbildlich  Hr.Merz !  

Also doch Pommes ...oder Bratwurst ? 

 Also wir freuen uns schon auf weitere 40Jahre Brandmauer ,auch wenn die Löschfahrzeige fehlen ! Aber wir könnten noch 1000 Beamte einstellen ,damit der Vorantrag für Planfeststellung und der Antrag für Finanzausgleich neuer Machbarkeitsstudien  schnell bis 2030 bearbeitet werden kann . Doch zuvor sollten wir schnell  (oder hätten müssen ??)   die Glasfaserkabel verlegen ! Wurde eigentlich der Genehmigungsantrag für chinesische Fachkräftearbeiter schon bewilligt ? (Qi Gong auch für Anfänger ohne Ausweis  !)

Wir haben neue Hoffnung ,denn demnächst soll es sogar liksdrehend"ER-Alp Joghurt in Berlin geben ! ...(Frisch vom Elif mit 25% ) ..........  Tolle Erfindung !   https://youtu.be/1DxmxMamJ_k?si=4_rvn2aaGfnGHAKY    . . . . . pieps pieps ....wir  gesellschaften  ahoi !

Der kriegstüchtige "Wirtschaftswagen mit Handkurbel-Antrieb (Katar-ratarka-tarr )  wird sicherlich erfolgreich -Niedersachsen atmet auf !   https://youtube.com/shorts/LOXqRYS_pzs?si=MvVDyiUTlexhnPck . . und alle werden gerettet !      Hammas g´schnallt ? 

 Und nun noch wat für die Kriegstüchtigen vorm Krisenwetter 

Führt Merz uns in den Krieg? https://youtu.be/6A5UmDz3pRQ?si=_sbrqYLYzwqEDXjT

Packen wir´s an . . . . .Wende  !

Habt ihr DAS noch nicht gemerkt? Dirk Müller zeigt eindeutige Vorzeichen für das Ende!                   https://youtu.be/Tj9IstGk4zA?si=wFkSqPA-6xuo9pUD           

 EU-Parlament: Griechin beschimpft von der Leyen als „Rassistin“                                                       https://youtu.be/ZlM4wZkgiYo?si=3KJsyp84G-oXGEIb

  Übersetzt in 33 Sprachen 

Deutschlands Energiewende – Blamage oder Sabotage?//   15.09.2026   www.kla.tv/42376                                                                                  

Neuen Kommentar hinzufügen

CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.