Der Wind wird billiger.
Bei der jüngsten Windauktion sank der durchschnittliche Zuschlagswert auf 4,79 Cent je Kilowattstunde. Die nächste Runde ist ausgeschrieben. Zwischen diesem Wert und der Rechnung eines Haushalts liegt allerdings das gesamte Stromsystem.
Der durchschnittliche Zuschlagswert für Windenergie an Land ist von 5,06 auf 4,79 Cent je Kilowattstunde gefallen. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte das Ergebnis am 17. September; am 25. September folgte die Ausschreibung der nächsten Runde. Der Wind präsentiert einen niedrigeren Wert. Auf der Stromrechnung sitzen unterdessen noch einige weitere Posten.
4,79 Cent auf dem Papier
Für die August-Ausschreibung gingen 461 Gebote über insgesamt 5.250 Megawatt ein. Das ausgeschriebene Volumen lag bei 2.520 MW; Zuschläge erhielten Projekte über 2.523 MW. Der mengengewichtete Durchschnitt sank um 0,27 Cent je Kilowattstunde gegenüber der Vorrunde. So lautet die Bilanz der Bundesnetzagentur.
Der Zuschlagswert ist der im Förderverfahren ermittelte Wert für erfolgreiche Projekte. Er beschreibt weder einen allgemeinen Börsenpreis noch den Endpreis jeder Kilowattstunde im Haushalt. Zwischen Zuschlag und Steckdose liegen Bau, Erzeugung, Handel, Netz und der Tarif des Lieferanten.
Die nächste Runde ist eröffnet
Für November sind 2.495.009 Kilowatt ausgeschrieben, also knapp 2,5 Gigawatt. Der Höchstwert beträgt 7,25 Cent je Kilowattstunde. Weil der nominelle Termin auf einen Sonntag fällt, endet die Abgabefrist am Montag, dem 2. November. Der Höchstwert setzt eine Obergrenze für Gebote; das Ergebnis bestimmt der Wettbewerb.
Die neue Runde bietet einen Test für die jüngste Entwicklung. Der August zeigt, welche Projekte einen Zuschlag erhielten. Die tatsächlichen Novemberwerte stehen erst nach Eingang und Prüfung der Gebote fest.
Die Rechnung hat mehrere Autoren
Die Bundesnetzagentur nennt die Bestandteile des Haushaltsstrompreises: Beschaffung, Vertrieb und Marge, regulierte Netz- und Messentgelte sowie Steuern, Abgaben und Umlagen. Dazu kommt der Grundpreis des jeweiligen Tarifs. Der Zuschlagswert aus der Windauktion beantwortet daher eine andere Preisfrage als die Jahresrechnung.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur machen Netzentgelte rund 30 Prozent der Stromkosten eines Haushalts aus. Sie spricht von einem jährlichen Kostenvolumen von etwa 37 Milliarden Euro. Die Leitung bis zur Steckdose besitzt auf der Rechnung eine erstaunlich kräftige Stimme.
Auch das Netz bekommt neue Regeln
Mit AgNes arbeitet die Bundesnetzagentur an einer neuen Netzentgeltsystematik. Ihr Entwurf sieht Regeln ab 2029 vor und soll Anreize zum Sparen von Netzkosten sowie zur flexibleren Nutzung schaffen. Das Verfahren läuft; die endgültigen Regeln entstehen durch die folgenden Beschlüsse.
Der niedrigere Zuschlagswert zeigt intensiven Wettbewerb um Windprojekte. Für Verbraucher zählt am Ende die gesamte Lieferkette samt Netzkosten, Steuern und Tarif. Der Wind hat seinen Wert gesenkt. Die Stromrechnung führt ihre eigene Preisredaktion.
Quellen:
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Blog-Kommentare
Laut EnBW ( Stand 01/2026 )…
Laut EnBW ( Stand 01/2026 ) setzt sich der Strompreis für den Endkunden wie folgt zusammen,:
- 41% Strombeschaffung und Vertrieb
- 34 % Steuern, Abgaben und Umlagen
- 25 % Netzentgelte
Wie erklären sich dann die zu hohen Stromendverbraucherpreise in Deutschland im europ. Vergleich ?
- Die Kosten für Strombeschaffung / Vertrieb sind in Deutschland NICHT signifikant höher wie anderswo.
- Deutschland hat aber relativ hohe Netzentgelte und auch relativ hohe Steuern, Abgaben und Umlagen.
Es liegt jedenfalls nicht (!) an den Stromgestehungskosten der Erneuerbaren, die mittlerweile schon 62% der gesamten Nettostromerzeugung ausmachen. Die Erneuerbaren zählen zu den billigsten Anbietern an den Strombörsen (*), (**), (***).
Wer behauptet die hohen Strompreise lägen an der Energiewende und AKWs würden den Strompreis verbilligen, der betreibt Desinformation und Propaganda.
MfG, HPK
(*) u.a. weil Sonne, Wind, Regen kostenlos zur Verfügung stehen.
(**) beim jährlich steigenden Solaren Selbstverbrauch der Häuslebauer sind die Netzentgelte naturgemäß Null.
(***) das gleiche gilt für die Konzessionsabgabe der Netzbetreiber für die Nutzung öffentlicher Straßen und Wege durch Stromleitungen, sie fällt bei Privat-PV komplett weg.
Vielen Dank für Ihre ausführliche Darstellung
Sehr geehrter HPK,
vielen Dank für Ihre ausführliche Darstellung. Ihre Zahlen zur Zusammensetzung des Strompreises sind durchaus interessant. Allerdings liegt genau darin ein Punkt, der in der Debatte über die Energiewende regelmäßig zu kurz kommt.
Sie haben recht: Windkraft und Photovoltaik können Strom zu vergleichsweise niedrigen Gestehungskosten produzieren. Das bestätigt auch das Fraunhofer ISE.
Doch der Stromkunde bezahlt am Ende die Versorgung mit Strom, nicht allein dessen Erzeugung.
Ein Stromsystem muss zu jeder Stunde funktionieren. Auch bei Dunkelheit, Windstille und hoher Nachfrage. Dafür benötigen wir Netze, Speicher, Regelenergie und gesicherte Kraftwerksleistung.
Diese Infrastruktur verursacht Kosten. Und ihre Finanzierung gehört selbstverständlich in eine ehrliche Betrachtung der Energiewende.
Sie weisen selbst darauf hin, dass die Netzentgelte einen erheblichen Teil des Endverbraucherpreises ausmachen. Gerade deshalb stellt sich die Frage, wie sich Netzausbau, schwankende Einspeisung und die notwendige Absicherung der Versorgung langfristig auf diese Kosten auswirken.
Auch Ihr Hinweis auf private Solaranlagen verdient eine Ergänzung: Selbst verbrauchter Solarstrom entlastet den einzelnen Haushalt. Die gemeinschaftliche Infrastruktur muss jedoch weiterhin finanziert werden.
Bei der Kernenergie wiederum sollten wir zwischen den Kosten neuer Anlagen und dem Weiterbetrieb bestehender Kraftwerke unterscheiden. Beide Fragen verdienen eine eigenständige wirtschaftliche Betrachtung.
Die eigentliche Frage lautet deshalb:
Wie teuer ist eine Kilowattstunde, die zuverlässig genau dann zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird?
Über diese Frage sollten wir diskutieren. Mit Zahlen, vollständigen Kostenvergleichen und einem Blick auf die tatsächlichen Stromrechnungen.
Denn für den Verbraucher zählt letztlich, was er bezahlt. Und für die deutsche Industrie, ob Energie dauerhaft bezahlbar und zuverlässig verfügbar bleibt.
Mit freundlichen Grüßen
Jan Frank
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