Das Gesetz gilt. Die Saboteure handeln.

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Einführung

Ein Strommast trägt weit mehr als Leitungen. An ihm hängen Intensivmedizin, Pflege, Heizung, Mobilfunk, Bahnverkehr, Lebensmittelversorgung, Industrie und der Alltag ganzer Städte. Deutschland erlebt innerhalb eines Jahres eine Serie gezielter Angriffe auf genau diese Lebensadern. Die jüngsten Fälle in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen zeigen, wie wenig Aufwand ausreichen kann, um Milliardenwerte, Versorgung und öffentliche Sicherheit gleichzeitig unter Druck zu setzen.

Am 1. September fanden Ermittler nahe dem Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg eine zweistellige Zahl selbstgebauter Vorrichtungen. Leitfähiges Material wurde mit Treibsätzen in Höchstspannungsleitungen geschossen. Zwei Kurzschlüsse entstanden, ein Block des Kraftwerks Jänschwalde schaltete sich zeitweise ab.

Der rbb und die Tagesschau dokumentieren Konstruktion und Ermittlungsstand.

Wenige Stunden später traf es Bergheim bei Köln. Leitfähige Kabel wurden auf Hochspannungsleitungen gebracht, fünf Braunkohleblöcke mit zusammen rund 4,2 Gigawatt Leistung gingen zeitweise vom Netz. Die Netzstabilität hielt. Reuters beschreibt den zweiten Sabotagefall binnen 24 Stunden.

NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von einem Anfangsverdacht verfassungsfeindlicher Sabotage. Ermittler prüfen fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus. Brandenburg ermittelt ebenfalls in mehrere Richtungen. Die Tat steht fest, die Urheberschaft wird ermittelt. Die Tagesschau fasst den Ermittlungsstand in Nordrhein-Westfalen zusammen.

Berlin hat die Probe bereits erlebt

Am 3. Januar 2026 brannten Hochspannungskabel auf einer Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde. Die linksextremistische Vulkangruppe bekannte sich zu der Tat; Sicherheitsbehörden bewerteten das Schreiben als authentisch. Rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden verloren die Versorgung. Reuters berichtete über die Einstufung als linksextremistischen Anschlag.

Der Ausfall dauerte in Teilen mehr als vier Tage und fiel in eine Frostperiode. Fernwärme, Mobilfunk und Internet gerieten unter Druck. Insgesamt 74 Pflegeeinrichtungen waren betroffen; Stromnetz Berlin setzte 36 große Netzersatzanlagen ein. Stromnetz Berlin dokumentiert den Verlauf bis zur vollständigen Wiederversorgung.

Eine 83-jährige pflegebedürftige Frau starb während des Blackouts. Die Polizei ordnete eine Obduktion an; eine eindeutige kausale Zuordnung zum Stromausfall blieb offen. Gerade diese Präzision macht den Fall schwer genug. Der Tagesspiegel hielt den Todesfall mit offener Ursache fest. Spätere Recherchen beschrieben mindestens 40 Einsätze für beatmungspflichtige Menschen.

Vier Monate zuvor, am 9. September 2025, hatten Brandstifter zwei 110-kV-Leitungen in Johannisthal angegriffen. Zeitweise waren rund 50.000 Haushalte und Gewerbekunden betroffen. Die vollständige Wiederherstellung dauerte rund 60 Stunden. Der Netzbetreiber bezeichnet den gleichzeitigen Ausfall beider Leitungen als Extremszenario.

Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage gegen vier Beschuldigte und ließ im März 2026 mit rund 500 Einsatzkräften Objekte in mehreren Bundesländern durchsuchen. Die Generalstaatsanwaltschaft nennt rund 50.000 Privathaushalte und 2.000 Gewerbebetriebe.

Eine Szene erklärt Infrastruktur zum Ziel

Der Berliner Verfassungsschutz beschreibt für 2025 wiederholte Brandanschläge, zu denen sich linksextremistische Akteure unter wechselnden Bezeichnungen bekannten. Besonders genannt wird eine Radikalisierung im Umfeld des „Öko-Anarchismus“. Das linksextremistische Personenpotenzial in Berlin stieg laut Bericht auf 3.950. Der Berliner Verfassungsschutz nennt Einrichtungen kritischer Infrastruktur ausdrücklich als Angriffsziele.

Auch Nordrhein-Westfalen kennt dieses Muster. Im Januar 2026 fanden Ermittler in einem Umspannwerk in Erkrath einen Brandsatz. Die Gruppe „Kommando Angry Birds“ hatte zuvor erklärt, ein Industriegebiet lahmlegen zu wollen. WDR dokumentiert den gescheiterten Anschlag in Erkrath.

Im Juli 2026 brannten Signalkabel an der Bahnstrecke Köln–Düsseldorf. „Kommando Angry Birds“ bekannte sich auch hierzu. ZDF zählt acht Bekennerschreiben der Gruppe seit 2023 zu Attacken auf Bahn, Funkmasten und ein Umspannwerk. ZDF zeichnet die Serie und ihre ideologische Begründung nach.

Der Bundesverfassungsschutz beschreibt Infrastruktur seit Jahren als bevorzugtes Ziel gewaltorientierter Linksextremisten: Kabelschächte, Strom- und Mobilfunkmasten sowie Bahnanlagen. Beim Angriff auf die Tesla-Stromversorgung in Grünheide 2024 traf der Ausfall zusätzlich eine intensivmedizinische Klinik, ein Logistikzentrum und private Haushalte. Der Bundesverfassungsschutz dokumentiert die Folgen für unbeteiligte Menschen.

Das Täterbild ist breiter als eine Ideologie

Im Juni 2026 drangen Unbekannte in ein Umspannwerk in Reutlingen ein und legten an mehreren Stellen Feuer. Tausende Haushalte und Betriebe waren betroffen. Die Behörden gehen von Brandstiftung aus; Täter und Motiv blieben zunächst offen. SWR fasst Ermittlungen und Folgen zusammen.

Ende August durchtrennten Unbekannte bei Backnang mehrere Bahn- und Datenkabel. Zugverkehr, Internet und Telefonversorgung wurden beeinträchtigt, der Staatsschutz ermittelt. Der Fall zeigt, wie ein einziger Kabelschacht mehrere Systeme gleichzeitig trifft.

Parallel steht Deutschland vor einer zweiten Bedrohungslinie. Die Bundesregierung macht Russland für den Sprengstoff-Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich; Moskau weist die Vorwürfe zurück. Reuters dokumentiert die deutsche Zuschreibung und die russische Zurückweisung. Linksextreme Sabotage und fremdstaatliche Hybridoperationen sind unterschiedliche Phänomene. Gemeinsam ist ihnen dieselbe verwundbare Infrastruktur.

Ein Gesetz wartet auf seine volle Wirkung

Deutschland hat seit dem 17. März 2026 ein KRITIS-Dachgesetz. Es schafft erstmals einen sektorübergreifenden Rahmen für physischen Schutz, Risikoanalysen, Resilienzmaßnahmen und Meldungen. Die Bundesregierung beschreibt den neuen Rechtsrahmen.

Der aktuelle Stand beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz ist bemerkenswert. Die Rechtsverordnung zur Bestimmung kritischer Anlagen befindet sich weiter in Erarbeitung und Abstimmung. Die Registrierung nach dem neuen Gesetz läuft deshalb derzeit noch an keinem Punkt. Risikoanalysen und Resilienzmaßnahmen greifen erst neun beziehungsweise zehn Monate nach der späteren Registrierung. Das BBK beschreibt diesen Umsetzungsstand ausdrücklich in seinen FAQ.

Der Zeitvergleich ist politisch unangenehm. Der Staat kennt die Bedrohung seit Jahren. Das Gesetz gilt seit Monaten. Die Täter arbeiten mit Feuer, Trennschleifern, Brandsätzen, Drohnen und selbstgebauten Flugkörpern bereits heute.

Berlin reagiert inzwischen praktisch. Mehr als 70 Umspannwerke erhielten verstärkte Zäune und Videoüberwachung; rund 20 Kilometer Zaun wurden erneuert oder verstärkt. Die Tagesschau dokumentiert die nachgerüsteten Berliner Schutzmaßnahmen. Der Kalender zeigt zugleich, wie stark das Tempo nach den großen Anschlägen von September und Januar stieg.

Strom ist öffentliche Sicherheit

Ein Angriff auf ein Stromnetz beginnt an einer technischen Anlage und erreicht anschließend Menschen. Der Aufzug bleibt stehen, die Heizung verliert ihre Pumpen, Mobilfunkzellen fallen aus, Kassen schließen, Ampeln verstummen, Pflegegeräte brauchen Ersatzstrom und Züge warten auf Signale. Der Begriff „Sachbeschädigung“ beschreibt dabei nur den Anfang der Wirkung.

Auch wirtschaftlich wächst der Hebel. Ein Täter braucht für einen Kabelbrand überschaubare Mittel; die Gesellschaft mobilisiert anschließend Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Techniker, Ersatzstrom, Verkehrsumleitungen und Reparaturkolonnen. Unternehmen tragen Produktionsausfälle, Haushalte verlieren Lebensmittel oder beschädigte Heiztechnik, Versicherer und öffentliche Haushalte übernehmen Folgekosten.

Hier liegt die politische Frage. Wie viele Anschläge braucht ein hochentwickeltes Industrieland, bis Schutzmaßnahmen schneller umgesetzt werden als Bekennerschreiben veröffentlicht werden? Wie viele sensible Punkte bleiben erreichbar, während Zuständigkeiten, Schwellenwerte und Verordnungen abgestimmt werden?

Die Antwort besteht aus Schutz, Redundanz, Strafverfolgung, Nachrichtendienst, Katastrophenvorsorge und einer Verwaltung, die nach jedem Angriff jeden bekannten neuralgischen Punkt erneut bewertet.

Der nächste Kurzschluss gehört in die Planung

Deutschland besitzt eines der zuverlässigsten Stromnetze Europas. Gerade deshalb wirken gezielte Sabotageakte so brutal: Sie verwandeln hohe technische Zuverlässigkeit in politische Verwundbarkeit.

Der Januar in Berlin hat gezeigt, was ein Brand an wenigen Kabeln bedeutet. Der September zeigt nun, dass die Angreifer technisch variabler werden. Selbstgebaute Flugkörper und leitfähige Materialien verschieben die Sicherheitsfrage vom Zaun um ein Gelände hin zur gesamten Umgebung einer Hochspannungsanlage.

Der Staat kennt die Gefahr. Betreiber kennen ihre Anlagen. Sicherheitsbehörden kennen mehrere Täterprofile. Das Gesetz existiert. Jetzt entscheidet die Geschwindigkeit der Umsetzung.

Wer einen Strommast schützt, schützt das Pflegebett, die Intensivstation, die Heizung, die Bahn, die Wasserversorgung und den Menschen dahinter.

Die Saboteure handeln bereits.

Quellen:

Sven von Storch

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Blog-Kommentare

Hans-Peter Klein

04.09.2026 | 12:11

Sabotage war noch nie ein Akt außergewöhnlicher Kreativität.

Ob Straßenkleber, ob Ketchup gegen Kunstgemälde oder eben die Axt (resp. Flex) gegen Strommasten, es ist stets ein symbolischer Großangriff gegen das System an sich und das sind wir alle, der Westen als Kulturraum, plakativ festgemacht am bösen Finanzkapitalismus. 

Dahinter steckt ein Selbsthass gegen alles was uns ausmacht, uns die Weißen, die Europäer , synonym für die Eroberer, die Unterdrücker, die Sklaventreiber, die Völkermörder  indigener Kulturen, die Ausbeuter fremder Ressourcen und ganzer Kontinente.

Dahinter steckt die illusionäre Vorstellung man könnte mit derselben Gewalt die einst anderen angetan wurde , dieselbe gegen sich selbst richtend als Zeichen der Wiedergutmachung, der Gerechtigkeit aus einem grundsätzlich schlechten Gewissen heraus.

Leider ist das alles nicht zu Ende gedacht, es bleibt verhaftet in der Vergangenheit, weitgehend ungeprüft ob dieses Bild der Vergangenheit auch nur annähernd der historischen Wirklichkeit entspricht.
Es geht hier nicht darum irgend etwas abzustreiten oder zu relativieren was tatsächlich passiert ist.

Die Besatzungen der allersten Karavellen seit dem 15. Jhdt.  zeigten uns bereits einen Spiegel der damaligen Gesellschaften Europas.

In den Geschichtsbüchern erfahren wir zumeist von den berühmten Kapitänen und ihren Auftraggebern, meist Könige.
Die damaligen Besatzungen spiegelten in etwa die damaligen Gesellschaften, sie setzten sich zwingend zusammen aus Schiffbauern/Handwerkern, Abenteurern/Kriminellen, Soldaten, Kaufleuten, Priestern, Notaren/Politikern, Siedlern/Bauern, je nach Himmelfahrtskommando.  

Daraus hervor gingen das Zeitalter der Aufklärung, der Industrialisierung, der Demokratisierung, der allgemeinen Menschenrechte, der Raumfahrt die uns den ersten ganzheitlichen Blick auf den Planeten Erde als Ganzes ermöglichte, heute der Blick bis ans Ende des Universums.

Die Strommastenabsäger stehen stellvertretend für all diejenigen mit einer extrem selektiven Wahrnehmung, die sich stets nur das heraus fischen was sie in ihrem eingeschränkten Weltbild bestätigt, sie stehen für eine Rückwärtsgewandtheit im Denken, ein anachronistisches Feshalten an überkommenen Ideologien. 
Merkwürdig daran sind es genau die Attribute, die sie ihrem politischen Gegenüber  zuschreiben.

Sie stehen keineswegs für das was westliches europäisches Denken eben auch ausmacht. Der Fähigkeit aus Fehlern zu lernen (Selbstkritik), für Kreativität auf allen Gebieten, für Mut zum Risiko, für Durchhaltevermögen, für den Glauben daran das Unmögliche möglich zu machen, den Glauben an das Gute.  

MfG, HPK

Man könnte fast annehmen, dass die Saboteure im Aufrage der Regierung handeln.

Die Verfolgung der Polizei wurde wegen einer drohenden Gefährlichkeit abgebrochen, weil die Bande der Saboteure in Baumhäusern sitzen und die könnten mit Steine werden. Habe die überhaupt ein Interesse die Infrastruktur-Terroristen zu fassen? (WELT)

Aber Milliarden für die Aufrüstung! 

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