20 Milliarden Minus. Die Baustelle wartet.

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Einführung

Die Kommunen schließen das erste Halbjahr 2026 mit 20,1 Milliarden Euro Defizit ab. Bauausgaben sinken um 2,4 Prozent, Zinsausgaben steigen um 13,1 Prozent. Die Krise der Haushalte wird vor Ort sichtbar.

Ein kommunales Haushaltsloch hat eine Adresse. Es liegt an der Schule, an der Straße und am Gebäude, dessen Sanierung weiter auf einen Beschluss wartet. In der Statistik steht ein Minus. Vor Ort steht der Bauzaun. Deutschlands Kommunen haben heute ihre neue Halbjahresbilanz bekommen.

Laut Statistischem Bundesamt verzeichneten Gemeinden und Gemeindeverbände ohne Stadtstaaten im ersten Halbjahr 2026 ein Finanzierungsdefizit von 20,1 Milliarden Euro. Genau so hoch war das Minus im ersten Halbjahr 2025. Damals erreichte es den höchsten Wert für eine erste Jahreshälfte seit der Wiedervereinigung 1990.

Die Einnahmen stiegen um 3,0 Prozent auf 184,0 Milliarden Euro. Die Ausgaben wuchsen um 2,7 Prozent auf 204,1 Milliarden. Beide Seiten entwickeln sich langsamer als ein Jahr zuvor. Der Abstand bleibt trotzdem gewaltig. Aus dem Rekord des vergangenen Jahres wird ein Dauerzustand.

Der laufende Betrieb wird teurer

Die Personalausgaben stiegen um 5,2 Prozent auf 54,7 Milliarden Euro. Für soziale Leistungen flossen 46,3 Milliarden, ein Plus von 3,9 Prozent. Besonders schnell wuchsen die Zinsausgaben: um 13,1 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Das bindet Mittel, über die ein Rat lieber für seine Gemeinde entscheiden würde.

Gleichzeitig sanken die Netto-Einnahmen aus der Gewerbesteuer um 2,0 Prozent auf 30,8 Milliarden Euro. Die gesamten Steuereinnahmen legten dank anderer Steuerarten leicht zu. Die Gewerbesteuer erklärt folglich das Defizit allein kaum. Ihr Rückgang trifft die Kommunen jedoch ausgerechnet in einer Phase hoher laufender Ausgaben.

Die Baustelle bekommt weniger

Bei den Sachinvestitionen meldet Destatis ein Minus von 4,5 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro. Die Ausgaben für Baumaßnahmen sanken um 2,4 Prozent auf 15,5 Milliarden. Diese bundesweite Kassenstatistik benennt kein einzelnes verschobenes Projekt. Sie belegt aber, dass die Kommunen insgesamt weniger für den Bau ausgeben.

Ob die Schule saniert, die Straße erneuert oder ein Sportplatz instand gesetzt wird, erfahren die Bürger unmittelbar. Aufgeschobene Arbeiten können später mehr kosten. Der Rückgang der Investitionen gehört deshalb mitten in die Bilanz der kommunalen Finanzkrise.

Wer bestellt, muss über die Rechnung sprechen

Die kommunalen Spitzenverbände rechnen in ihrer Prognose für das ganze Jahr 2026 mit 29,7 Milliarden Euro Defizit. Sie verlangen eine bessere Finanzierung durch Bund und Länder. Ihre Jahresprognose ist eine Interessenposition mit eigener Berechnung; die heutigen 20,1 Milliarden Euro sind das vorläufige amtliche Ergebnis für sechs Monate.

Der Deutsche Landkreistag verweist auf die Kosten staatlich veranlasster Aufgaben. Bund, Länder und Kommunen streiten über deren Verteilung. Die Rechnung für die Umsetzung erreicht das Rathaus längst.

Wer den Kommunen eine Aufgabe gibt, muss deren Finanzierung mitliefern. Wer vom Aufschwung spricht, sollte auch die Bauetats der Städte und Gemeinden lesen. Nach sechs Monaten fehlen dort 20,1 Milliarden Euro. Eine Baustelle wird durch eine Haushaltsrede selten fertig.

Quellen:

Sven von Storch

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