16 Milliarden Euro für weniger Volkswagen

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Volkswagen plant den größten Umbau seiner Geschichte. Die entscheidende Frage reicht weit über Wolfsburg hinaus, denn der Konzern besitzt, kontrolliert oder beteiligt sich an einem europäischen und globalen Netz von Marken, Werken und Technologieunternehmen.

Volkswagen plant den größten Umbau seiner Geschichte. Die entscheidende Frage reicht weit über Wolfsburg hinaus, denn der Konzern besitzt, kontrolliert oder beteiligt sich an einem europäischen und globalen Netz von Marken, Werken und Technologieunternehmen.

Volkswagen braucht Milliarden, um kleiner zu werden. Diese nüchterne Tatsache erzählt mehr über den Zustand der europäischen Industrie als viele Sonntagsreden über Transformation und Wettbewerbsfähigkeit. Wolfsburg steht dabei im Zentrum eines Netzes, das von Mladá Boleslav über Ingolstadt und Stuttgart bis Martorell und Södertälje reicht. Wer über Volkswagen spricht, spricht deshalb über einen erheblichen Teil der europäischen Fahrzeugindustrie.

16 Milliarden für den Umbau

Reuters berichtet heute über rund 16 Milliarden Euro erwartete Kosten für Stellenabbau und mögliche Werksschließungen. Etwa zehn Milliarden Euro davon sollen nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person mit Personalmaßnahmen zusammenhängen. Die Summe beschreibt den Preis eines Konzerns, der Kapazitäten, Strukturen und Beschäftigung an eine veränderte Nachfrage anpasst. Wachstum erhält hier zunächst die Form des Rückbaus.

Der größere Rahmen heißt Future Plan 2030. Volkswagen will laut dem Anfang September vorgestellten Umbauplan Modellvielfalt, Komplexität und eigene Gesellschaftsstrukturen deutlich reduzieren. Gleichzeitig strebt der Konzern bis 2030 eine operative Marge von neun Prozent an. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Konzernmarge bei 3,8 Prozent.

500.000 Autos zu viel Kapazität

Der Aufsichtsrat erkennt offiziell an, dass Europas Werke derzeit Kapazitäten für mehr als 500.000 Fahrzeuge oberhalb der Nachfrage besitzen. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ist eine wettbewerbsfähige Belegung ab 2031 bis 2034 derzeit offen. Alternative Nutzungen werden geprüft. Das macht aus einer Bilanzfrage eine Standortfrage.

Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte der Volkswagen Konzern rund vier Millionen Fahrzeuge, 8,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz lag mit 158,1 Milliarden Euro ungefähr auf Vorjahresniveau, das operative Ergebnis sank um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Weniger Fahrzeuge bringen also fast denselben Umsatz, während der Gewinn stärker unter Druck steht. Genau dort setzt der Umbau an.

Volkswagen ist längst ein europäisches Netz

Der Konzern führt heute zehn Kernmarken aus fünf europäischen Ländern. Dazu gehören Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Škoda, SEAT, CUPRA, Audi, Lamborghini, Bentley, Porsche und Ducati. Daneben stehen TRATON, Finanzdienstleistungen, Software, Batterien und weitere Beteiligungen. Wolfsburg verwaltet damit weit mehr als eine deutsche Automarke.

Die Core-Gruppe verbindet Deutschland, Tschechien und Spanien

Volkswagen, Škoda, SEAT/CUPRA und Volkswagen Nutzfahrzeuge arbeiten in der Brand Group Core eng zusammen. Seit Januar 2026 werden Produktion, Technische Entwicklung und Beschaffung schrittweise markenübergreifend gesteuert. Ein gemeinsamer Vorstand für die Brand Group Core soll Entscheidungen bündeln und Kosten senken. Eine Veränderung in Wolfsburg kann dadurch direkt die Verteilung von Aufgaben in Mladá Boleslav oder Martorell beeinflussen.

Škoda gehört vollständig zum Wolfsburger System

Škoda Auto besitzt einen einzigen Aktionär: Volkswagen Finance Luxemburg S.A.. Diese Gesellschaft gehört zu 100 Prozent der Volkswagen AG. Damit steht die tschechische Automarke vollständig unter dem Konzerndach, auch wenn Marke, Management und industrielle Identität in Tschechien verankert bleiben. Für die wirtschaftliche Analyse zählt deshalb die direkte Konzernverflechtung.

1991 begann mit 31 Prozent

Die Geschichte dieser Verbindung begann nach dem Ende des Staatssozialismus. Volkswagen übernahm am 16. April 1991 zunächst 31 Prozent an Škoda und erhielt die unternehmerische Kontrolle. Prag hatte zuvor Investitionen, Marktzugang und eine Perspektive für die tschechische Marke gesucht. Aus einer Beteiligung entstand Schritt für Schritt die heutige vollständige Einbindung.

Aus dem Kauf wurde eine Erfolgsgeschichte

Škoda selbst zieht nach 35 Jahren eine bemerkenswerte Bilanz. Seit 1991 stiegen die weltweiten Auslieferungen auf mehr als das Sechsfache. Die Marke arbeitet inzwischen auf rund 100 Märkten und nutzt gemeinsame Technologien, Einkauf und Entwicklung des Konzerns. Der Kauf zeigt damit, welchen Wert eine Konzerneinbindung schaffen kann, wenn Marke und Standort produktiv wachsen.

Heute verdient Škoda stärker als Volkswagen Pkw

Gerade deshalb ist Škoda für den aktuellen Umbau interessant. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Škoda 16,0 Milliarden Euro Umsatz, 1,37 Milliarden Euro operatives Ergebnis und 8,5 Prozent Marge. Volkswagen Pkw kam im selben Zeitraum auf 42,3 Milliarden Euro Umsatz, 995 Millionen Euro operatives Ergebnis und 2,4 Prozent Marge. Der tschechische Teil des Konzerns wirkt derzeit deutlich profitabler als die deutsche Kernmarke.

Mladá Boleslav liefert längst für andere Marken

Škoda baut weit mehr als Fahrzeuge mit eigenem Logo. Im Jahr 2025 gingen 31 Prozent der produzierten Motoren, 63 Prozent der Getriebe und 42 Prozent der Batterien an andere Marken des Volkswagen Konzerns. Das sind 159.162 Motoren, 650.205 Getriebe und 139.708 Batteriesysteme. Konzernsynergien besitzen in Mladá Boleslav eine sehr konkrete industrielle Form.

Batterien machen Tschechien strategisch wichtiger

Im Februar 2026 eröffnete Škoda in Mladá Boleslav eine neue Batteriehalle mit einer Investition von 205 Millionen Euro. Die Kapazität liegt bei bis zu 335.000 Batteriesystemen pro Jahr. Die Fabrik wurde damit zum größten Hersteller von BEV-Batteriesystemen innerhalb des Volkswagen Konzerns in Europa. Ein Umbau des Konzerns kann deshalb für Tschechien ebenso neue Aufgaben wie neuen Effizienzdruck bringen.

Ein Baukasten, mehrere Marken

Die neue elektrische Stadtwagenfamilie zeigt die technische Verflechtung besonders anschaulich. Volkswagen ID. Polo, Škoda Epiq und CUPRA Raval basieren auf der weiterentwickelten MEB+-Architektur. Entwicklungskosten, Teile und Produktionslogik werden über mehrere Marken verteilt. Spart der Konzern an Komplexität, verändert sich automatisch die Arbeitsteilung zwischen diesen Marken.

Škoda steht dabei aus einer Position der Stärke

Die aktuelle Lage der tschechischen Marke liefert zugleich ein Gegengewicht zur Krisenerzählung. Škoda steigerte im ersten Halbjahr ihre weltweiten Auslieferungen um 9,1 Prozent auf 555.700 Fahrzeuge und blieb in Europa die zweitbestverkaufte Marke. Die operative Marge hielt sich bei 8,5 Prozent. Eine starke Tochter kann in einem schwächeren Konzern zum Vorbild, Produktionsanker und Ergebnislieferanten werden.

SEAT kam schon 1986 ins System

Auch Spanien gehört seit Jahrzehnten zu diesem Netzwerk. Volkswagen übernahm 1986 zunächst 51 Prozent und noch im selben Jahr 75 Prozent an SEAT. 1994 wurde Volkswagen alleiniger Eigentümer; heute liegt die Beteiligung über Volkswagen Finance Luxemburg. Die spanische Marke zeigt damit dieselbe langfristige Integrationslogik wie Škoda.

CUPRA soll die spanische Seite stärken

SEAT/CUPRA erzielte im ersten Halbjahr 2026 7,7 Milliarden Euro Umsatz und 122 Millionen Euro operatives Ergebnis. Die Marge lag bei 1,6 Prozent und damit deutlich unter Škoda. CUPRA setzte zugleich 170.100 Fahrzeuge ab und erreichte einen Rekord. Ein Konzernumbau wird daher auch in Spanien die Frage stellen, welche Modelle, Werke und Funktionen den größten Beitrag leisten.

Audi war der frühe große Zukauf

Der Weg zum Mehrmarkenkonzern begann schon in den 1960er Jahren. Volkswagen erwarb zum 1. Januar 1965 50,3 Prozent der Auto Union GmbH von Daimler-Benz und machte das Unternehmen 1966 vollständig zur Tochter. Aus Auto Union entwickelte sich das moderne Audi. Die vier Ringe sind damit seit sechs Jahrzehnten Teil der Wolfsburger Industriegeschichte.

Audi sitzt mitten im aktuellen Umbau

Audi gehört heute zusammen mit Bentley, Lamborghini und Ducati zur Brand Group Progressive. Diese Gruppe teilt Technologie und Entwicklungsressourcen. Das Werk Neckarsulm gehört zugleich zu den vier europäischen Standorten, deren künftige Fahrzeugbelegung im Future Plan diskutiert wird. Der Konzernumbau erreicht damit unmittelbar auch die Premiummarke.

Lamborghini kam 1998

Volkswagen baute sein Luxussegment Ende der 1990er Jahre sehr schnell aus. Am 10. Juli 1998 wurde Automobili Lamborghini S.p.A. übernommen. Die Marke wurde organisatorisch eng an Audi gebunden. Ein italienischer Supersportwagen hängt dadurch heute an denselben Konzernentscheidungen über Kapital, Software und Plattformen wie andere Teile der Gruppe.

Bentley kam im selben Sommer

Nur wenige Tage zuvor hatte Volkswagen Bentley, das Werk in Crewe und zeitweise die Rechte am Namen Rolls-Royce erworben. Die endgültige Markenaufteilung führte ab 2003 zu Bentley unter Volkswagen und Rolls-Royce unter BMW. Crewe wurde anschließend mit hohen Investitionen modernisiert. Der Konzern wuchs damals durch Zukäufe in Segmente, die weit oberhalb des klassischen Golf lagen.

Ducati zeigt, wie sich die Richtung drehen kann

2012 kaufte die Audi-Seite des Konzerns Ducati Motor Holding. Vierzehn Jahre später prüft Volkswagen laut Reuters einen möglichen Verkauf der Motorradmarke, wobei bisher keine endgültige Entscheidung gefallen ist. Aus Expansion wird damit Portfolioanalyse. Genau darin zeigt sich die neue Phase des Konzerns besonders deutlich.

Porsche gehört mehrheitlich ebenfalls dazu

Seit August 2012 steht auch Porsche unter dem Dach des Volkswagen Konzerns. Heute hält Volkswagen indirekt 75,4 Prozent des gesamten Aktienkapitals der Porsche AG. Porsche SE besitzt zusätzlich rund 12,5 Prozent des Kapitals, der restliche Teil liegt im Streubesitz. Die berühmte Sportwagenmarke ist damit operativ und finanziell eng mit Volkswagen verbunden.

Auch Porsche spart Personal

Porsche vereinbarte im Juli 2026 ein eigenes Zukunftspaket. Bis 2035 sollen weitere 5.000 Stellen sozialverträglich abgebaut und gleichzeitig 2,1 Milliarden Euro in Zuffenhausen und Weissach investiert werden. Der Stellenabbau soll vor allem über Fluktuation, Demografie, Altersteilzeit und freiwillige Vereinbarungen laufen. Der Spar- und Investitionsdruck reicht also bis in das Sportwagensegment.

Die Beteiligungskette geht bis zu Lastwagen

Volkswagen hält außerdem eine Mehrheitsbeteiligung an TRATON. Ende 2025 lag der direkte Anteil bei 87,5 Prozent, nachdem Volkswagen einen Teil seiner Aktien platziert hatte. Mittelfristig nennt der Konzern 75 Prozent plus eine Aktie als Zielgröße. Unter TRATON liegen wiederum mehrere große Nutzfahrzeugmarken.

Scania begann als Beteiligung

Volkswagen stieg im Jahr 2000 bei Scania ein und erwarb 18,7 Prozent des Kapitals sowie 34 Prozent der Stimmrechte. 2008 erhöhte Volkswagen seinen Anteil deutlich und integrierte Scania stärker in den Konzern. Heute arbeitet Scania unter dem Dach von TRATON. Die schwedische Marke gehört damit zur wirtschaftlichen Reichweite des Wolfsburger Beteiligungssystems.

MAN folgte

2006 kaufte Volkswagen 15,06 Prozent an MAN, 2011 entstand eine Mehrheitsposition und 2012 stieg der Anteil an den Stimmrechten auf 75,03 Prozent. MAN wurde zusammen mit Scania zum Kern des späteren Nutzfahrzeugverbunds. Heute bilden MAN, Scania, International und Volkswagen Truck & Bus die wichtigsten Fahrzeugmarken von TRATON. Ein Pkw-Konzern entwickelte sich damit auch zu einem der großen europäischen Nutzfahrzeugakteure.

TRATON zeigt, dass Konzernteile unterschiedlich laufen

Im ersten Halbjahr 2026 verbesserte TRATON sein bereinigtes operatives Ergebnis auf 1,54 Milliarden Euro und die bereinigte Umsatzrendite auf 7,0 Prozent. Auftragseingänge stiegen um 30 Prozent. Scania erreichte bereinigt 11,3 Prozent Marge, MAN 7,0 Prozent. Die Zahlen zeigen, wie verschieden die Ertragskraft innerhalb desselben Konzernnetzes ausfällt.

Volkswagen kauft heute auch Technologie

Die jüngeren Beteiligungen folgen einer anderen Logik als Škoda oder Bentley. Volkswagen erhöhte 2025 seinen Anteil an Rivian auf 12,3 Prozent. Im Mittelpunkt stehen Softwarearchitektur und die gemeinsame Entwicklung künftiger Fahrzeuge. Der Konzern kauft damit zunehmend Zugang zu Technologie statt vollständige Marken.

XPENG verbindet Volkswagen mit Chinas Softwaretempo

Für China vereinbarte Volkswagen eine strategische Zusammenarbeit mit XPENG und kündigte eine Investition von rund 700 Millionen US-Dollar für zunächst 4,99 Prozent an. Gemeinsam sollten neue elektrische Volkswagen Modelle für China entwickelt werden. Die Partnerschaft zeigt, wie stark sich die industrielle Machtachse verschoben hat. Wolfsburg sucht heute Technologiepartnerschaften dort, wo früher vor allem Absatzmärkte lagen.

Scout wächst als neue amerikanische Marke

Scout Motors wurde 2022 als vollständig zum Volkswagen Konzern gehörendes Unternehmen aufgebaut. Die Marke entwickelt eigene elektrifizierte Geländewagen und Pick-ups für Nordamerika. Gleichzeitig soll sie Architektur aus der Volkswagen-Rivian-Zusammenarbeit nutzen. Der Konzern schrumpft also an einigen Stellen und baut an anderen neue industrielle Wetten auf.

China ist Beteiligungsland und Absatzmarkt zugleich

Volkswagen arbeitet in China über große Gemeinschaftsunternehmen. Für 2025 weist der Geschäftsbericht 40 Prozent an FAW-Volkswagen, 50 Prozent an SAIC Volkswagen und 48 Prozent an der SAIC-Volkswagen Sales Company aus. Diese Strukturen zeigen eine weitere Form des Konzerns: gemeinsame Kontrolle statt vollständiger Eigentümerschaft. Der Druck chinesischer Wettbewerber entsteht damit mitten in einem Markt, in dem Volkswagen seit Jahrzehnten selbst tief verankert ist.

Das Produktionsnetz verbindet die Marken physisch

Fast die Hälfte der Pkw- und leichten Nutzfahrzeugwerke des Konzerns arbeitet bereits als Mehrmarkenstandort. In Bratislava entstehen Fahrzeuge von Volkswagen, Škoda, Audi und Porsche auf gemeinsamen Baukästen. Zwickau produziert Volkswagen, Audi und CUPRA auf MEB-Basis. Eine Kapazitätsentscheidung an einem Standort kann deshalb mehrere Marken gleichzeitig berühren.

Auch der Eigentümerkreis macht den Umbau politisch

Volkswagen selbst besitzt eine ungewöhnliche Aktionärsstruktur. Porsche SE hält 53,3 Prozent der Stimmrechte, das Land Niedersachsen 20,0 Prozent und Qatar Holding 17,0 Prozent. Arbeitnehmervertreter sitzen ebenfalls stark im Aufsichtsrat. Jede große Restrukturierung verbindet deshalb Kapitalmarkt, Industriepolitik, Landespolitik und Mitbestimmung.

Der Gewinnrückgang liefert den finanziellen Druck

Schon 2025 sank das operative Ergebnis des Konzerns auf 8,87 Milliarden Euro nach 19,06 Milliarden Euro im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2026 lag das operative Ergebnis bei 5,9 Milliarden Euro und damit 11,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Gruppe besitzt weiterhin enorme Umsätze und Vermögenswerte. Ihre Rendite muss zugleich deutlich steigen, wenn Investitionen in Software, Batterien und neue Fahrzeuge finanziert werden sollen.

Darum geht es um mehr als Wolfsburg

Der Future Plan spricht von einer Halbierung des Modellportfolios und einer Reduktion der Komplexität um 75 Prozent bis 2035. Solche Ziele betreffen Plattformen, Varianten, Einkauf, Entwicklung und Werke. Genau diese Bereiche werden bereits markenübergreifend organisiert. Die Auswirkungen können sich daher durch das gesamte Netz bewegen, auch wenn jede Marke wirtschaftlich anders dasteht.

Für Tschechien ist Škoda viel größer als ein Logo

Ende 2025 beschäftigte Škoda Auto in Tschechien 34.006 Menschen einschließlich Auszubildender. Mladá Boleslav stellte davon mehr als 26.000 Beschäftigte. Hinzu kommen Tausende Menschen bei Zulieferern, Logistik, servisu a technických službách. Eine Veränderung der Konzernarbeitsteilung besitzt deshalb direkte regionale Bedeutung.

Die tschechische Autoindustrie hängt stark am Export

2025 wurden in Tschechien 1,446 Millionen Pkw produziert, davon gingen 92,5 Prozent ins Ausland. Škoda stellte 947.140 Fahrzeuge in tschechischen Werken her und repräsentierte 65,5 Prozent der inländischen Pkw-Produktion. Der größte Teil dieser Fahrzeuge wird exportiert. Entscheidungen über europäische Modelle, Plattformen und Kapazitäten wirken deshalb weit über die Werkstore hinaus.

Škodas Stärke kann zur Chance werden

Die gegenwärtigen Zahlen sprechen für einen produktiven Standort. Eine Marge von 8,5 Prozent bei Škoda gegenüber 2,4 Prozent bei Volkswagen Pkw macht Mladá Boleslav im konzerninternen Vergleich attraktiv. Dazu kommen Batterien, Motoren und Getriebe für Schwesterunternehmen. Effizienz kann in einer Restrukturierung ebenso zusätzliche Aufgaben anziehen wie Einsparprogramme.

Die eigentliche Frage lautet: Was bleibt europäisch?

Volkswagen will in den Jahren 2027 bis 2031 rund 135 Milliarden Euro in Sachanlagen und Forschung investieren. Gleichzeitig stehen Stellenabbau, weniger Modelle, weniger Komplexität und eine kleinere Zahl eigener Gesellschaften auf der Agenda. Das ist keine einfache Schrumpfung, sondern eine Neuverteilung von Kapital. Für Europa zählt, welcher Anteil von Entwicklung, Produktion und Wertschöpfung innerhalb seiner Industrieregionen bleibt.

16 Milliarden sind deshalb erst der Anfang der Rechnung

Die heute berichteten Restrukturierungskosten zeigen den Preis der Umstellung. Der größere Betrag liegt in den Entscheidungen, die danach folgen: welche Plattform entwickelt wird, welches Werk ein Modell erhält, welche Marke Investitionen bekommt und welche Beteiligung verkauft wird. Der jüngste Kompromiss zwischen Management, Arbeitnehmerseite und Niedersachsen hat den Weg für tiefere Veränderungen geöffnet. Die Umsetzung entscheidet über die industrielle Landkarte der kommenden Jahre.

Wolfsburg schrumpft, Europa sortiert sich neu

Volkswagen ist heute ein Geflecht aus deutschen, tschechischen, spanischen, italienischen, britischen, schwedischen, amerikanischen und chinesischen Interessen. Škoda zeigt zugleich, dass ein gekauftes Unternehmen innerhalb dieses Geflechts sehr erfolgreich wachsen kann. Die jetzige Restrukturierung wird deshalb Gewinner, Verlierer und neue Arbeitsteilungen hervorbringen. Die politische Frage lautet: Schafft Europa aus diesem Umbau wieder wettbewerbsfähige Industrie – und welche Städte bauen die Autos, Batterien und Software der nächsten Generation?

Qellen:

Sven von Storch

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Blog-Kommentare

"Darum geht es um mehr als Wolfsburg" - finde ich auch!

Wir sollten uns doch hier besser um die Probleme des ganzen Landes kümmern, als um endlose Details zu einem Konzern!

Ekkehardt Fritz Beyer

12.09.2026 | 10:08

... „China ist Beteiligungsland und Absatzmarkt zugleich“ ...

Auch im Rahmen der „Demokratiehilfe nach deutscher Art“??? https://globalbridge.ch/demokratiehilfe-nach-deutscher-art/  

 

Weil Rohstoffe wie Lithium, Graphit, Nickel, Kupfer, Seltene Erden oder Wolfram besonders in China samt Russland noch ausreichend zu bekommen sind https://www.wallstreet-online.de/nachricht/21369524-23-rohstoffprojekte-schlagen-alarm-europas-china-problem-focus-graphite-interessant-koennte, was die immer größer werdende Abhängigkeit des Westens vom Osten noch wesentlich unterstreicht?! https://www.handelsblatt.com/politik/international/rohstoffkrise-wie-china-und-russland-den-rest-der-welt-von-ihren-rohstoffen-abhaengig-machen-wollen/28195418.html

Ja mei: https://www.google.com/search?q=wenn+die+arroganz+unterliegt&sca_esv=2d46d56013dee1b6&sxsrf=APpeQnveXRYS0Mb2UvS-_W7NRPsLVB_2LA%3A1789160154495&source=hp&ei=2mqkatXvHJrq7_UPqL61iA4&iflsig=ABILxe8AAAAAaqR46n97ah15ZQOiLRcgjCLkKmnj9O8s&ved=0ahUKEwjVxND7tOeWAxUa9bsIHShfDeEQ4dUDCBs&uact=5&oq=wenn+die+arroganz+unterliegt&gs_lp=Egdnd3Mtd2l6Ihx3ZW5uIGRpZSBhcnJvZ2FueiB1bnRlcmxpZWd0MggQABiJBRiiBDIIEAAYgAQYogQyCBAAGIkFGKIEMgUQABjvBTIIEAAYiQUYogRIi6IBUABYkpIBcAF4AJABAJgBZ6ABgxKqAQQzMC4xuAEDyAEA-AEBmAIgoALvEsICCBAAGIAEGLEDwgIFEC4YgATCAg4QABiABBiKBRixAxiDAcICBRAAGIAEwgILEAAYgAQYsQMYgwHCAgsQLhiABBjHARivAcICCBAAGIAEGLQHwgIIEC4YgAQYsQPCAgsQABiABBixAxjHA8ICCBAuGIAEGLQHwgILEAAYgAQYigUYsQPCAgYQABgWGB7CAgUQIRifBcICBRAhGKABwgIHECEYChigAZgDAJIHBDI5LjOgB8q3AbIHBDI4LjO4B-4SwgcGOC4yMC40yAc4gAgB&sclient=gws-wiz 

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