Wie der Terrorismus für Geointeressen ausgenutzt wird

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Wie der Terrorismus für Geointeressen ausgenutzt wird
Datum: 18.11.2015 - 12:00 Uhr

Angesichts der aktuellen Ereignisse in Paris diskutierte der Journalist und politische Autor Gearoid O’Colmain in einem Interview mit RT International die Auswirkungen und Hintergründe des Terrorismus und der Flüchtlingskrise.

Der Ausruf des Ausnahmezustandes in Frankreich und die alarmierende Situation, wie sie nach den Anschlägen in Paris aufgekommen ist, seien nichts Neues, da man bereits im Januar, nach dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo, wochenlange Medienpanik und großspurige Ankündigungen der Regierung erlebt hatte. Allerdings sei, so Colmain, eine Intensivierung zu erkennen. Die Furcht vor dem radikalen Islam werde noch weiter gesteigert.

Colmain erinnerte an die Worte von François Hollande, dass die Terroranschläge von außen orchestriert seien, und erinnerte zugleich daran, dass auch der „Krieg gegen den Terror“, den der Westen erklärt hatte, ebenso zu Terror im Nahen Osten geführt habe. Die Menschen müssten verstehen, so Colmain, dass allgemein ein Krieg gegen die Zivilgesellschaft geführt werde, indem Rebellen und Bevölkerungsgruppen in vielen Ländern gegeneinander aufgehetzt werden.

Nach Colmain gebe es keinen wirklichen „Krieg gegen Terror“ sondern lediglich eine Vielzahl an Stellvertreterkriegen, die von außen gelenkt werden, um jene Nationalstaaten zu destabilisieren, die sich gegen die internationalen Entwicklungen und Hegemoniebestrebungen stellen. Außerdem würden diese Destabilisierungen, die Angst und Schrecken verbreiten, dazu genutzt, um die arbeitende Bevölkerung in Europa zu disziplinieren, besonders in Zeiten sich international ausbreitender Arbeitslosigkeit, Austerität und Wirtschaftsnot – so Colmain sinngemäß.


Viele Terrorgruppen hätten ihre Ursprünge in Rebellengruppen, die von westlichen Geheimdiensten bewaffnet und ausgebildet wurden. Am Ende sei selbst der „Islamischer Staat“ (IS) das Ergebnis amerikanischen Einflusses. Dies würde sogar durch de-klassifizierte Dokumente der US-Behörden bestätigt sein, meinte Colmain. Am Ende stünden hinter diesen Einflussnahmen geostrategische und wirtschaftliche Interessen der Konzerne und mächtigen Staaten.

Im Zuge dieser Entwicklung befürchtet Colmain ein wachsendes Vorgehen gegen Dissidenten in der westlichen Welt. Menschen würden wegen abweichender politischer Einschätzungen und Meinungen immer öfter angegriffen werden. Besonders das Internet würde zunehmend überwacht werden, um abweichende Meinungen oder das Hinterfragen von Zusammenhängen stärker zu unterbinden.

Besonders das kritische Hinterfragen der politischen Ordnung und Außenpolitik würde zunehmend diskreditiert und als Verschwörungstheorien abgetan werden. Colmain bezeichnete dieses Vorgehen gegen andere Meinungen als „intellektuellen Terrorismus“. In Frankreich würden zunehmend Professoren oder Lehrer angegriffen werden, die politisch eine andere Meinung haben oder die offizielle Politik kritisch hinterfragen.

In diesem Zusammenhang fallen nach Colmain auch die aktuellen Migrationsbewegungen. Die Flüchtlingsströme seien nichts Neues, und die aktuellen Bewegungen hätten verhindert werden können. Doch, so vermutet Colmain, würden diese Ströme gezielt in Richtung Mitteleuropa gelenkt. Dort würde die Bevölkerung zunehmend gespalten und durch Terrorismus verunsichert werden. Es handele sich, so Colmain, um „coercive engineered migration“. Die Migrations- und Flüchtlingsbewegungen würden auf diese Weise instrumentalisiert und bewusst nach Deutschland gelenkt werden.

Letztlich sei es, so Colmain, eine insbesondere von US-amerikanischen Interessensgruppen geprägte Politik der weitergehenden Globalisierung und Destabilisierung, in die auch Europa zunehmend hineingezogen werde.

Sven von Storch

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