Warnungen des IWF_ Deutsche Bank ist großes Systemrisiko
Warnungen des IWF_ Deutsche Bank ist großes Systemrisiko
Datum: 12.10.2016 - 12:13 Uhr
Wie geht es weiter mit der Deutschen Bank? Für Aktionäre, Verbraucher, Sparer und Investoren stellt sich die Situation unübersichtlich dar. Warnungen wechseln mit Entwarnungen. Die Deutsche Bank bereitet derzeit vielen Institutionen Kopfzerbrechen. Besonders die Warnungen des IWF haben die Finanzwelt aufgerüttelt. Denn bei einem Untergangszenario der Deutschen Bank würden viele andere Finanzinstitutionen mitgerissen werden und mit ihnen viele weitere Unternehmen. Noch steckt die die Kettenreaktion der Finanzkrise von 2008, die der Lehman-Pleite folgte, den Experten als Mahnung in den Knochen.
Ist die Deutsche Bank ein globales Systemrisiko?
Bereits im Juni wies ein Artikel von Welt-Online/N24 auf die Problematik hin: „Deutsche Bank ist weltweit das größte Systemrisiko“. Der IWF sehe in der Deutschen Bank aktuell eines der größten Risiken für das globale Finanzsystem, hieß es. Seit dem Amtsantritt von John Cyran im Juli 2015 hat sich die Lage der Deutschen Bank eher verschlechtert als verbessert, wenn man wichtige Indikatoren berücksichtigt. Dazu gehören unter anderen die negative Entwicklung der Deutsche-Bank-Aktie und die bedrohlichen Indikatoren für eine Pleitewahrscheinlichkeit. Von rund 30 Euro war der Wert im Sommer bis auf fast 12 Euro gesunken. Es gebe kaum ein anderes Institut, dass vergleichbar an Wert verloren habe, hieß es, ausgenommen der Schweizer Crédit Suisse Bank. Im Ranking fiel die Bank ins Bodenlose.
Nach einem Report des IWF sei die Deutsche Bank wegen ihrer relativen Bedeutung dasjenige Finanzinstitut, von dem das größte Systemrisiko ausgehe. Dies offenbare ein Blick in die Bilanz: Die Bank habe immer noch Assets von rund 1,7 Billionen Euro in ihren Büchern, hieß es auf Welt-Online/N24. Diese Summe entspreche mehr als 55 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Angesichts der dramatischen Entwicklungen sei es notwendig, Mechanismen zu entwickeln, um im Pleitefall auch große Institute abwickeln zu können, damit sich eine Kernschmelze wie 2008 nicht wiederhole.
Im Juli hatten selbst die Ökonomen der Deutschen Bank Untergangszenarien an die Wand gemalt. Es drang aus allen Poren, wie prekär die Lage innerhalb der Deutschen Bank gesehen werde. Vor diesem Hintergrund schienen auch Entwicklungen in Italien und der Brexit den Bank-Experten Kopfzerbrechen zu bereiten. Doch es sind nicht nur die aktuellen Ereignisse in Italien und Großbritannien, die die Probleme bei der Deutschen Bank verursacht haben. Bereits im Februar war bei Wallstreet-Online von „Es brennt lichterloh bei der Deutschen Bank“ die Rede, weil die Aktien bedrohlich an Wert verloren hatten.
Kritik am Geschäftsmodell der Deutschen Bank
Anfang Oktober hatte der IWF seine Kritik an der Deutschen Bank erneuert. Wie unter anderen die FAZ berichtete, habe der IWF von der Bank gefordert, ihr Geschäftsmodell zu reformieren. Es bräuchte Anpassungen, um die Investoren davon zu überzeugen, dass das Geschäftsmodell wieder zukunftsfähig sei, berichtete die FAZ. Ein besonders pikantes Problem: Die Deutsche Bank hat knappe Reserven, muss aber noch teure Rechtsstreitigkeiten in den USA bestehen, wo ihr Vorwürfe wegen fauler Hypothekenpapiere gemacht wurden. Die Nachricht, wonach eine Strafsenkung möglich sei, hat dagegen wieder Hoffnung für die Aktionäre gebracht.
Wie unter anderen Spiegel-Online berichtete, zeichnete der IWF ein ziemlich düsteres Bild von der europäischen Bankenszene insgesamt. Viele europäische Finanzinstitute seien zu schwach, um nachhaltig Gewinne erwirtschaften zu können, hieß es. Dies betreffe ein Drittel des europäischen Bankensystems mit einem Volumen von 8,5 Millionen US-Dollar.
Führen die USA einen Wirtschaftskrieg gegen europäische Banken?
Eine Frage, die seit langem im Raum schwebt, ist ob die von der europäischen Krise betroffenen Banken durch eigene Fehler in die Problemzone gerutscht sind, oder ob noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Die Rede ist ganz konkret von einer aggressiven Finanzpolitik der amerikanischen Geldhäuser gegen ihre europäische Konkurrenz.
Wie unter anderen der Deutschlandfunk berichtete, gibt es Experten, die einen US-Wirtschaftskrieg gegen europäische Banken vermuten. So vermutete der Finanzexperte Max Otte einen systematischen Wirtschaftskrieg gegen europäische Unternehmen. Dafür sprächen unter anderem die enormen Strafzahlungen, die von europäischen Unternehmen gefordert werden. Diese seien oftmals deutlich höher als bei US-Firmen. Auch Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, erkennt, dass deutsche Unternehmen zurzeit einen schlechten Stand in den USA haben.
Die Deutsche Bank versucht mit großer Mühe, die Spekulationen über seine angebliche Zahlungsunfähigkeit abzublocken. Man sei keine Krisenbank, heißt es aus Frankfurt. Die Gefahr, dass die Bank ihre finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen könnte, bestünde nicht. Einige Hedgefonds hatten Liquiditätsengpässe vermutete und den Handel mit der Bank teilweise eingestellt.
Psychologisch ist die ganze Krise von einem großen Schatten bedeckt. Denn bei der Lehman-Pleite 2008 hatte man auch lange Zeit versucht, die Situation schön zu reden. Man weiß, was daraus geworden ist. Die Verflechtungen und Abhängigkeitsketten sind komplex. Dominoeffekte in der Finanzwelt sind das Grauen der Investoren und dabei so schwer einzuschätzen wie das plötzliche Auftreten eines Kaventsmannes im ozeanischen Hurricane.
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