Türkei und Russland_ Spiel mit dem Feuer

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Türkei und Russland_ Spiel mit dem Feuer
Datum: 26.11.2015 - 09:20 Uhr

Der Abschuss des russischen SU-24-Jagdbombers durch die Türkei lässt die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau deutlich abkühlen. Die NATO ist alarmiert. Eine weitere Eskalation will man verhindern.

Die Türkei behauptet, der russische Jet habe türkischen Luftraum verletzt. Man hätte das Flugzeug gewarnt und zur Umkehr aufgerufen. Die Russen behaupten dagegen, dass sich das Flugzeug nicht über türkischem Luftraum aufgehalten habe. Es sei vielmehr in eine Falle gelockt worden, um es abzuschießen. Der russische Außenminister Sergei Lawrow sprach von einem Hinterhalt. Ob das Flugzeug tatsächlich den türkischen Luftraum verletzt habe, lässt sich im Nachhinein schwer feststellen. Tatsache ist, dass die Maschine in Syrien abstürzte. Der überlebende Pilot hat mittlerweile verkündet, dass er keine Warnung seitens der Türken bekommen habe. Der Abschuss sei überraschend gewesen.

Beide Seiten haben unverantwortlich gehandelt

Es war nicht das erste Mal, dass russische Kampfbomber bei ihrer Syrienmission in den türkischen Luftraum eingedrungen sind. Dabei handelt es sich in der Regel um Wendemanöver, bei denen die Flugzeuge für wenige Sekunden über der Türkei zu sehen waren. Die Türkei hatte protestiert und mehrfach gewarnt, dass man bei Wiederholung den Luftraum schützen werde – notfalls mit Abschuss. Die Russen hätten das wissen müssen und einen Sicherheitsabstand einhalten müssen, um eine gefährliche Situation oder folgenschwere Missverständnisse zu vermeiden. Doch man ließ es drauf ankommen.

Doch auch die Türken haben höchst fahrlässig gehandelt. Die Türkei kennt die Mission der Russen in Syrien. Sie weiß auch, dass die Russen sich mit den Franzosen und Amerikanern abgesprochen haben, um bei den Luftkämpfen gegen den „Islamischen Staat (IS)“ Missverständnisse zu vermeiden. Es war von vornherein klar, dass eine kurzzeitige Verletzung des türkischen Luftraums keine Gefahr für die türkische Sicherheit darstellt. Vor diesem Hintergrund war es unverantwortlich, das Flugzeug anzuschießen.

Immerhin hatte es 2012 eine umgekehrte Situation gegeben, bei dem die syrischen Regierungstruppen einen türkischen Phantom-Jagdbomber abgeschossen hatten, der bei einem Übungsflug kurzzeitig in syrischen Luftraum eingedrungen war. Damals hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan heftig protestiert.

Russland reagiert mit militärischer Abschreckung

Wie unter anderem Spiegel-Online berichtete, hat Russland einen Lenkwaffenkreuzer ins Mittelmeer geschickt, der vor der Küste des syrisch-türkischen Grenzgebietes patrouilliert. Das Schiff verfügt über moderne Raketen zur Bekämpfung feindlicher Flugzeuge in großer Entfernung. Außerdem sollen die russischen Bomber Geleitschutz durch Abfangjäger erhalten.

Doch nicht nur zur See, auch an Land will Russland jetzt die Flugabwehr ins Syrien ausbauen. So wurde nun bekannt, dass die Russische Föderation das moderne Langstrecken-Flugabwehrsystem S-400 in der Region um Latakia an der syrischen Küste stationieren möchte. Das System gilt als hoch effektiv. Auf einer Entfernung von 400 Kilometern kann es alle Arten von Flugzeugen, Drohnen und Raketen abschießen. Auch die Stealth-Technologie soll mit diesem System erfasst werden können.

Damit wird in der Region stationiert, was der Westen unbedingt verhindern wollte. Auch Israel ist davon alles andere als begeistert. Bedanken darf man sich bei der Türkei. Wenn die Russen einen großen Teil des Luftraumes über Syrien mit Abwehrraketen beherrschen, ist das Risiko von Missverständnissen und ungewollten Vorkommnissen gestiegen. Denn es ist ja auch die Türkei, die sich das Recht vorbehält, Luftattacken über Syrien zu fliegen – angeblich um den IS zu bekämpfen, doch vornehmlich, um die Kurden unter Kontrolle zu halten.

Nun bemühen sich alle um Deeskalation

In der NATO ist man über den Vorfall nicht begeistert. Der Generalsekretär Jens Stoltenberg rief zur Deeskalation auf, ebenso US-Präsident Barack Obama. Die Türkei ist für die NATO ein unberechenbarer Partner geworden.

Der türkische Präsident Erdogan und seine Minister versuchen nun, den Tonfall zu mäßigen und die Sache herunterzuspielen. Auch der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu stellte klar, dass die Türkei keinen Konflikt mit Russland wünschten. Russland bleibe Freund der Türkei.

In Deutschland ist man wegen der unbesonnenen Syrienpolitik der Türkei besorgt. Angela Merkel fordert im Einklang mit der NATO die Deeskalation der Situation. Sigmar Gabriel bezeichnete die Politik der Türkei in der Region als „unkalkulierbar“.

Sven von Storch

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