Südasien zunehmend misstrauisch gegenüber China
Südasien zunehmend misstrauisch gegenüber China
Datum: 29.01.2019 - 08:00 Uhr
Der Fall Sri Lanka hat in Südasien und Ostafrika für Aufsehen gesorgt. Denn China baut für billige Kredite Häfen, Städte und Infrastruktur – zu konkurrenzlos günstigen Preisen. Doch wenn die Kredite nicht zurückgezahlt werden, verlieren die Länder Souveränitätsrechte an China.
So geschah es mit Sri Lanka. Die Chinesen haben dort einen riesigen Handels- und Containerhafen gebaut. Weil Sri Lanka sich aber finanziell überschätzt hatte und den Kredit nicht abtragen kann, musste das kleine Inselreich die Nutzungsrechte für den Hafen für 99 Jahre an China abgeben.
China macht jetzt mit Staaten, die in Wirtschaftskrisen sind, genau das, was die Europäer früher mit China gemacht hatten (die Briten in Hongkong, in Portugiesen in Macao, die Deutschen in Tsingtau/Qingdau oder die Briten, Franzosen, Amerikaner und Japaner, die Konzessionen in Shanghai hatten).
Auch der Kauf des griechischen Hafens Piräus bei Athen hatte für Schlagzeilen gesorgt. Nun schlagen immer Staaten Alarm, besonders in Südasien. Immer häufiger werden umfangreiche Finanzierungs- und Kreditangebote aus China abgelehnt, weil man Sorge hat, dass im Fall einer Zahlungsschwierigkeit, Souveränitäts- oder Nutzungsrechte von Häfen an China abgegeben werden müssen.
Chinas großer Plan: Kontrolle aller Handelswege zwischen Ostasien und Europa
China hat einen großen Plan. Bis zum Jahr 2050 will das Reich der Mitte die führende Weltmacht sein. Und zwar in den Bereichen Wirtschaft, Handel, Militär und Schlüsseltechnologien. Das wird unter Xi Jinping als »chinesischer Traum« propagiert. Die Geschwindigkeit, mit der 1,4 Milliarden Chinesen fleißig an der Verwirklichung dieses Traumes arbeiten, ist atemberaubend.
Um die Exportwirtschaft abzusichern, will China verstärkt die Handelswege kontrollieren. Das war einst die Stärke der Briten, heute der Amerikaner. Das wollen die Chinesen ändern.
Zwei große Routen stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit: die Landroute durch Eurasien, die durch Westchina, Kasachstan und Russland nach Europa führt, und die Seeroute, die durch das südchinesische Meer vorbei an den Philippinen, Malaysia, Singapur, durch die Straße von Malakka, dann in den Indischen Ozean über den Golf von Bengalen nach Sri Lanka, von dort über das Arabische Meer ins Rote Meer und schließlich über das Mittelmeer nach Europa führt.
Um diese Ziele zu erreichen hat China milliardenschwere Projekte auf den Weg gebracht. Die Landroute firmiert unter dem Projektnamen »Neue Seidenstraße« und wird in Kooperation mit Kasachstan und Russland vorangetrieben.
Für sie Seeroute wird es komplizierter, denn dort stößt China auf konkurrierende Interessen, insbesondere jene der USA. Doch China will sich nicht abschrecken lassen.
Die einzelnen chinesischen Projekte entlang der Seeroute sprechen eine deutliche Sprache:
1. China hat Korallenriffe und kleine Eilande im Südchinesischen Meer in einer umstrittenen Aktion zu Militärbasen ausgebaut, die wie feststehende Flugzeugträger fungieren.
2. China baut seinen Einfluss in Malaysia, Singapur und Indonesien aus.
3. China hat einen großen Hafen in Sri Lanka gebaut, dessen Souveränitätsrechte für 99 Jahre an China gefallen sind, weil Sri Lanka die Schulden nicht mehr abtragen konnte.
4, China hat am Horn von Afrika, in Dschibuti, eine Militärbasis errichtet, um die freien Seeweg ins Rote Meer zu sichern.
5. China investiert zunehmend in Ägypten und versteht sich gut mit der Regierung von Abd-el-Fatah el-Sisi.
6. China hat von der wirtschaftlichen Krise in Griechenland profitiert und den Hafen von Piräus bei Athen gekauft. Dieser Hafen entwickelt sich durch die chinesischen Investitionen und Bauvorhaben rasant zum bald größten Container-Hafen Europas.
7. China kauft sich in immer mehr Firmen und Infrastrukturprojekten in Europa ein.
Damit ist der Weg deutlich genug vorgezeichnet: China wird bald den Handel zwischen Asien und Europa kontrollieren. Allein die Amerikaner könnten die Chinesen – zumindest theoretisch – noch stoppen.
Doch dieser Prozess wird nun abgebremst, weil immer mehr Staaten die langfristige Entwicklung durchschauen und skeptisch gegenüber chinesischen Investitionen geworden sind.
[ Schlagwort: GeoAußenPolitik ]
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