Signal an Moskau_ USA senden Panzerbrigade nach Osteuropa

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Signal an Moskau_ USA senden Panzerbrigade nach Osteuropa
Datum: 01.04.2016 - 10:00 Uhr

Die Verschiebungen der US-Truppen und die sich verändernden NATO-Militärkonzentrationen deuten darauf hin, dass Europa wieder in den Fokus der geostrategischen und militärischen Aufmerksamkeit gerückt ist.

Wie unter anderem die FAZ unter Berufung auf eine dpa-Meldung und einer Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums berichtete
, wollen die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Truppenpräsenz in Osteuropa ausbauen. Eine komplette Panzerbrigade soll nun zusätzlich dorthin verlegt werden. Nach Angaben des europäischen Kommandos EUCOM soll mit der Verlegung der Kampfbrigade im Februar nächsten Jahres begonnen werden.

Der Standort der Brigade soll innerhalb Osteuropas zwischen den Ländern wechseln. Hauptstationierungsorte werden in den Ländern auf dem Baltikum und an der Schwarzmeerküste sein. Dabei soll die Brigade in regelmäßigen Abständen mit den allerneusten technologischen Waffensystemen und Gerät aufgestockt werden. Die Truppen sollen immer auf dem neuesten Stand sein. In diesem Zusammenhang passt es, dass US-Präsident Barack Obama die Erhöhung der Verteidigungsausgaben für die US-Truppen in Europa angekündigt hatte.

Russland beobachtet die Truppenkonzentrationen an seinen Grenzen mit Besorgnis

Russland verfolgt die NATO-Aktivitäten in Osteuropa genau. Wie im Kalten Krieg wird jede Aktion mit einer Reaktion beantwortet. Der russische Botschafter bei der NATO, Alexander Gruschko, habe bereits Gegenmaßnahmen angekündigt, heißt es in der FAZ. Russland erwäge, die verstärkte NATO-Präsenz auszugleichen.

Interessant ist die neue Wortwahl. Man wolle eine „völlig asymmetrische Antwort“ geben, heißt es. Was damit gemeint sein kann, lässt sich nur vermuten. Der Erfahrungen des Kalten Krieges und vor allem der daran zeitlich anschließenden NATO-Osterweiterungen eingedenk, wird es wohl darauf hinauslaufen, dass Russland klare Signale in Form großer Militärpräsenz und Abschreckung senden will. Das neue Motto dieser Abschreckung wird sein: Was immer ihr tut, es wird von unserer Seite stets überraschende und unkalkulierbare Konsequenzen geben, die euch daran erinnern werden, besser keinen Schritt zu weit zu gehen.

In Moskau ist die Ansicht verbreitet, dass man in den 1990er Jahren viel zu nachsichtig gegenüber der NATO war und sich auf falsche Versprechungen eingelassen habe. Insbesondere scheint sich das Gefühl breit gemacht zu haben, dass man vom Westen nicht mehr so ernst genommen wird wie zur Zeit der Sowjetunion und des Warschauer Paktes. Während man zur Zeit des Kalten Krieges mit größter Sorge und Vorsicht auf die sowjetische Politik reagiert hat, tritt heute die NATO gegenüber der russischen Föderation sehr forsch und überaus selbstbewusst auf, fast schon so, als nehme man Russland nicht als gleichwertigen Gegner wahr, sondern nur als „Regionalmacht“ à la Iran oder Nordkorea.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion wird retrospektiv von großen Teilen der russischen Bevölkerung als Tragödie wahrgenommen – nicht nur von Wladimir Putin, wie in der Presse immer wieder behauptet wird. Hier scheint sich die Sehnsucht nach vergangener Größe zu artikulieren. Auf jeden Fall scheint die Meinung verbreitet zu sein, dass man unbedingt eine Wiederholung der Tragödie in Bezug auf die Russische Föderation verhindern will.

Die Konzentration der russischen Medien auf die Aktivitäten der USA und NATO hat natürlich auch den Effekt, dass von innenpolitischen Problemen abgelenkt wird. Russland ist durch die niedrigen Energiepreise und durch die Ölschwemme auf dem Erdölmarkt wirtschaftlich stark geschwächt und hat weitaus weniger Deviseneinnahmen als ursprünglich erhofft wurde.

( Schlagwort: GeoAußenPolitik )

 

 

Sven von Storch

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