Petra war das Dubai der Antike

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Petra war das Dubai der Antike
Datum: 20.03.2020 - 09:00 Uhr

Noch in den 1960er Jahren waren Staaten wie Kuwait, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (wozu Dubai und Abu Dhabi gehören) unbedeutende Wüstengebiete am Golf mit wenigen Beduinen und eine paar Fischerdörfern. In Kuwait floss zwar schon das Öl, doch in den anderen Gebieten begann der Boom gerade erst. Die Städte und Orte am Golf waren klein, sahen verlassen und verwahrlost aus.

In den letzten 50 Jahren hat sich Bild grundlegend gewandelt. Städte wie Doha (Katar), Kuwait City und vor allem Dubai und Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten glänzen mit »Skylines« wie Las Vegas oder Singapur. In Dubai steht mit dem Burj Khalifa das zurzeit höchste Gebäude der Welt.

All diesen ostentative Reichtum verdanken die Golfstaaten dem Erdöl und Erdgas. Ohne diese Rohstoffe wäre dort quasi nichts. Die Einwohner der kleine Golfstaaten wären bitterarm. Die Beduinen wären von der Kamelzucht, die Fischer vom Fischfang und von der Perlentaucherei abhängig gewesen. Wie die Jahrtausende zuvor. Die Öl- und Gasquellen haben alles verändert. Das schwarze Gold hat eine Märchenwelt wie 1001 Nacht aus dem Nichts emporwachsen lassen.

Die größte Sorge der Golfstaaten ist der Gedanke an die Zeit nach dem Öl. Ihr Traum: Städte wie Dubai sollen internationale Drehscheiben des Handels werden, Dienstleistungs-Metropolen wie Singapur oder Hongkong. Doch dieser Traum wird vermutlich nie in Erfüllung gehen. Singapur und Hongkong wurde durch ungeheuren Fleiß ihrer Einwohner aus dem Nichts aufgebaut. Dort gab es von Anfang an keine Rohstoffe. Es gab nur den unermüdlichen Arbeitseinsatz der Bewohner und die geographische Lage als Handelsumschlagplatz.

Diesen unermüdlichen Arbeitseinsatz findet man in Dubai, Abu Dhabi oder Doha jedoch vor allem bei den Gastarbeitern. Die großen Metropolen am Golf wurden im Schweiße ihres Angesichts von  Gastarbeitern aus Pakistan, Indien, Bangladesch, den Philippinen und Ägypten aufgebaut. Die Experten und Ingenieure hat man sich aus Europa, Amerika und Ostasien geholt. Wenn die Gastarbeiter und Ausländer verschwinden, funktioniert gar nichts mehr am Golf. Dann liegt alles still, von den Baustellen bis zum Gesundheitssystem.

Und so sind die Städte am Golf gleich doppelt auf Sand gebaut. Ein Größenwahn mit schwarzem Gold finanziert.

Gibt es für so etwas Vorbilder in der Geschichte?


Petra war das Dubai der Antike


Ja, und zwar aus der arabischen Antike. Petra, die Hauptstadt der Nabatäer im heutigen Jordanien ist so ein Beispiel. Eigentlich waren auch die Nabatäer ursprünglich Beduinen. Doch als das Römische Reich sich als Großmacht des Mittelmeeres zu konsolidieren begann und unter dem Schirm der Pax Romana der Handel aufblühte, profitierten die Nabatäer von ihrer Lange an einem Handelsknotenpunkt. Denn durch ihr Gebiet zogen alle Karawanen der Weihrauchstraße, die vom Jemen zum Mittelmeer führte.

Weihrauch und Myrrhe kamen aus Südarabien und waren im ganzen Römischen Reich für die Götterkulte unerlässlich. Weihrauch und Myrrhe wurden gehandelt wie Gold.

Und so wurden die Nabatäer innerhalb kurzer Zeit unermesslich reich. Viele Beduinen wurden an den Handelsknotenpunkten sesshaft und ließen sich prächtige Bauten errichten. Die großen Baudenkmäler der Felsenstadt Petra zeugen vom plötzlichen Reichtum, wie heutzutage die Ölscheichs am Golf. Heute wie damals musste der Reichtum unverzüglich in repräsentative Bauten umgesetzt werden.

Doch dann ging es schnell abwärts. Die Nachfrage nach Weihrauch und Myrrhe ließ nach. Ein Teil wurde per Schiff direkt vom Jemen nach Ägypten über das Rote Meer gebracht. Die wichtigste Einnahmequelle versiegte, besonders nachdem die Römer 106 n. Chr. den Handel selbst organisierten. Nach einem schrecklichen Erdbeben im Jahre 363 n. Chr. wurde Teile der Stadt aufgegeben. Nur eine Restbevölkerung blieb. Das goldene Zeitalter Petras war vorüber.

Petra ist eine Mahnung an Städte wie Dubai, Abu Dhabi, Doha oder Kuwait City. Der Reichtum kann schnell vom Sande verweht werden.

 

 

Sven von Storch

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