Ölpreis_ Schmerzgrenze bald erreicht
Ölpreis_ Schmerzgrenze bald erreicht
Datum: 25.02.2015 - 08:07 Uhr
Mittlerweile scheint es fast nur noch Verlierer zu geben. Selbst die arabischen Golfstaaten müssen zunehmend auf Finanzreserven zurückgreifen, um die fehlenden Einnahmen aus den Ölgeschäften auszugleichen. Dabei tragen sie erheblich zum Preisverfall bei. Denn durch ihre konsequent hohen Förderquoten sinkt der Preis.
Anfangs schien es, als sei dies ein verabredetes Vorgehen, um Russland und den Iran in die Knie zu zwingen. Doch mittlerweile sind fast alle Erdöl produzierenden Länder davon betroffen. In den USA sorgen sich die Förderunternehmen um die Wirtschaftlichkeit ihrer Fracking-Öl-Förderung. Inzwischen musste die US-Ölindustrie sogar ihre Produktion zurückfahren.
Zurzeit schwankt der Preis um die 58 Dollar pro Barrel (Brent) bzw. um die 49 Dollar pro Barrel (WTI). Von einer Verschwörung der OPEC kann nicht die Rede sein, denn die Mitgliedstaaten sind sich höchst uneinig. Unter den zwölf Mitgliedsländern sind insbesondere Venezuela, der Iran und auch Nigeria besonders negativ betroffen. Sie haben keine ausreichenden Finanzreserven, um temporäre Lücken in ihren Haushaltsbudgets auszugleichen.
Bald Krisensitzung der OPEC?
Die Staaten, die am längeren Hebel sitzen und trotz eigener Gewinneinbußen die Schmerzgrenze austesten, sind vor allem Saudi-Arabien und die kleinen Golfstaaten Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait.
Das nächste Treffen der OPEC soll im Juni 2015 in Wien stattfinden. Doch wie die nigerianische Ölministerin ankündigte, könnte es bereits zuvor zu einer Krisensitzung der OPEC kommen. Die Nerven liegen jedenfalls blank.
Im Januar kurzer Preisanstieg wegen der Krise in Libyen
Ein wichtiger Erdölproduzent und Mitgliedstaat der OPEC ist Libyen. Doch der Bürgerkrieg, der Konflikt zwischen der Regierung in Tripolis und der Gegenregierung in Tobruk sowie der Kampf der Terrormilizen des selbsternannten „Islamischen Staates“ (IS), die nicht nur in Syrien und im Irak, sondern mittlerweile auch in Libyen ihr Unwesen treiben, lähmen die libysche Ölproduktion.
Im Januar und Anfang Februar haben die chaotischen Verhältnisse in Libyen die Preise für Öl leicht steigen lassen. Grund dafür war unter anderem der Produktionsstopp an Libyens größtem Ölfeld.
Doch angesichts der undurchsichtigen Verhältnisse nicht nur in Libyen, sondern im Nahen und Mittleren Osten insgesamt, ist es schon mehr als verwunderlich, dass nicht – wie früher oft geschehen – die Ölpreise durch die politischen Krisen und Kriege steigen. Dies ist ein klares Anzeichen dafür, dass der Preis schon lange nicht mehr allein durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, sondern gezielt und mit großem Aufwand niedrig gehalten wird.
Saudi-Arabien am Drücker
Die Entwicklung ist eindeutig. Das Bemühen mancher Staaten, den Ölpreis gegen alle Widerstände zu drücken, ist so klar zu durchschauen, dass nur massive politische und wirtschaftlich existenzielle Gründe hierfür eine Rolle spielen können.
Saudi-Arabien steht sowohl politisch als auch wirtschaftlich unter Druck. Das Land ist von Krisenherden umgeben: der Bürgerkrieg im Irak und in Syrien, die Unruhen in Bahrain, die Krise im Jemen. Stets handelt es sich um religiöse Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten. Stets wird dieser Konflikt aus dem Iran genährt. Die Schiiten bereiten den Saudis aus zweierlei Gründen Sorgen. Zum einen ist der schiitische Iran Saudi-Arabiens Erzfeind. Zum anderen gibt es gerade in den ölreichen saudischen Ostprovinzen eine bedeutende schiitische Bevölkerung. Wenn das Schiitenproblem nicht gelöst wird, gerät die Machtposition des saudischen Königshauses in Gefahr. Die einzige Möglichkeit für Saudi-Arabien, den Iran an der Unterstützung der Schiiten in all diesen Ländern zu hindern, ist ihn durch den niedrigen Ölpreis finanziell zu schwächen.
Der andere Grund ist der massive Anstieg der Ölproduktion in Nordamerika. Die USA und Kanada streben mittels Fracking und Ölsandabbau nach Energieunabhängigkeit. Saudi-Arabien befürchtet dadurch massive Verluste von Marktanteilen und versucht diese mit allen Mitteln zu verteidigen.
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