Medien als Konsens-Fabrik_ Freies Denken unerwünscht
Medien als Konsens-Fabrik_ Freies Denken unerwünscht
Datum: 07.01.2022 - 12:06 Uhr
1988 erschien von Noam Chomsky und Edward S. Herman die medienkritische Studie »Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media«. Nüchtern entblößen die Autoren, wie die Massen-Medien die systemerhaltende Propagandafunktion erfüllen, nämlich einen gesellschaftlichen Konsens zu schaffen.
Dabei greifen sie auf Arbeiten von Walter Lippmann zurück, der in seinem Buch »Die öffentliche Meinung« das »Agenda Setting« wie die »Gatekeeper«-Funktion und das Bias-Problem der Medien erstmals im Sinne der Nachrichtenforschung beschrieben hatte.
Ohne auf die Details einzugehen, sei hier auf einen wichtigen Punkt hingewiesen: Die Mainstream-Medien spiegeln nicht das wirkliche Meinungsspektrum wider. Sie stecken vielmehr ein Meinungsspektrum ab. Das bedeutet: Die Eigentumsverhältnisse (Träger des Mediums), die Einnahmequellen (z.B. Werbung), die Quellen der Nachrichten, die Reaktionen der Konsumenten und schließlich der ideologische oder anti-ideologische Hintergrund stecken einen Rahmen.
Dieser Rahmen ist in Deutschland in der Regel »zweidimensional« (rechts-links) abgesteckt, obwohl die tatsächliche Meinungsvielfalt »dreidimensional« in alle Richtungen gehen kann. »Gatekeeper« stecken ab, was noch innerhalb des Aussprechbaren liegt und was nicht. Meinungen außerhalb dieses Spektrums werden marginalisiert, verschwiegen oder diskreditiert, schlimmstenfalls sogar (zumindest verbal) kriminalisiert.
Typisch für die jüngere deutsche Medien-Landschaft: Eine weitere Form der Einschränkung der Meinungsvielfalt ist es, alle Meinungen außerhalb eines eng gesteckten Spektrums fest mit negativen Attributen verknüpfen (»verschwörungstheoretisch«, »rechtspopulistisch«, »altlinks« und »neurechts«, »reaktionär«, etc.). Durch Wiederholungen der Attribut-Zuschreibungen mit bestimmten Meinungen werden am Ende feste Assoziationen erzeugt. Dadurch entsteht unter den Journalisten eine Selbstzensur, Bewertungen von Meinungen durchführen zu müssen.
Je mehr die Mainstream-Medien einseitig als Konsensmaschine fungieren und alternative Meinungen ausgrenzen, um so mehr formieren sich die »Gegen-Medien«
Was völlig unter dem Tisch fällt und heute dringend vermisst wird, ist die wertfreie Wiedergabe unterschiedlicher Meinungen. Das erkennt man am Beispiel der Berichterstattung zur Corona-Politik. Es ist nicht mehr möglich, unterschiedliche Meinungen, Ansichten, Informationen und Forderungen wertfrei nebeneinander zu stellen, um eine ergebnisoffene Debatte zu führen. Stattdessen kreieren die Mainstream-Medien ein derart enges Meinungskorsett, dass alternative Ansichten daneben als radikal erscheinen.
Diese Mainstream-Berichterstattung mit ihrem engen Meinungsspektrum kann nur durchbrochen werden, wenn alternative Medien den Gegenpunkt setzen. Dies wird dann von den Mainstream-Medien als »Fake News« und »Desinformation« diffamiert. Doch die Mainstream-Medien sind selbst schuld: Je mehr sie einseitig als Konsensmaschine fungieren und alternative Meinungen ausgrenzen, um so mehr formieren sich die »Gegen-Medien«. Auch in den USA hat man dies gesehen: Je mehr die »New York Times« gegen den damaligen US-Präsidenten Donald Trump hetzte, desto mehr hat sich »FOX News« auf die Seite des Präsidenten gestellt. Die deutschen Medien haben sich ruckzuck hinter das Meinungsfenster der »New York Times« gestellt und »FOX News« als unseriös dargestellt.
Fazit für den Leser: Solange die Mainstream-Medien das wirkliche Meinungs- und Informationsspektrum nicht komplett widerspiegeln, hilft es nur, unterschiedliche Medien zu konsultieren und miteinander zu vergleichen, um anschließend sich ein eigenes Bild von der Lage zu machen.
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