Machthungriger saudischer Kronprinz wird zur Schlüsselfigur gegen den Iran
Machthungriger saudischer Kronprinz wird zur Schlüsselfigur gegen den Iran
Datum: 20.12.2017 - 09:35 Uhr
Saudi-Arabien befindet sich im Wandel. Der außenpolitische Druck ist groß: Im Jemen nimmt der Krieg kein Ende. Jüngst wurde Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad vom Jemen aus mit einer Rakete beschossen. Dennoch zieht die saudische Wirtschaft wieder an. Nun liegen alle Blicke des Landes auf den Kronprinzen Muhammad Ihn Salman, der als Verteidigungsminister und bei vielen politischen Fragen als Stellvertreter seines Vaters zunehmend die Fäden in der Hand hält.
Wer ist dieser neue mächtige Kronprinz Muhammad Ibn Salman al-Saud eigentlich? Im US-amerikanischen TIME-Magazin wurde er von dessen Lesern 2017 zur Person des Jahres gewählt. Nach hartem Durchgreifen in seinem Familienclan und in der Regierungselite scheint er zum nächsten Alleinherrscher des Wüstenreiches aufzusteigen. In seinem Land ist der 32 Jahre junge Kronprinz sehr populär. Bei seinen Gegnern ist er als Despot gefürchtet.
Geboren wurde er 1985 in Dschidda am Roten Meer. Er ist der direkte Sohn des noch regierenden Königs Salman Ibn Abd al-Aziz al-Saud. Nach dem Jura-Studium in der Hauptstadt Riad wurde der Sohn vom Vater direkt in die Politik eingeführt und zum Verteidigungsminister ernannt. Zuvor hatte der Vater zwei Söhne seines Vorgängers Abdullah des Amtes enthoben.
Die ZEIT berichtete bereits im Januar 2015 über Muhammad Ibn Salman: »Er gilt als extrem korrupt, raffgierig und arrogant. Niemand in den politischen oder diplomatischen Kreisen Saudi-Arabiens weiß irgendetwas Positives über den neuen starken Mann in der Regierung zu sagen.«
Um seine Macht zu festigen und politische Gegenspieler loszuwerden, hat Muhammad Ibn Salman rund 50 Prinzen, Minister, Ex-Minister und oppositionelle Politiker gefangen nehmen lassen. Selbst königliche Familienmitglieder wurde Opfer seiner Verhaftungswelle.
Seine politischen Positionen: Er geht hart gegen Reformer und Oppositionelle vor, will sich aber selbst mit seinen eigenen Visionen als Reformer feiern lassen. Seine Pläne für die Zukunft ließ er in seiner »Vision 2030« veröffentlichen. Hier plant er die Förderung alternativer Energien – sehr merkwürdig für den Ölstaat, dessen Reserven zu größten der Welt zählen.
Warum gilt dieser Despot im Westen als populär?
Muhammad Ibn Salman ist jung und ein guter Selbstdarsteller. Doch für eine »Popularität« im Westen, sorgen vor allem drei Aspekte:
Erstens hat er angekündigt, für 2018 das Fahrverbot für Frauen aufzuheben. Damit tut er so, als sei er ein feministischer Reformer. Doch das ist mehr Schein als Sein, denn in vielen anderen Bereichen geht er gegen Reformer vor. Für zahlreiche westliche Mainstream-Medien jedoch war die Aufhebung des Autofahrverbotes für Frauen ein Anlass zu sagen: Seht her, so schlimm ist der Islam gar nicht. Jetzt dürfen in Saudi-Arabien sogar die Frauen bald Autos fahren.
Zweitens liegen seine Zukunftsvisionen in Bezug auf alternative Energien und neuer Wirtschaftskonzepte im Zeitgeist. Neu sind sie allerdings nicht. Originell auch nicht. Er hat sich diese Ideen von Dubai und Abu Dhabi abgeguckt, den beiden Zentren der Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf.
Drittes ist Saudi-Arabien der Hauptwidersacher gegen den Iran. Muhammad Ibn Salman hat sich als Verteidigungsminister im Jemen-Krieg als harter Realpolitiker hervorgetan. Das gefällt den USA und Israel, die zusammen mit Saudi-Arabien einen Block gegen den schiitischen Iran und dessen Verbündete (Bashar al-Assad in Syrien, schiitische Huthi-Rebellen im Jemen, schiitische Hisbollah im Libanon, Hamas im Gaza-Streifen) bilden.
Droht ein offener Krieg Saudi-Arabiens mit dem Jemen und dem Iran?
Der obig genannte dritte Punkt dürfte der ausschlaggebende sein. Der wachsende Konflikt Saudi-Arabiens mit den schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen und indirekt mit dem Iran führt dazu, dass das Land eine starke Figur braucht, die bereit ist, einen Konflikt mit harter Hand durchzuziehen. Dies scheint der Hauptgrund für die Unterstützung Israels und der USA zu sein. Saudi-Arabien ist der wichtigste Alliierte des Westens, wenn es um die Eingrenzung des Iran geht.
Hier geht es es um Globalpolitik im wahrsten Sinne des Wortes. Das mehrheitlich sunnitische Saudi-Arabien und der mehrheitlich schiitische Iran stehen in einer Beziehung zueinander, die man nur in Anlehnung an den Ost-West-Konflikt als »Kalten Krieg« bezeichnen kann. Hinter Saudi-Arabein stehen Israel und die USA, hinter dem Iran Russland und China. Der Jemen ist einer jener Stellvertreterkonflikte wie in Syrien und Irak.
Damit sind der weitere Weg und die Schlüsselrolle des Kronprinzen Muhammads Ibn Salman vorgezeichnet: Er wird die zentrale Figur im Spiel gegen den Iran werden. Er wird als möglicher nächster Herrscher Saudi-Arabiens zum starken Gegenspieler gegen Teheran aufgebaut. Und er soll als verlässlicher Bündnispartner der USA und Israels fungieren, falls es in der Region zum offenen Krieg der beiden Regionalmächte kommen sollte.
[ Stichwort: GeoAußenPolitik ]
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