Larry Fink_ Besser, wenn Griechenland Eurozone verlässt

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Larry Fink_ Besser, wenn Griechenland Eurozone verlässt
Datum: 28.08.2015 - 11:01 Uhr

In den deutschen Medien ging sein Statement unter. Dabei hat sein Wort Gewicht. Er ist der Mann, den Präsidenten, Finanzminister und Konzernchefs um Rat fragen. Denn sein Unternehmen ist der mächtigste Vermögensverwalter der Welt.

Larry (Laurence) Fink ist Gründer und geschäftsführender Vorstand (Chief Executive Officer, CEO) von BlackRock, Inc., der größten Schattenbank. BlackRock verwaltet ein weltweites Vermögen von mehr als 4 Billionen (4.000 Milliarden) Euro – das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von ganz Deutschland.

Um ein vielfaches höher ist sogar die Summe, die von BlackRock „beratend“ verwaltet wird. Nirgendwo laufen so viele Wirtschafts- und Finanzdaten zusammen, wie in der Zentrale seiner Schattenbank. Die Infos und Daten, die bei den Analysten und Beratern von BlackRock eingehen, sind begehrte Insider- und Schlüsselinformationen, aus denen die Analysen gestrickt werden, die die erfolgreichen Investoren für ihre weiteren Investitionen benötigen.

BlackRock ist Großaktionär der Großen. Global ist BlackRock an den wichtigsten Banken, Versicherungen, Industriekonzernen, Rüstungsfirmen, Erdölgesellschaften, Pensionsfonds, Hedgefonds und Immobiliengesellschaften beteiligt. Schwerpunkt sind Investitionen in weitgreifende Indexfonds.

Was sagte Larry Fink konkret zur Griechenlandproblematik?

Fink war zu einem Interview ins Studio von „FOX Business“ geladen. Dort äußerte er sich zur Eurozone und zur griechischen Schuldenkrise. Er sei der Auffassung, es sei besser, wenn Griechenland den Euroraum verlassen würde.

Griechenland sei, so meinte Fink, im Gegensatz zur Situation um 2011, kein systemisches Problem mehr. Der private Sektor habe die griechischen Schulden größtenteils längst abgestoßen und verkauft. Der überwiegende Rest der Schulden läge nun beim IWF und der EZB sowie in Griechenland selbst. Nach Fink sei es, systemisch gesehen, kritischer, dass die Troika (IWF, EZB, EU-Kommission) bei den Bedingungen nachgiebiger werden könnte.

Nach dem Vorbild Griechenlands, könnten dann auch die anderen stark verschuldeten Euro-Länder, wie zum Beispiel Spanien und Portugal, weitere Schuldenerleichterungen fordern. Dies würde die Finanzstruktur des Euroraumes durcheinander bringen.

Ihm sei klar, dass Griechenland nicht in der Lage sei, die Schulden zurückzubezahlen: „I think, everybody privately would agree, that Greece could never pay back those payments. They just don’t have an economy that will pay back those debts. […] Everybody knows that.”

Allerdings gab Fink zu, dass ein Euro-Ausstieg Griechenlands für die Griechen selbst ein harter Schritt wäre. Es würde zur wirtschaftlichen Depression führen. Niemand würde sich so etwas für sein Land wünschen.

Äußerte Fink eine neutrale Einschätzung oder stecken Interessen dahinter?

Larry Fink vertritt die Interessen der Investoren. Da alle großen Unternehmen wechselseitig Anteile voneinander halten und die Finanz- und Industriewelt aufs Komplizierteste miteinander verwoben ist, sind die Einzelinteressen schwer auseinanderzuhalten. Die Macht von BlackRock besteht darin, auf einen Berg von Informationen zu sitzen und überall und jederzeit Einfluss nehmen zu können, wie das Zünglein an der Waage.

Da sich die privaten Investoren der Griechenlandproblematik längst entzogen haben, könnte es BlackRock egal sein, wie es mit Griechenland weitergeht – könnte man meinen. Aber ganz so ist es nicht. Falls die Schuldenfalle, in die Griechenland gerutscht ist, sich als finanzielles Schwarzes Loch erweist, könnte eine Kettenreaktion folgen und die ganze europäische Wirtschaft erheblich aus den Fugen geraten. Das Ergebnis wäre dann ein unkalkulierbares Chaos – das Gegenteil dessen, was die Finanzanalysten und langfristig denkenden Investoren sich wünschen. Und deren Meinung zählt.

Doch der Hauptgrund dürfte folgender sein: BlackRock berät auch die Notenbanken – inklusive EZB (Europäische Zentralbank). Man mag sich fragen, wie BlackRock Neutralität im Sinne der Kunden bewahren kann, wenn die Kunden gegeneinander spekulieren. Doch im Falle Griechenlands scheint man sich einig zu sein: Der Funke darf nicht auf andere europäische Volkswirtschaften überspringen.

Wie „gefährlich“ ist BlackRock?

Aktuell ist BlackRock wieder im Gespräch. ZEIT-Online hat Larry Fink einen langen Artikel gewidmet. Anlass war eine TV-Diskusson zwischen Larry Fink und dem Hedgefonds-Manager Carl Icahn auf CNBC.  Carl Icahn greift die Emotionen auf, die viele Kritiker mit der Schattenbank BlackRock verbinden.

Denn seit der Finanzkrise von 2007 ist die Macht der Schattenbanken erheblich gestiegen. Ihr Kapitalmarkt ist inzwischen größer als jener der herkömmlichen Banken. Carl Icahn kritisiert, dass die starke Bündelung der Investitionen im Bereich der großen Schattenbanken wie BlackRock bei Fehlentscheidungen zu großen Massen-Crashs führen kann.

Auch wenn Carl Icahn mit seiner Warnung Recht behalten könnte, so kommt diese aus der falschen Richtung. Denn Icahn selbst ist als Großinvestor bekannt, der gerne Unternehmensanteile aufkauft, um die Unternehmen dann in Einzelteile zu zerlegen und diese separat zu verkaufen. BlackRock dagegen greift weniger gezielt in die Unternehmen ein, sondern hält sich breitgefächerte Anteile. Der Hauptaspekt ist hierbei, dass man sprichwörtlich überall seine Hände im Spiel hat.

Entdemokratisierung durch Investmentstrukturen?

Nach der Finanzkrise war die Hoffnung aufgekommen, dass der Finanzkapitalismus der Banken stärker reguliert und transparenter gestaltet würde. Tatsächlich hat man in den USA mittels strenger Regeln und Gesetze die Zügel enger gezogen. Doch statt dass nun alles übersichtlich und transparenter geworden ist, haben die Schattenbanken ein neues Feld eröffnet. Es nicht klar, inwieweit die großen Schattenbanken wie BlackRock auch bei der Griechenlandkrise als Berater im Hintergrund fungierten.

Tatsache ist allerdings, dass der Einfluss der Schattenbanken sich massiv auf politische Entscheidungen auswirkt. Denn die Konsequenzen falscher finanzpolitischer Entscheidungen können nur dann abgewogen werden, wenn die Risiken zuvor gründlich kalkuliert wurden. Die nötigen Schlüsselinformationen haben große Schattenbanken wie BlackRock.

Den Normalbürgern bleiben solche Hintergründe und Zusammenhänge verborgen. Hier offenbart sich ein Kernpunkt in der Krise der Demokratie, in der Europa jetzt steckt. Die Bürger wissen nicht, welche Ratschläge aus der Finanzwelt die Spitzen aus Politik und Wirtschaft zu den entsprechenden Entscheidungen gedrängt haben, deren Ergebnisse wiederum die Bürger direkt betreffen. Das kann auf Dauer zu einer gesellschaftlichen Zerreisprobe werden – nicht nur in Griechenland.

( Schlagwort: GeoAußenPolitik )

Sven von Storch

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