Kommunistische Partei Chinas greift nach Afghanistan

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Kommunistische Partei Chinas greift nach Afghanistan
Datum: 25.08.2021 - 08:00 Uhr

Die Kommunistische Partei Chinas hatte den Köder schon vor Jahren ausgeworfen und holt nun den Fang ein. Die Volksrepublik China füllt das Einflussvakuum aus, das der Westen nach seiner Flucht hinterlässt. Die chinesische Presse feiert schon seit Wochen die Niederlage des Westens in Zentralasien.

Während aus den USA und Deutschland noch lange Zeit Töne zu hören waren, dass die Taliban noch weit von einem Sieg über die Hauptstadt Kabul entfernt seien, hatte China schon längst eine Delegation der Taliban in Peking empfangen und die Zeit nach deren Sieg diskutiert.

Die Taliban suchen nach Verbündeten und Allianzen, um das Land wieder aufzubauen. Wirtschaftlich ist China der einzige Staat, der das Land am Hindukusch aufbauen kann, ohne von militärischem Einsätzen abhängig zu sein. Alles, was man braucht, ist eine funktionierende Verkehrsverbindung zu Chinas West-Provinz Xingjiang und die Garantie der neuen afghanischen Führung, den turksprachigen muslimischen Uiguren in Xinjiang jedwede Unterstützung zu verweigern.

Für China ergeben sich aus der neuen geopolitischen Lage in Zentralasien gleich mehrere gewichtige Vorteile:

Erstens: Nach dem Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan gibt es keine nennenswerte militärische Präsenz des Westens mehr in Zentralasien. Das heißt, von Kasachstan über Kirgisien, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan sowie Iran, Pakistan und neuerdings auch Afghanistan hat China freien Raum zur Verwirklichung der Seidentraßenpläne.

Zweitens: Afghanistan verfügt über wichtige Rohstoffe, die für Chinas technologische Ziele bedeutend sind. China will in den nächsten Jahren in den wichtigen Zukunftstechnologien führend sein. In Afghanistan warten Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer und seltene Erden wie Lithium auf ihren Abbau. Diese Rohstoffe sind relevant für den Ausbau der weltweiten Elektromobilität. Die Amerikaner schätzen den Wert der Bodenschätze auf circa eine Billion US-Dollar.

Drittens: Die Amerikaner können keine Pipelines bauen und unterhalten, um das Erdöl aus Zentralasien zu den Häfen am Indischen Ozean zu leiten. China hat nun freie Hand, die Erdölvorkommen Zentralasiens (vor allem am Kaspischen Becken) auszuschöpfen. Chinesische Aufbauhilfe ist allen Ländern der Region mehr als Willkommen.

Viertens: China hat bereits großen Einfluss im Iran und in Pakistan sowie in den Zentralasiatischen Ländern. Die betrifft vor allem Investitionen und die Präsenz von Wirtschaftsunternehmen. Der Iran war vom Westen isoliert worden, China schloss die Versorgungslücke und hat das Land wirtschaftlich bereits in der Hand. Mit Afghanistan wird sehr wahrscheinlich das Gleiche geschehen.

Sven von Storch

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