IS-Terror_ Jetzt trifft es die Drusen

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IS-Terror_ Jetzt trifft es die Drusen
Datum: 19.06.2015 - 11:30 Uhr

Der Horror nimmt kein Ende. Mittlerweile sind 10 Millionen Syrer zu Vertriebenen geworden. Eine Viertelmillion ist bereits tot. 3 Millionen sind außer Landes geflüchtet. Die Städte sehen aus wie Trümmerwüsten. Zahlreiche historische Baudenkmäler sind zerstört.

Bislang waren die Drusen im Westen und Südwesten des Landes glimpflich davon gekommen. Glimpflich sei hier relativ gemeint, im Vergleich zu den anderen Minderheiten. Das liegt schlicht an der geographischen Lage. Die Drusen leben größtenteils im Westen und Südwesten Syriens, unweit der Grenzen des Libanon und Israels. Die Terror-Milizen des selbsternannten „Islamischen Staates“ haben sich dagegen zumeist im Norden und Nordosten Syriens bewegt, an den Grenzen zur Türkei und dem Irak sowie entlang der Flüsse Euphrat und Tigris.

Entgegen aller Hoffnungen und Vorhersagen haben sich die IS-Terror-Truppen nicht zurückdrängen lassen. Es ist vielmehr von Region zu Region unterschiedlich: An manchen Orten werden sie erfolgreich abgewehrt. Doch dafür schlagen sie an anderen Orten zu. Es ist ein Katz- und Maus-Spiel. Die Luftangriffe der Anti-Terror-Allianz haben dem IS zwar empfindliche Schläge zugefügt. Doch scheinen die Terroristen weiterhin über einen beachtlichen Zulauf von Freiwilligen zu verfügen, um die Lücken in den eigenen Reihen wieder zu schließen.

Terror rückt nach Südwesten vor: Die Drusen sind besorgt

Nun schwappt der Terror verstärkt nach Westen und Süden, in die Umgebung der Hauptstadt Damaskus und bis in die Nähe der israelischen Grenze. Dschihadisten-Krieger der Al-Nusra-Milizen und IS-Terroreinheiten sollen jüngst verstärkt gegen Drusen vorgegangen sein. Immer mehr drusische Wohngegenden werden zu Gefechtsgebieten der verfeindeten militärische Lager im syrischen Bürgerkrieg. Als Minderheit sind die Drusen den IS-Anhängern ebenso ausgeliefert wie die Jesiden und Kurden. Das bedeutet: Wann immer ein drusisches Dorf in die Hände der radikal-sunnitischen Terror-Milizen fällt, müssen sich die Bewohner entscheiden, ob sie zum „wahren“ Islam konvertieren oder Bürger zweiter Klasse werden wollen – mit mehr Steuern und weniger Rechten. Weigern sie sich, beides zu akzeptieren, drohen Massenhinrichtungen und Vertreibungen.

Nun wurden die ersten Massaker berichtet, die die Anhänger der radikal-sunnitischen Al-Nusra-Milizen an Drusen begangen haben sollen. Man ahnt Schlimmes. Doch dieses Massaker geschah im Nordwesten, noch weit entfernt von den drusischen Siedlungsgebieten im Südwesten nahe der israelischen Grenze. Allerdings gibt es auch dort schon Gefechte. Die Besorgnis wächst.

Israel um Sicherheitslage besorgt

Mittlerweile sind die Kämpfe des syrischen Bürgerkrieges an die israelische Grenze der Golanhöhen herangerückt. Das israelische Militär ist wachsam und verfolgt die Kämpfe auf der anderen Seite der Grenze, wo sich die Bürgerkriegsparteien mit Mörsern und Raketen beschießen. An mehreren israelischen Orten hat man bereits den Alarm ausgelöst und die Sirenen aufheulen lassen. Einige Gebiete wurde für Zivilisten geschlossen, Reservisten der Region einberufen.

Eine Diskussion geht derweil durch die israelischen Medien: Soll man den Drusen helfen? Und wenn ja, wie? Kann man den Drusen helfen, vielleicht gar einen Sicherheitskorridor jenseits der Golanhöhen herstellen, damit dort die Drusen und andere Minderheiten geschützt sind? Jedenfalls ist Israel vorbereitet, auch wenn man dort hofft, dass es nicht zum Schlimmsten kommt.

Drusen sind eine uralte Minderheit

In Syrien leben etwa eine Dreiviertelmillion Drusen. Die Anhänger dieser islamischen Konfession konnten unter der bisherigen syrischen Regierung noch Minderheitenschutz genießen. Denn darauf fußte die Machtbasis von Präsident Baschar al-Assad: Selbst Anhänger einer Minderheit (Alawit), hatten er und vormals sein Vater es immer wieder geschafft, die verschiedenen Minderheiten Syriens hinter sich zu scharen, wohl wissend, dass diese Minderheiten Furcht vor einem radikal-sunnitischen Staat salafistischer Ausprägung haben, wie es nun die IS-Dschihadisten anstreben.

Die Drusen haben wegen ihrer jahrhundertelangen Situation als Minderheit ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Sie leben zumeist in geschlossenen Gemeinden im Südwesten Syriens, im Libanon und im Nordosten Israels. Besonders im Grenzgebiet der Golan-Höhen gibt es viele drusische Dörfer. Viele Drusen im Golan-Gebiet haben sich mit der israelischen Besetzung arrangiert und kommen dort gut zurecht. Zurzeit fühlen sie sich in Israel besser geschützt als ihre syrischen Verwandten jenseits der Grenze.

Sven von Storch

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