Hochqualifizierte wandern aus, Geringqualifizierte ein
Hochqualifizierte wandern aus, Geringqualifizierte ein
Datum: 10.04.2019 - 09:00 Uhr
Die Top-Universitäten, Forschungsinstitute, die Industrie und die High-Tech-Branche in Staaten wie den USA, Australien, die Schweiz oder Großbritannien ziehen Jahr für Jahr die besten Köpfe in Technologie, Medizin und Wissenschaft ins Land. Deren Einwanderung ist zum Teil ein Problem für die Herkunftsländer der Migranten. Indien beispielsweise verliert die besten Köpfe, weil sie lieber in die USA oder nach Großbritannien auswandern, um dort Karriere zu machen. Trotz der Armutseinwanderung aus Lateinamerika sind die USA immer noch ein Magnet für karrierehungrige Hochbegabte und Superschlaue.
Deutschland hat ein anderes Problem. Wir haben viele Akademiker, Ingenieure, Mediziner, Wissenschaftler, Erfinder, Facharbeiter und Experten, die ín der Heimat keine ausreichenden Zukunftsschancen und Karrieremöglichkeiten erkennen und deshalb lieber ins Ausland abwandern. Braindrain (von engl. »brain drain«) oder Talentabwanderung nennt man das. Da spielt es offenbar auch keine Rolle, dass die Bundesregierung immer wieder vom angeblichen Fachkräftemangel spricht. Abwandern tun sie trotzdem. Deutschland ist nur ein Land der begrenzten Möglichkeiten.
Umgekehrt hat Deutschland eine Netto-Zuwanderung von schlecht oder gar nicht ausgebildeten Menschen, die im Zuge der Massenmigration oder Flüchtlingsbewegungen ins Land kommen oder als Arbeiter für den Niedriglohnsektor angeworben werden.
Professor Heribert Dieter, Gastprofessor an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen, warnt in einem Gastkommentar in der »Neuen Zürcher Zeitung (NZZ)« vor einer fatalen Entwicklung. Deutschland gibt viel Geld für die Ausbildung seiner jungen Menschen aus, die dann abwandern. Stattdessen werden Geringqualifizierte ins Land geholt, die teuer nachgeschult werden müssen, um für den Arbeitsmarkt fit zu sein.
Deutsche Ärzte, die in die Schweiz oder nach Norwegen gehen, deutsche Ingenieure, die nach Australien auswandern, dass sind nach Heribert Dieter die leisen Auswanderer, die uns später fehlen werden. Export von Humankapital nennt man das.
Die große Zahl von Zuwanderern mit geringer Qualifikation senkt die durchschnittliche Wirtschaftsleistung, Auf der anderen Seite werden durch die Zuwanderung von Geringqualifizierten die Sozialsysteme belastet. Der ökonomische Effekt ist eine Umverteilung innerhalb der Sozialsysteme.
Professor Dieter kommt zu dem Schluss: »Mittel- und langfristig steuert Deutschland auf eine strukturelle Krise in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zu. Leistungsträger verlassen das Land und schwächen die wirtschaftlichen Perspektiven.«
Interessant ist, dass auch der bekannte Professor Gunnar Heinsohn schon seit Jahren vor der gleichen Entwicklung warnt. Ebenfalls in der »NZZ« sprach er schon 2016 davon, dass Deutschland endlich darum kämpfen müsste, die Hochqualifizierten im Lande zu halten, anstatt weiterhin Geringqualifizierte ins Land zu holen. In einem anderen Artikel (»Achgut.com«) wies Professor Heinsohn darauf hin, dass Staaten wie China und Japan nur wenige Migranten ins Land lassen, weil zu wenige Hochqualifizierte darunter sind. Da Europa die Migration nicht dazu nutzt, sich mit hochqualifizierten für die Zukunft zu rüsten, wird es unweigerlich den Kampf ums technische Wissen verlieren, schlussfolgert Gunnar Heinsohn (ebenfalls in der »NZZ«).
Auch in den Wirtschaftswissenschaften und im Management ist dieses Phänomen nicht neu. Bereits 2007 wurde im »Handelsblatt« vor dem Braindrain junger Akademiker gewarnt. In der Wirtschaftswissenschaft haben schon damals von den 100 forschungsstärksten deutschen Ökonomen unter 45 Jahren jeder zweite im Ausland gearbeitet.
Wenn in Zukunft diejenigen Länder erfolgreich sein werden, in denen prozentual die meisten Schlauen, Hochqualifizierten und Hochbegabten leben, dann wird Deutschland sicher nicht mehr unter den Spitzenländern sein.
Hinzu kommt noch das Problem, dass man bestimmte Themen, wie den durchschnittlichen Intelligenzquotienten unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen aus ethisch-moralischen Gründen der »political correctness« nicht öffentlich und selbst in der Wissenschaft nicht diskutieren darf, wie sogar der Entdecker der DNA, Professor James Watson persönlich erfahren durfte.
Deutschland wird voraussichtlich bei diesen Ein- und Auswanderungsentwicklungen, durch die demographischen Veränderungen und durch verschiedene Probleme bei der (Aus-)Bildung unserer Jugend, in Zukunft keine herausragende Wirtschafts- und Wissenschaftsnation mehr sein.
Immerhin können uns dann auf die Fahnen schreiben, wie Schweden eine »Humanitarian Superpower« zu sein, die Menschen aus aller Welt aufnimmt und umsorgt. Die Frage ist, ob das für die Generationen unserer Kinder, Enkel und Urenkel ein Trost sein wird.
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