Falsche Politik-Anreize machen das Wohnen zum Luxusgut

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Falsche Politik-Anreize machen das Wohnen zum Luxusgut
Datum: 29.08.2023 - 07:50 Uhr

Neue EU-Gebäude-Sanierungspflichten, grüne Heizungsgesetze und die Grundsteuer-Reform verteuern das Wohnen. Doch auf uns kommt noch eine andere Welle der Preissteigerungen zu. Wer wissen will, was uns bald droht, muss in die englisch-sprachigen Länder schauen. Dort können wir unsere eigene Zukunft beobachten.

USA und Kanada: Wohnen wird zum Luxusgut

In den USA und in Kanada wächst die Wohnungsnot zu einem immer größeren Problem heran, das die Gesellschaft zu spalten droht. In vielen Städten ist es für Normalverdiener nicht mehr möglich, ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu kaufen. In New York, San Francisco oder Los Angeles ist das fehlende Angebot bezahlbarer Immobilien schon lange ein Problem. Die Preise sind schlicht astronomisch. Nun greift dieses Phänomen auf immer mehr US-Städte über. Im kanadischen Vancouver oder Toronto sieht es nicht besser aus.

Die Mieten steigen ins Unermessliche. In den Städten wachsen die Einkommen nicht so schnell wie die Mieten. Immer mehr US-Amerikaner oder Kanadier müssen ihr Apartment aufgeben, weil die Mietkosten ihre zur Verfügung stehenden Einkünfte übersteigen. Die Wohnungs- und Obdachlosigkeit wächst rasant. Immer mehr US-Amerikaner und Kanadier leben in ihrem Auto oder auf der Straße. In San Francisco und Los Angeles gibt es Zeltstädte.

Warum schaffen es weder die Bau- und Immobilienwirtschaft noch die Regierungen, hier Abhilfe zu schaffen?

Schuld ist die Finanzindustrie! Sie drängt immer mehr Bürger, ihre Gelder in Hedgefonds anzulegen. Statt zu sparen, sollen die Menschen in Aktien investieren. Die Finanzdienstleister investieren besonders gerne in Immobilien. Denn die stetig steigenden Immobilien-Preise sorgen für wachsende Renditen. Wohnungen, die vor vier oder fünf Jahrzehnten lediglich 50.000 Dollar gekostet haben, haben nun Preise von 700.000 bis zu mehr als eine Million Dollar. Zumindest in den Regionen, wo auch die Wirtschaft boomt und die Jobs sind.

Die Anleger und die Finanzindustrie haben also gar kein Interesse daran, dass die Immobilienpreise sinken. Denn dann würde der Wert ihrer Anlagen sinken. Sie wollen, dass die Preise steigen. Denn dann steigt auch der Wert ihrer Immobilien. Würden sie in umfangreiche Wohnbauprogramme investieren oder ihre Häuser/Wohnungen billiger vermieten, würden sie automatisch den Wert ihrer anderen Immobilien-Investitionen mindern. Lieber lassen sie das eine oder andere Haus leer stehen.

Viele US-Bürger sind somit in der Zwickmühle. Einerseits wissen sie nicht mehr, wie sie die steigenden Wohnkosten finanzieren sollen. Andererseits sind die darauf angewiesen, dass die Pensions-Fonds wachsen, weil sie sonst später keine ausreichende Rente/Pension bekommen.

Auch die Regierungen der US-Bundesstaaten und Städte haben kein Interesse an sinkenden Immobilienpreisen. Denn sinkende Immobilienpreise bedeuten geringere Steuern auf Immobilien. Und je weniger Steuern eingezogen werden, desto weniger Sozialausgaben kann der Staat leisten.

Vor allem aber die Banken, Schattenbanken und großen Vermögensverwalter stehen einem massiven Bauprogramm zur Senkung der Immobilienpreise im Wege. Denn Immobilienfinanzierungen sind eine der lukrativsten Einnahmequellen für sie.

Bezahlbares Wohnen ist Grundvoraussetzung für Familien

Gerade Familien mit Kinder brauchen bezahlbare Wohnungen oder Häuser. Doch in einer Familie mit mehreren Kindern ist es oft so, dass die Mutter viel Zeit zu Hause verbringt, um sich um die Kinder zu kümmern. Das ist jedoch genau das, was die Finanzindustrie und überhaupt die Wirtschaftswelt von »Corporate America« nicht will. Denn das würde bedeuten, dass weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und die Familienernährer besser bezahlt werden müssten. Daher setzt sich die Finanzwelt so sehr für LGBTQ-Rechte und Feminismus ein: Damit ALLE arbeiten MÜSSEN und niemand zu Hause bleibt. »Diverstity & Equality« bedeutet für die Wirtschaft: Viele Arbeitskräfte für weniger Geld.

Und so nimmt das Desaster seinen Lauf. Das Gros der Amerikaner und Kanadier gibt bereits 40 bis 50 Prozent des Einkommens für Haus oder Wohnung aus. Die Tendenz ist steigend.

Die gleiche Tendenz sehen wir in Europa. Gerade in den Städten, also dort, wo die Jobs sind, werden Wohnungen und Gebäude zunehmend als Investments angesehen, weil man davon ausgeht und damit rechnet, dass die Preise unterm Strich langfristig steigen.

Doch wir alle wissen, dass die Löhne nicht Schritt halten, weil die Wirtschaft nicht ausreichend wächst. Denn je mehr die Menschen fürs Wohnen bezahlen müssen, desto weniger Geld bleibt für den Konsum. Damit wird auch bald in Deutschland das Problem immer stärker amerikanische Ausmaßen annehmen. 

Sven von Storch

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