Europa ist ein Museum – Ostasien hat Europa längst abgehängt

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Europa ist ein Museum – Ostasien hat Europa längst abgehängt
Datum: 13.12.2017 - 09:55 Uhr

Stuttgart21, BER Flughafen, Bahn-Chaos zu Weihnachten, schmutzige Straßen, Obdachlose, Kriminalität, kaputte Schulen und verfallende Schwimmbäder – die Schönfärberei der deutschen Mainstream-Medien kann das Elend in den deutschen Großstädten nicht verdecken. Die Verwahrlosung ist allgegenwärtig. Selbst zwischen den Glitzerfassaden der Frankfurter Skyline lässt sich das Elend nicht verstecken.



Angela Merkel ruht sich auf der Agenda 2010 aus, die dazu geführt hat, dass die Massenarbeitslosigkeit durch den Niedriglohnsektor kaschiert wurde. Verbessert hat sich sonst gar nichts. Deutschland dümpelt seit Jahrzehnten im Zeitlupentempo dahin. Vielen Bürgern fehlt der internationale Vergleich, um aufzuwachen.


Man kann gar nicht emphatisch genug auf Ostasien zeigen, um die deutsche Bevölkerung wachzurütteln. Deutschland und Europa verschlafen den Anschluss. Unsere EU- und Bundespolitiker verlassen sich allzu sehr auf Zahlen und Statistiken, die isoliert genommen und als Momentaufnahmen wenig aussagekräftig sind.


Eine deutlichere Sprache spricht der direkte Blick auf die rasanten Veränderungen der letzten Jahre und Jahrzehnte in Asien. Der wirtschaftliche Erfolg in China (inklusive Hongkong), Japan, Südkorea, Taiwan und Singapur ist zum Greifen real. Wer heute auf dem Shanghai Pudong International Airport landet und dann mit der Magnetschwebebahn in die Mega-City fährt, spürt und sieht den Erfolg bei jedem Schritt. Shanghai ist im Vergleich zu Berlin eine futuristische und pulsierende Metropole. Trotz der schier endlosen Größe ist die Stadt auffällig sauber und gut organisiert. Gegenüber den Shanghaier Untergrundbahnen sind die Berliner U- und S-Bahnen Relikte aus grauer Vorzeit. Generell sind Bahnen in China und Japan auf die Minute pünktlich. Davon kann sich die Deutsche Bundesbahn eine Scheibe abschneiden.


»Europa ist ein Museum«


Eine Chinesin, die ihre Kindheit abwechselnd in Hongkong, Los Angeles und Peking verbracht hat, brachte es gegenüber dem Autor dieses Artikels auf den Punkt: Europa sei ein Museum, sagte sie. Die alten Gebäude seien zwar schön, doch die Städte seien tot. Dort würde sich nichts mehr entwickeln. Es gebe keine Dynamik.


Ein Besuch des Autors bei der Familie eines normal-verdienenden chinesischen Universitätsangestellten in Shanghai zeigte: Es gibt nichts, rein gar nichts, das eine deutsche Wohnung gegenüber einer modernen chinesischen Wohnung auszeichnet. Die chinesische Mittelschicht der Großstädte hat alles, was das moderne Leben ausmacht: Wohnraum, Multimedia, Auto, Konsum und Unterhaltung. Das ist keine Schwellenlandgesellschaft mehr. Das ist bereits »Erste Welt«.


Die Großeltern dankten Mao Zedong für das Prinzip der »eisernen Reisschüssel«, damit sie nicht des Hungertodes sterben mussten – wie viele Chinesen beim misslungenen »großen Sprung nach vorn«. Dies war ein fehlgeleitetes kommunistisches Entwicklungsprogramm, das in den Jahren 1958 bis 1962 eine der größten Hungerkatastrophen der Menschheitsgeschichte zur Folge hatte und in China mehr Todesopfer forderte als der Zweite Weltkrieg. Doch die Generation der Enkel lebt in einer anderen Welt. Sie machen Urlaub in Europa und wundern sich, warum deutsche Städte wie Berlin so rückständig sind.


Hier stellt sich eine wichtige Frage. Was ist erstaunlicher: Dass China in den letzten 40 Jahren massiv aufgeholt hat? Oder dass es in Staaten wie Deutschland (West) seit 40 Jahren keinen nennenswerten Anstieg des Lebensstandards mehr gegeben hat?


Statistische Vergleiche hinken oftmals, weil der internationale Geldwert von Euro und Yuan Renminbi die Vorstellung suggeriert, Chinesen würden viel ärmer sein als die Deutschen. Doch wenn man auf die Kaufkraft vor Ort und die konsumierten materiellen Güter schaut – wie Fernseher, Kühlschränke, Wohnungen, Autos, Computer, Handys und Smartphones, Kleidung, Kinderspielzeug, Nahrungsmittelangebote in den Supermärkten – dann wird klar, dass die chinesische Mittelschicht in den Städten mit den europäischen Städtern keinen Vergleich scheuen muss. Im Gegenteil: Denn das ist ja nur die Momentaufnahme einer Entwicklung. Das ist Übergang vom Einholen zum Überholen.


Vorbild Singapur


Die Stadtregierung von Singapur hatte es schon vor mehr als drei Jahrzehnten geschafft. Aus einer relativ schmuddeligen Hafenstadt wurde im Rekordtempo die sauberste Millionenmetropole der Welt. Strenge Regeln und perfekt geplante Infrastruktur sind der Schlüssel zum Erfolg. Beim Index der menschlichen Entwicklung belegte Singapur im Jahr 2016 international den 5. Platz. Besonders die Chinesen geben in Singapur den Ton an. Ihre Politik ist Vorbild für viele Städte in der Volksrepublik. Die Bürgermeister und Lokalpolitiker von Peking, Shanghai, Shenzhen und vielen anderen chinesischen Städten sind wie religiöse Pilger nach Singapur gekommen, um von der saubersten Stadt zu lernen.


Paradebeispiel erfolgreicher Umsetzung des Singapur-Vorbildes ist die 28-Millionen-Riesenmetropole Chongqing am Jangtsekiang. Die Stadt war noch vor wenigen Jahren ein dreckiger Moloch, an dem sich die angebliche Misswirtschaft der Volksrepublik abbildete. Doch heute glitzert die Metropole wie einst New York in seinen besten Tagen: moderne Infrastruktur, alles sauber. Die Stadt erlebt einen Boom als »Shanghai des Westens« oder »Shanghai des Binnenlandes«.


Vorbild Japan


Tokio hat den größten städtischen Ballungsraum der Welt. Die City hat fast 10 Millionen Einwohner, die Metropolregion mehr als 35 Millionen. Chaos? Schmutz? Slums? Fehlanzeige! Tokio ist sauber. Es ist, als hätten alle Japaner die Straßen mit der Zahnbürste geputzt. In Japan wird kein Abfall auf die Straße geschmissen. Es gibt aber auch keine Mülleimer. Die Japaner nehmen ihren Abfall von Unterwegs mit nach Hause und entsorgen ihn dort. Niemand will seinen Zeitgenossen mit Schmutz, Abfall und Müll zur Last fallen.


Trotz hoher Schulden (die übrigens nur zum geringen Teil Auslandsschulden sind), trotz negativer demographischer Entwicklungen (geringe Geburtenrate), trotz niedrigen Wirtschaftswachstums (allerdings auf hohem Ausgangsniveau) ist in Japan keinerlei Niedergangstimmung zu vernehmen. Die Jugend ärgert sich, dass die ältere Generation dem Nachwuchs weniger Entwicklungschancen übrig gelassen hat. Doch der Lebensstandard bleibt auf hohem Niveau. Die Japaner verlassen sich auf Roboter und künstliche Intelligenz, um den kommenden Bevölkerungsmangel auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen. Von Zuwanderung oder gar Massenmigration (wie in Europa) will in Japan niemand reden.


Auch in China ist man sich des demographischen Faktors bewusst. Dort wird ebenfalls die Bevölkerungsentwicklung in wenigen Jahrzehnten wieder rückläufig sein. Die chinesische Gesellschaft wird von der Überalterung nicht verschont bleiben. Doch auch hier ist Massenimmigration kein Thema. Man ist sich sicher, dass es andere Lösungen gibt.


Hoher IQ – hohe Bildung


In Ostasien ist IQ kein Tabuthema. Der Leistungsdruck ist hoch, selbst für die Kleinsten. Man mag darüber streiten, ob die Kinder in Japan, China, Singapur und Südkorea eine glückliche Kindheit haben oder nicht. Waldorf-Pädagogik gehört dort nicht zum Zeitgeist. Auch Multikulti-Integration um jeden Preis gilt dort nicht. Die Schüler in Ostasien sind auf Leistung getrimmt.


Ob man das pädagogisch oder didaktisch gut findet oder nicht: Dies ändert nichts an der Tatsache, dass unsere Kinder und Kindeskinder mit der nächsten Generation von Chinesen und Japanern konkurrieren müssen.


Ostasien hat sich dem Erfolg verschrieben. Europa hat sich der Ideologie verschrieben. Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, dass Ostasien auf der Überholspur ist.


Sven von Storch

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