Donald Trump hat einen Trumpf im Ärmel

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Donald Trump hat einen Trumpf im Ärmel
Datum: 04.03.2016 - 09:00 Uhr

Nach dem „Super Tuesday“ scheint der US-Präsidentschaftswahlkampf auf ein Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hinauszulaufen. Die Mainstream-Medien, die Universitäten und Colleges, die Wirtschaftseliten und das Politikestablishment in Washington reihen sich hinter Clinton. Selbst unter den Republikanern bildet sich eine Anti-Trump-Bewegung, die über die „Third Party Option“ nachdenkt, um der Entscheidung zwischen Clinton und Trump noch eine dritte Alternative hinzuzufügen. Mitt Romney nannte Trump ein „Trugbild“ (a phony, a fraud). Die Herausgeber der Los Angeles Times behaupten: „Donald Trump is not fit to be the president of the United States.“

Doch genau hier liegt die Gretchenfrage der kommenden Wahl. Denn Donald Trump könnte den Medien- und Politikwind, der ihm entgegenweht, zu einem Vorteil für sich ummünzen. Der Frust und zum Teil sogar regelrechte Hass auf das alte Politikestablishment von Washington ist weit verbreitet. Viele US-Bürger, besonders im Süden und im Mittleren Westen der Staaten, trauen den alten Seilschaften in Washington nicht mehr über den Weg.

Diese Stimmung wird Trump für seinen Wahlkampf nutzen. Er wird viele Wähler mobilisieren können, die sich von der Politik längst abgewandt hatten. Seine einfache Sprache und seine klaren Ansagen sind verständlicher als der diplomatische Politikjargon einer kalt und unnahbar wirkenden Hillary Clinton. Viele Menschen lieben klare und einfache Aussagen. Dieses brachliegende Wählerpotential ist eine unbekannte Größe, weil es bisher zu wenig in Erscheinung getreten war, um es einzuschätzen.

Hillary Clinton ist mit ihrem Netzwerk und den Lobbyisten in der Hauptstadt Teil eines verfilzten Milieus. Viele Amerikaner sind es leid, der Konkurrenz zwischen der Clinton-Familie und dem Bush-Clan weiter zuzuschauen. Jeb Bush scheint diese Stimmung erkannt zu haben, als er vorzeitig aus dem Rennen stieg.

Viele Amerikaner sehen sich von der Politik im Stich gelassen

Die Außenpolitik der USA hat das Land in große Schwierigkeiten gebracht. Von Afghanistan bis zum Irak, von Libyen und dem Jemen bis nach Syrien und zur Ukraine – Amerika ist verflochten in zu viele Konflikte. Weder die Bushs noch die Clintons oder Barack Obama haben einen deutlichen Kurswechsel vollzogen. Einer der wenigen, der dieses Desaster angesprochen hatte, war der Republikaner Ron Paul, der sich bei der letzten Wahl großer Beliebtheit erfreute.

Innenpolitisch und wirtschaftlich sehen sich viele Amerikaner nach der letzten großen Wirtschaftskrise im Stich gelassen. Gerade die verarmte weiße Mittelschicht fühlt sich vergessen. Sie kommen mit ihren Löhnen nicht zurecht, fühlen sich von den Steuern überfordert und können nicht an den Lebensstandard ihrer Eltern anknüpfen. Doch fehlt ihnen der Minderheitenstatus, um mehr Aufmerksamkeit von der Politik zu erfahren.

Tatsächlich haben immer mehr Amerikaner haben den Eindruck, dass es völlig egal sei, ob sie wählen oder nicht. Studien haben gezeigt, dass 70 bis 80 Prozent kaum oder fast gar keinen Einfluss auf den Lauf der Politik haben.

Denkzettel gegen das Establishment

Die Wahl für Donald Trump könnte daher als Denkzettel genutzt werden. Endlich haben es die einfachen Amerikaner auf der Straße mal in der Hand, dem Establishment die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben und ihnen einen gehörigen Denkzettel zu verpassen. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes massenpsychologisches Momentum, das viele für sich nutzen werden.

Damit ist der Ton für die kommende Wahl schon fast gesetzt: Das Clinton-Lager hat bereits jetzt eine Angst-Kampagne gegen Trump gestartet. Das Motto: Verhindert Trump! Das Trump-Lager wird dagegen den Frust der Bevölkerung auf das Washingtoner Politikestablishment für sich ausnutzen und die Verfehlungen der bisherigen Politiker ausweiden.

Der Streit innerhalb der Republikaner, ob Trump der richtige Kandidat sei, führt bei vielen Wahlkämpfern zu Kopfschütteln. Zur Spaltung der Republikaner hat ein ehemaliger Staatssekretär der Reagan-Administration, William J. Bennet, folgendes geäußert (Washington Post): „Seit langer Zeit haben wir versucht, die Menschen der weißen Arbeiterklasse auf unsere Seite zu bekommen. Nun sind sie wegen Trump in großer Zahl auf unserer Seite – und wir sollen uns von ihnen abwenden? Ich verstehe es nicht. Zu viele Leute sitzen auf ihrem hohen Ross.“

(Schlagwort: GeoAußenPolitik )

Sven von Storch

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