Die Hemmschwelle zum Krieg mit Russland wird herabgesetzt
Die Hemmschwelle zum Krieg mit Russland wird herabgesetzt
Datum: 22.03.2018 - 11:29 Uhr
Der Fall um das Attentat auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter in der Nähe von London schlägt hohe Wellen. Eigentlich handelt es sich um einen Kriminalfall. Doch London zieht es vor, eine internationale politische und diplomatische Krise daraus zu machen.
Das Besorgnis erregende an dieser Angelegenheit ist, dass sich dieses Geschehnis wie eine Perle in eine Kette von Vorfällen reiht, die als Anlass missbraucht werden könnten, um politisch, wirtschaftlich, diplomatisch oder am Ende womöglich sogar militärisch gegen Russland vorzugehen.
Da waren die Vorfälle in der östlichen Ukraine, der Abschuss der MH17 über der Ukraine, die Giftgasattacken von Assad in Syrien, der angebliche Einfluss Russlands auf die Präsidentenwahl 2016 in den USA und viele andere Ereignisse, die als Gründe vorgegeben wurden, Russland zu sanktionieren und hart zu bestrafen.
Doch, wer sucht, der findet für die letzten Jahre genauso viele Vorfälle, die man den USA anlasten könnte: von der Unterstützung islamistischer Rebellen in Syrien bis zum Terrorkrieg durch Drohnen.
Es geht hier nicht darum, den USA oder Russland eine weiße Weste andichten zu wollen. Es geht darum, dass mit jedem Ereignis, dass Russland zugeschrieben und medial hochgespielt wird, die Gefahr einer Konfliktspirale zunimmt.
All das, was den Menschen während des Kalten Krieges Sorgen bereitet hat, wird nun wieder aufbereitet. Die Gefahr eines großen Krieges ist nach Ansicht vieler Experten momentan sogar höher als vor dem Fall der Mauer. Warum? Weil die weltplitische Lage sehr viel unübersichtlicher geworden ist.
Neue Art des Wettrüstens: Show-off statt Geheimhaltung
Während des Kalten Krieges war die Lage klar: Beide Seiten trauten sich nicht über den Weg. Und beide wussten über die mögliche Gefahr, die ein globaler Konflikt auslösen konnte. Die UdSSR mit ihrem Atomwaffenarsenal war eine Bedrohung, die jedem Amerikaner einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
Heute ist es anders: Wenn Putin neue Waffen vorstellt, werden diese von den westlichen Mainstream-Medien heruntergespielt – selbst wenn es sich um neue Atomwaffen handelt.
Das ist neu: Früher wurde die Gefahr durch Sowjetwaffen ernst genommen – und gegebenenfalls sogar noch übertrieben dargestellt, weil man befürchtete, dass die Russen nur einen Teil ihres Arsenals zu erkennen geben.
Heutzutage tut gerade die US-Regierung so – und dies betrifft sowohl die Trump-Administration als auch die ehemalige Obama-Adminstration – als sei Russland nur eine Mittelmacht.
Wladimir Putin hat dies erkannt. Daher nutzt er seine Rhetorik dazu, auf Russlands militärische Stärke hinzuweisen. Jeder Event, sei es in Syrien oder bei Manövern in Russland, wird dazu genutzt, um der Welt die neueste russische Waffentechnologie vor Augen zu führen.
Dies würde Putin nicht tun, wenn die Fakten um seine Aufrüstung zur Abschreckung ausreichen würden. Tatsache ist, dass das Spiel um gegenseitige Abschreckung an Wirkung verliert. Die USA und die NATO versuchen, die russische Waffenmacht kleinzureden. Gleichzeitig wird jedoch Putins Politik als bedrohlich dargestellt. Seit Jahren wird der Name Putins in allen Schlagzeilen missbraucht, um Russland in möglichst schlechtes Licht zu stellen. Die Mainstream-Medien haben von Washington bis London eine anti-russische Einheitsfront aufgetürmt.
Wenn Polen und die baltischen Staaten besorgt sind, kann man das in einem historischen Kontext einordnen und somit verstehen. Doch dass Druck auf Schweden ausgeübt wird, die Neutralität aufzugeben, und Deutschland gegen Russland in Stellung gebracht wird, sind beunruhigende Zeichen.
Das schlimmste Szenario ist es, wenn US- und NATO-Amtsträger ihre Gedankenspiele um einen auf Europa begrenzten Territorialkrieg mit Russland voranbringen. Wir kennen diese Gedankenspiele: Der Erste Weltkrieg sollte auch zunächst nur geographisch beschränkt bleiben.
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