Der Mann hinter Donald Trump
Der Mann hinter Donald Trump
Datum: 14.02.2017 - 10:43 Uhr
Wann immer sich einst Richard Nixon und später Gerald Ford zu außenpolitischen Fragen äußerten, fragte man sich, wie viele ihrer Gedanken aus der Feder ihres Sicherheitsberaters und späteren Außenministers Henry Kissinger stammten. Denn eines war klar: Die Fäden der Außen- und Sicherheitspolitik hielt Kissinger in der Hand.
Unter Lyndon B. Johnson und später Jimmy Carter war Zbigniew Brzezinski Sicherheitsberater und die graue Eminenz der Außen- und Sicherheitspolitik im Weißen Haus. Er war in alle wichtigen Entscheidungen einbezogen worden.
Das Gehirn hinter der Außenpolitik von George W. Bush war definitiv dessen Vizepräsident Dick Cheney. Er war der Architekt der expansiven und offensiven US-Politik im Nahen und Mittleren Osten.
Wer steht hinter Donald Trump als wichtiger Berater, Stratege, enger Vertrauter und kreativer Kopf? Die Mainstream-Medien sind sich einig: Es ist Stephen Kevin Bannon, der auch kurz Steve Bannon genannt wird. Trump hat ihn zum persönlichen Berater und Chefstrategen ins Weiße Haus geholt. Außerdem ernannte er ihn zum Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates. Im Focus-Magazin wurde er als „Gehirn des Präsidenten“ beschrieben: „Ein genialer Stratege, sagen die einen. Ein Fürst der Finsternis, raunen die anderen.“ Die Frankfurter Rundschau bezeichnete ihn als „die Spinne im Netz“. Und Zeit-Online sorgt sich: „Stephen Bannon bestimmt nun auch die US-Außenpolitik mit“. Für die FAZ ist er „Donald Trumps Chefideologe“, er gilt als „Einflüsterer“ und „Schlüsselfigur“.
Wer ist Steve Bannon?
Der dreimal verheiratete und dreimal geschiedene Steve Bannon ist kein Diplomat, kein Berufspolitiker und kein Ex-CIA-Agent. Aber er hat Kontakte ins Pentagon und an die Wallstreet. Der 1953 im US-Bundesstaat Virginia geborene Bannon war von 1976 bis 1983 Marinesoldat in der Navy. Dort hatte er sich zum Navigationsoffizier hochgearbeitet und trug Verantwortung auf der Kommandobrücke des US-Zerstörers USS Paul F. Foster. 1979 befand er sich mit seinem Schiff im Persischen Golf, als die politischen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran wegen der Geiselnahme von Teheran auf den Tiefstpunkt waren. Die Ereignisse hatten einen tiefen Eindruck auf Bannon hinterlassen und liegen seinem Misstrauen gegenüber dem Iran bis heute zugrunde.
Anschließend war Bannon nach Washington versetzt worden, wo er im Pentagon als Assistent für Marinefragen tätig war. Parallel studierte er an der Georgetown University nationale Sicherheit. Das Studium hatte er mit einem Master abgeschlossen.
1983 verließ er das Militär und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University. Anschließend bekam er ein Jobangebot von Goldman Sachs. Bannon machte sich als Investor und Unternehmer selbständig und hatte ein breites Portfolio von Geschäftsfeldern. Viele Projekte standen in Zusammenhang mit der Medien-Industrie und Hollywood.
2012 stieg Steve Bannon beim Magazin Breitbart ein. Der Gründer der Seite, Andrew Breitbart, war kurz zuvor gestorben. Bannon übernahm dessen Aufgabe als Chefherausgeber. Das werte-konservative Breitbart Magazin war als Gegengewicht zu den vielen linksliberalen Magazinen des Internets entworfen worden. Sehr früh gab es eine starke inhaltliche Überschneidung zwischen der Ideologischen Ausrichtung des Breitbart Magazins und den politischen Ansichten von Donald Trump. So hatte es niemanden verwundert, dass Steve Bannon schließlich Chefberater von Trump während dessen Wahlkampfes wurde.
Was die Presse oft herunterspielt oder missversteht, ist der einfache bürgerliche Hintergrund von Steve Bannon und dessen Instinkt für die Denkweise der Menschen draußen auf dem platten Land oder in der Arbeitersiedlung der Vorstadt. Das, was die einen als Populismus brandmarken, ist in Wirklichkeit klar kalkuliert.
Bannon hat immer wieder klar gemacht, dass die Arbeiterschicht und der Mittelstand das Rückgrat der USA seien und dass man deren Sprache sprechen müsse. Der ganze Wahlkampf von Donald Trump war nicht zuletzt aufgrund der Einflussnahme von Steve Bannon auf diese Rhetorik getrimmt. Die Philosophie dahinter: Wenn Trump die Sorgen der Arbeiterklasse aufnehme, würde er gewählt werden, wenn er seine Versprechen auch noch hält, würden die Republikaner lange an der Macht bleiben können.
Steve Bannon wusste, dass die neue Rhetorik den gebündelten Widerstand des Establishments zur Folge haben würde. Doch das ist Teil der Strategie. Wenn Washington, Wallstreet, Hollywood und Silicon Valley gleichzeitig empört aufschreien, werden die Amerikaner der Mittelschicht dies als Genugtuung wahrnehmen. Denn viel zu lange hat sich der Frust darüber angestaut, dass das Establishment die Bevölkerung mit niedrigen Löhnen auspresst, Arbeitsplätze ins Ausland verlagert und sich selbst der Steuerpflicht entzieht, während die breite Bevölkerung Amerikas den Gürtel enger schnallen muss und mit Steuerforderungen zur Kasse gebeten wird. Bannon hat wahrgenommen, dass die Linksrhetorik des Establishments als unglaubwürdig empfunden wird, wenn gleichzeitig die Probleme der Arbeiterklasse marginalisiert werden.
Linke Kritiker sehen in dieser Denkweise Populismus am Werke und warnen vor einem US-amerikanischen Faschismus. Doch dieser Vorwurf trifft wiederum die Wähler, die millionenfach für Trump gestimmt haben und sorgt somit nur für erneute Trotzreaktionen.
Bannon hat sich in den ersten Wochen der Amtszeit von Donald Trumd zurückgehalten. Es wird vermutlich erst im Nachhinein sichtbar, wie stark und nachhaltig sein Einfluss wirklich ist.
( Schlagwort: GeoAußenPolitik )
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