Der Hass der Bilderstürmer

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Der Hass der Bilderstürmer
Datum: 09.03.2015 - 10:42 Uhr

Die Terroristen des selbsternannten „Islamischen Staates“ (IS) setzen ihre Schreckensherrschaft mit weiteren Kriegsverbrechen und Zerstörungen unvermindert fort. Systematisch werden religiösen Minderheiten vertrieben und die Kulturgüter der einstigen Wiege der Menschheit vernichtet. Syrien und der Irak, die Länder des alten Zweistromlandes, sind reich an historischen Stätten und Kulturschätzen, die nun der Zerstörungswillkür preisgegeben sind.

Hatra: UNESCO-Weltkulturerbe in die Luft gesprengt

Mit Sprengungen und Bulldozern sollen die Terrormilizen des „Islamischen Staates“ (IS) im Nordirak die historische Stätte von Hatra zertrümmert haben. Hatra war in den ersten zwei Jahrhunderten nach Christus die blühende Hauptstadt eines kleinen aramäischen Königreiches, das unter der Schutzherrschaft der iranischen Parther stand. Die Parther beherrschten zu jener Zeit weite Teile Mesopotamiens und Persiens und waren militärische Gegner des Römischen Reiches.

Im Vergleich zu den berühmten antiken Handelsstädten von Palmyra in Syrien und Petra in Jordanien, lebte Hatra zwar auch vom Karawanenhandel, genoss jedoch vor allem religiöse Bedeutung. Hatra war eine heilige Stadt und eine Pilgerstätte für die Anhänger des altorientalischen Sonnengottes Schamasch. Große Tempelanlagen mit griechisch-persischer Mischarchitektur bestimmten das Stadtbild.

In den letzten Jahrzehnten waren mit viel Aufwand Teile der antike Stadt- und Tempelanlagen restauriert worden. Die UNESCO hatte die Ruinen von Hatra auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt.

Paläste von Nimrud: Assyrermetropole mit Bulldozern niedergewalzt

Die historische Stätte von Nimrud liegt rund 40 Kilometer südöstlich von Mossul. In der Bibel wird die Stadt Kalach genannt. Der Ort war zwar bereits in der Kupfersteinzeit vor rund 6000 Jahren besiedelt, erlangte seine historische Bedeutung jedoch erst unter den Assyrern. Im 9. Jahrhundert v. Chr. wurde Nimrud unter dem König Assurnasirpal II. zur Residenzstadt der assyrischen Herrscher. Prächtige Paläste wurden gebaut. Nimrud war neben Assur, Ninive und Khorsabad die wichtigste assyrische Stadt. Die Assyrer beherrschten in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. große Teile des Vorderen Orients, darunter auch Mesopotamien, Syrien und Palästina. Im Jahre 612 v. Chr. war die Stadt von den Medern erobert und zerstört worden.

Die Ruinen von Nimrud waren bereits 1845 bis 1851 von dem britischen Archäologen A. H. Layard ausgegraben worden. Weitere wichtige Ausgrabungen fanden in den 1950er Jahren unter dem Archäologen M. E. L. Mallowan statt, dem Ehemann der berühmten Krimiautorin Agatha Christie.

Dank dieser Ausgrabungen befinden sich heute zahlreiche Kunstschätze und Monumentalstatuen von Nimrud im Britischen Museum zu London. Lange Zeit hatte man darüber diskutiert, inwiefern es gerechtfertigt sei, mesopotamische Kunstschätze in europäischen Museen auszustellen, statt sie in ihre Ursprungsländer zurückzubringen. Doch angesichts der Kriege im Irak und der Zerstörungen durch den IS kann man aktuell glücklich darüber sein, dass die sicher in Europa geschützt sind.

Museum von Mossul: Bildersturm wie im finsteren Mittelalter

Der Zerstörung preisgegeben sind dagegen die Kunstwerke in den irakischen und syrischen Museen. Erst vor zwei Wochen ging ein Video um die Welt, das Terroristen des IS beim Zerstören von assyrischen und parthischen Statuen im Museum von Mossul zeigt. Mit Vorschlaghammern und Motorsägen wurden die Kunstobjekte zerlegt und zertrümmert. Für Kunsthistoriker und Archäologen ist das Ansehen dieses Videos eine Tortur. Für viele Iraker ist es der schmerzliche Verlust des kulturellen Erbes.

Doch machen wir uns nichts vor: Bereits während des Golfkrieges von 1991 und des Irakkrieges ab 2003 wurden zahlreiche historische Stätten und Museen beschädigt. Schon zu Beginn des Irakkrieges von 2003 wurde Teile des Irakischen National-Museums in Bagdad geplündert. Doch die systematische Zerstörung von Kulturgütern durch den IS geht einen Schritt weiter. Hier wird konsequent die vorislamische Geschichte des Landes ausgelöscht.

Stichwort: GeoAußenPolitik

Sven von Storch

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