Chinas Währung ist Teil der globalen Reservewährung geworden
Chinas Währung ist Teil der globalen Reservewährung geworden
Datum: 06.10.2016 - 09:00 Uhr
Manche Nachrichten sind medial spektakulär, aber historisch von geringer Bedeutung. Andere Nachrichten gehen im medialen Konzert unter, obwohl sie einen historischen Wendepunkt markieren.
Ein solcher Wendepunkt fand Anfang diesen Monats statt. China feierte am 1. Oktober seinen Nationalfeiertag – und diesmal noch etwas Anderes: Der Internationale Währungsfonds (IWF, International Monetary Fond IMF) hat die chinesische Währung Yuan-Renminibi in den SDR aufgenommen.
Der SDR (Special Drawing Rights) ist eine Art Währungskorb des IWF. Hier geht es um Sondererziehungsrechte. Der IWF rechnet und verbucht die internationalen Geldflüsse in SDR. Somit handelt es sich um eine Art künstliche Währung des IWF. Im Grunde handelt es sich um die inoffizielle Weltwährung.
Bisher waren nur der US-Dollar, der Euro, das britische Pfund und der japanische Yen in diesem SDR-Korb aufgelistet. Denn nur wenige Währungen erfüllen die strengen Kriterien. Nun hat es auch die Währung der Volksrepublik China geschafft. Die FAZ sprach gar „vom Ritterschlag für die chinesische Währung“.
Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Wirtschaftsweltmacht
Viele Jahrzehnte war die Währung der Chinesen als Papiergeld verlacht worden. Der Yuan-Renminbi hatte international kaum Wert. Doch seit dem Wirtschaftsboom der 1990er und 2000er Jahre hat die chinesische Währung an Bedeutung immer mehr zugenommen. China baute Devisenreserven auf, wurde zum Exportweltmeister, das Bruttoinlandsprodukt hatte sich vervielfacht. Heute ist China ein Global Player.
Nun wird die chinesische Währung ein wichtiger Faktor bei der Bewertung der SDR-Fonds sein. Madame Christine Lagarde vom IWF erklärte, die Aufnahme des Yuan-Renminbi spiegele die weltweite wirtschaftliche Entwicklung und die Veränderungen innerhalb des IWF wider.
Die aktuelle Aufteilung des SDR: US-Dollar 41,73%, Euro 30,93%, Yuan-Renminbi 10,92%, Yen 8,33%, Pfund 8,09%. Noch dominiert der Dollar. Doch die Tatsache, dass er seine Rolle zunehmend mit anderen Währungen teilen muss, unterstreicht einen langanhaltenden Trend zur einer multipolaren-Wirtschaftsordnung, in der China seinen Platz im Zentrum der Finanzwelt eingenommen hat.
Chinas Aufstieg ist keine Eintagsfliege, sondern eine langfristige Entwicklung
Es hat unter den Schwellenländern viele Boom-Phasen gegeben, mit denen die Volkswirtschaften wuchsen und anschließend wieder schrumpften. Dazu gehören besonders die Aufschwünge der Ressourcen-exportierenden Länder, wie die Ölscheichtümer am Persischen Golf. Doch deren Wirtschaft ist auf dünnem Eis gebaut. Je spezialisierter und kurzfristiger der Aufschwung seinen Lauf nimmt, desto schneller verebbt er wieder.
Mit der Volksrepublik China verhält es sich anders. Seit den Reformen des Deng Xiaoping hat das Riesenreich sich mit kleinen Schritten nach oben gearbeitet. Nach dem chinesischen Motto „den Fluss durchqueren, indem man jeden Stein ertastet“, hat sich die Volksrepublik im Try-and-Error-Verfahren und mit experimentellen Sonderwirtschaftszonen den Weg zum Industriestaat erarbeitet.
China ist wie ein ein riesiger Ozeandampfer, der volle Fahrt auf Kurs ist und sich von diesem nur schwer wieder abbringen lässt. Die wichtigste Reserve des Landes sind die riesigen Absatzmärkte und günstigen Produktionsbedingungen. Es ist die schiere Zahl der Menschen, die die Sogwirkung Chinas auf die Weltwirtschaft bestimmt.
Einst lagerten westliche Industrien aus Kostengründen ihre Produktion nach Hongkong aus. Dann wurde die dortige Produktion ins benachbarte Shenzhen auf dem chinesischen Festland verschoben, während Hongkong Finanzmetropole wurde. Später griff der Boom auf das ganze Perlflussdelta über und erfasste anschließend auch die Megastadt Shanghai, während Hongkong Teil der Volksrepublik wurde. Heute ist die gesamte chinesische Küste eine riesige Industrieregion geworden. Doch selbst wenn dort der Boom abebben sollte, weil die Produktion zu teuer wird, hat China noch Reserven auf Lager, denn das gesamte chinesische Hinterland steht in den Startschuhen. Die Riesenmetropole Chongqing am Jangtsekiang ist bereits zum Shanghai des Inlandes geworden.
Chinas Weg zur Weltfinanzmacht ist genau geplant
Die chinesische Führung hat den Aufstieg und die Stabilisierung der chinesischen Währung seit vielen Jahrzehnten genau geplant. Seit Jahren verfolgt das Land einen rigorosen Kurs. Erst nutze man den niedrigen Wert des Yuan-Renminbi, um die Produktionskosten im internationalen Vergleich niedrig zu halten – ganz zum Verdruss der USA. Dann wurde systematisch damit begonnen, die Währung in langsamen Schritten zu stabilisieren. Wichtigste Signale der letzten Zeit sind die massiven Aufkäufe von Goldreserven und das Abstoßen von US-Staatsanleihen.
Wegen des US-Handelsdefizits und weil China der größte Gläubige der USA geworden ist, sind beide Staaten wirtschaftliche miteinander verflochten, ohne es zu wollen. Doch die wechselseitige Abhängigkeit hindert beide Seiten nicht daran, sich auf den Tag X vorzubereiten, an dem die Verhältnisse in der Welt neu geordnet werden.
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