China sucht den Handelsanschluss an Europa_ Seewege, Seidenstraße, Polarwege
China sucht den Handelsanschluss an Europa_ Seewege, Seidenstraße, Polarwege
Datum: 01.02.2018 - 10:07 Uhr
China hat ein Ziel: Es will die Nummer Eins in der Weltwirtschaft werden, in Produktion, Export und Marktkontrolle. Mit Blick auf die USA weiß man in China: Wer die Weltwirtschaftsmacht ist, wird früher oder später automatisch auch eine militärische und politische Supermacht. China plant langfristig. Schritt für Schritt.
Die EU hat eine solche strategische Planung nicht. Sie setzt Ideologie vor Pragmatismus. In Brüssel geht es darum, die Interessen von Lobbygruppen und Investoren auf die EU-Agenda zu bringen, nicht darum, Europas Rolle in der Welt zu planen. Ambitionen von Einzelstaaten werden als Sonderwege diskreditiert und abgelehnt, geostrategische Planungen als imperialistisch und anachronistisch abgestempelt. Daher kann die EU keine Politik betreiben, wie es China, Russland oder die USA tun.
China exploriert alle Wege nach Europa
Für den Handel mit Europa hat China drei Wege ausgemacht, die es mit aller Kraft für die Zukunft zu sichern sucht:
Klassische Seeroute: Der heute meist genutzte Handelsweg zwischen China und Europa geht durch das Südchinesische Meer, durch die Straße von Malakka in den Indischen Ozean, durch das Rote Meer und den Golf von Suez ins Mittelmeer. Hier sichert sich China ab. Es gibt sogar eine chinesische Militärbasis am Horn von Afrika in Dschibuti.
Neue Seidenstraße durch Asien: Mittelfristig ist der Ausbau der Landwege zwischen China und Europa geplant. Dies ist das Projekt der »neuen Seidenstraße«. Dazu kooperiert China mit Russland und den zentralasiatischen Staaten. Straßen und Eisenbahnlinien von der Westprovinz Xinjiang durch Kasachstan und Russland sollen das Reich der Mitte mit Europa verbinden. Auch die Landverbindungen nach Afrika und in den Nahen Osten sollen ausgebaut werden. Zentralasien würde von dieser Mittler-Position enorm profitieren. Daher sind fast alle Seiten daran interessiert. China will fast eine Billion Dollar für diese Projekte ausgegeben. Das ist enorm. Lediglich die USA versuchen, einen Keil in diese Entwicklung zu treiben, indem die EU-Staaten und NATO-Staaten von Russland ferngehalten werden, das geographisch die Mittellage einnimmt.
Polare Seidenstraße: Langfristig planen die Chinesen sogar zusätzliche Wege durch das Polarmeer. Weil es in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit öfter eisfreie Passagen vom Pazifik durch das Polarmeer nach Nordeuropa geben wird, will auch China davon profitieren und Schiffe auf diesem Weg nach Europa schicken. Man spricht in Peking von einer »polaren Seidenstraße«. Auch hier sind Kooperationen mit Russland sehr wahrscheinlich. Man sieht, wie durch die zukünftigen geographischen Notwendigkeiten die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Peking weiter zunimmt.
China will in Zukunftstechnologien führend sein
China hat sich vorgenommen, bis 2025 in zehn Schlüsseltechnologien, darunter Robotik und künstliche Intelligenz, weltweit führend zu sein. Experten zweifeln nicht daran, dass die Chinesen ihr Ziel bis 2025 erreichen werden.
Ein Kernprogramm der Chinesen ist es, sich in ausländische Unternehmen einzukaufen oder diese direkt zu übernehmen. Dabei geht es weniger um Marktanteile oder klassische Investitionen, als vielmehr um den Zugang zu wertvollen Schlüsseltechnologien. Deutsche Industriebetriebe sind besonders beliebt. Denn sie gelten als zuverlässig und innovativ. Die Chinesen haben auch gemerkt, dass in Deutschland auch die kleinen Unternehmen, die sogenannten »mittelständische Betriebe«, oftmals technologische Marktführer in kleinen Nischen sind.
Gegenüber dem Bayrischen Rundfunk erklärte Professor Sebastian Heilmann, Sinologe und Gründungsdirektor des Mercator-Institut für China-Studien, folgendes:
»Inzwischen können wir mit Gewissheit sagen, dass die chinesische Seite vor allem an deutschen Unternehmen interessiert ist, die bei Industrietechnologien Nischen füllen, besondere Vorsprünge haben. Die sogenannten „Hidden Champions“, das ist das große Thema, also diese verborgenen Weltmarktführer, die hochspezialisiert sind, über Jahrzehnte Industrietechnologien im Kleinen entwickelt haben und deswegen konkurrenzlos sind.« (Quelle: Bayrischer Rundfunk)
Professor Heilmann erklärte, dass es der chinesischen Regierung und den chinesischen Unternehmen auch darum gehe, die Technologien nach China zu holen. So bestünde die Gefahr, dass in zehn oder fünfzehn Jahren diese speziellen Technologien nicht mehr »Made in Germany« sein werden, sondern aus China importiert werden.
USA, Russland und China teilen die Welt auf: Die EU steht außen vor
Die einzigen Staaten, die auf der Welt noch geopolitisch im großen Maßstab planen, sind China, Russland und die USA. In der EU gibt es kein Pendant. China, Russland und die USA lassen ihre Think-Tanks nach strategischen Mustern planen und denken. Heutige Schachzüge heute können für Auswärtige ziellos wirken, können aber schon morgen die Langfristigkeit des strategischen Denkens offenbaren. Das gilt insbesondere bei der Sicherung der Handelswege und der Ressourcenzugänge. Die EU ist hier kein Mitspieler auf Augenhöhe. Die EU segelt im Windschatten der USA. Abweichungen gibt es nur in bescheidenen Ausnahmen.
Dabei hätte die EU geostrategisch gute Karten, sich in eine gewichtige Position zu manövrieren, denn sowohl die USA als auch China und Russland streben nach einer engeren Bindung an den europäischen Markt. Hier könnte die EU eigene Interessen stärker behaupten. Doch stattdessen hat man sich den Vorgaben aus Washington unterworfen. Dies gilt insbesondere für alle Wirtschaftsbeziehungen zu Russland, das geographisch das Bindeglied zwischen China und der EU werden könnte. Aber solange Washington einen Keil zwischen der EU und Russland treibt, kann das Projekt der neuen Seidenstraße schwerlich umgesetzt werden – zumindest kurzfristig. Daher ist es kein Wunder, dass die Chinesen immer in mehreren Optionen vorausschauend planen und auch die anderen Routen nach Europa ausbauen.
[ Schlagwort: GeoAußenPolitik ]
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