Bilderberg_ Stelldichein der transatlantischen Weltelite

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Bilderberg_ Stelldichein der transatlantischen Weltelite
Datum: 13.06.2016 - 12:18 Uhr

Verschwörungstheorien skizzieren von der Bilderberg-Konferenz das bizarre Bild einer geheimen Weltregierung. Das ist sie nicht. Denn auch dort treffen unterschiedlichen Meinungen und Interessen aufeinander. Andererseits ist es kein Geheimnis, dass die Gesprächsrunden der Eliten den künftigen Kurs der Welt bestimmen. Sie tauschen wechselseitig ihre Interessen, Konzepte, Sorgen und Zukunftsvisionen aus, sie beeinflussen sich gegenseitig mit ihren Weltbildern. Sie drehen sich im Zirkel des Elitendiskurses. Der Konsens dieses Diskurses wird dann über die Medien unters Volk gebracht.

Dieses Jahr war es also Dresden. Im schönen Elbflorenz trafen sich vom 9. bis zum 12. Juni rund 130 der Mächtigsten, Reichsten, Einflussreichsten aus der westlichen Welt. Wie unter anderem Spiegel-Online berichtete, sollen von deutscher Seite aus unter anderen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dabei gewesen sein. Die Deutsche Bank soll mit ihren Chef John Cyran vertreten gewesen sein.

Die Themen der Gespräche und Vorträge kreisten diesmal unter anderem um die Krise im Nahen Osten, die Russlandpolitik, China und den Wahlkampf in den USA. Bedeutende Russen, Chinesen und Araber sollen allerdings nicht auf der Teilnehmerliste gestanden haben. Es ist primär ein westliches, ein transatlantisches Treffen. Die meisten Gäste kommen aus NATO-Staaten.

Auch die Sorgen und Nöte des Mittelstandes und des wachsenden Prekariats standen dieses Jahr auf der Themenliste. Generell wird nach außen immer nur oberflächlich über die Gespräche berichtet. Man will sich im informellen Rahmen offen und diskret austauschen können, ohne dass jedes Wort und jeder Name an die Öffentlichkeit gelangt. So weit, so klar: freie Gesprächsrunde. Im Grunde, so äußerte sich einst Ex-Minister Jürgen Trittin sinngemäß, der 2012 an der Konferenz teilnahm, habe die Konferenz eine gewisse Ähnlichkeit mit der Münchener Sicherheitskonferenz.

Im Boot der Mächtigen und Einflussreichen sitzen auch, ähnlich wie bei der Münchener Sicherheitskonferenz oder den transatlantischen Netzwerken, auserwählte Alpha-Journalisten. Schließlich muss man ja die wichtigen Leitlinien, Trends und Tabus für die Medien kennen, damit die Bevölkerung entsprechend den Wünschen des Elitendiskurses „aufgeklärt“ wird.

Da oppositionelle politische Gruppierungen Demonstrationen angekündigt hatten, war die Umgebung  um das Dresdner Hotel Taschenberg-Palais, in dem die Konferenz stattfand, von hunderten Polizisten abgeriegelt und überwacht.

Warum wird die Bilderberg-Konferenz von der Bevölkerung mit Misstrauen beobachtet?

Egal ob TTIP-Verhandlungen, Münchener Sicherheitskonferenz, Bilderberg oder Verhandlungen der EU-Kommission: Sie alle geben der Bevölkerung das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Obwohl in den dortigen Gesprächsrunden die Zukunft der Welt mitbestimmt wird, die alle Menschen betrifft, finden die Stimmen der normalen Bürger kein Gehör - zumindest im Empfinden vieler Normal-Menschen. Das Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins macht sich breit, wenn man von solchen Treffen hört.
Was können kritische Menschen schließlich schon ausrichten, wenn die transatlantische Elite sich auf einen Kurs geeinigt hat und über alle Kanäle der Medien, Wirtschaft und Politik an den Reglern dreht? In Deutschland findet unter vielen Bundespolitikern die Idee der direkten Demokratie ohnehin keine Unterstützung, weil man das Plebiszit fürchtet. Selbst Bundespräsident Joachim Gauck behauptet, die einfache Bevölkerung hätte nicht die Kompetenzen, um mitbestimmen zu können. Darum sollte man die Politik den Profis überlassen, meinte der Bundespräsident sinngemäß.

Doch dies ist der wichtigste Punkt vieler Kritiker bezüglich der Bilderberg-Konferenz: die Demokratieferne solcher Institutionen und Treffen. Denn die Reihenfolge der Entscheidungsabläufe verläuft dem demokratischen Idealbild entgegengesetzt. Das Ideal ist, wenn die Bevölkerung im öffentlichen Diskurs ein Thema auf die Agenda bringt und im Sinne einer Abstimmung eine Richtung vorgibt, die die Politiker dem Willen der Bevölkerung entsprechend in praktisch umsetzbare Formen geben müssen. Die Willensbildung und Richtungsvorgabe sollte idealerweise also von unten nach oben erfolgen.

Doch in der Realität ist das Gegenteil der Fall. Die Richtungsvorgabe erfolgt von oben nach unten. Eliten treffen sich in abgeschotteten Gesprächsrunden, stimmen ihre Interessen miteinander ab, einigen sich auf Richtlinien für die Zukunft und lassen diese dann über die Medien und große Public-Relations-Agenturen unter das Volk bringen. Teilt die Bevölkerung seinen Unmut in Form von Protesten oder unerwarteten Wahlergebnissen mit, heißt es, man habe die Ziele der Politik falsch kommuniziert.

Denn egal ob Marktliberalisierung, TTIP, CETA, NATO-Mitgliedschaft, EU-Kommission, Euro-Einführung, Euro-Rettungsschirm, EU-Erweiterung, Auf- oder Abrüstung, US-Atomwaffen in Deutschland, Agenda 2010 und Hartz IV, Atomausstieg, Migrationspolitik, Austeritätspolitik oder einfach nur die Rechtschreibreform: Das Volk wird über die Vorhaben informiert, darf aber nicht darüber abstimmen. Politiker, die das fordern, werden von den Medien als Populisten dargestellt. Und Populismus sei angeblich etwas Schlechtes, wird uns eingeredet.   

Wer sind die Bilderberger?

Die Bilderberg-Konferenzen finden seit 1954 im jährlichen Rhythmus statt. Die Idee dazu hatte einst der polnische Politikberater Jozéf Retinger, der während des Zweiten Weltkrieges in London die polnische Exilregierung beriet. Hintergrund war der Wunsch nach einer europäischen Einigung und einer engen Kooperation mit den USA. Einer der ersten Leiter der Bilderberg-Konferenzen war Prinz Bernhard der Niederlande.

Nach eigener Darstellung handelt es sich um ein jährliches Forum informeller Gesprächsrunden, um den Dialog zwischen Nordamerika und Europa zu fördern. Jedes Jahr kommen rund 120 bis 150 Teilnehmer. Es handelt sich um bedeutende Politiker sowie um „Experten“ aus der Industrie, dem Finanzwesen, der Wissenschaft und den Medien. Nach eigenen Angaben kommen jeweils zwei Drittel der Teilnehmer aus Europa, ein Drittel aus Nordamerika. Rund ein Drittel der Teilnehmer seien in der Regel Politiker.

Was die Geheimhaltung der Gespräche angeht, gilt die „Chatham House Rule“. Diese besagt, dass man zwar später über allgemeine Inhalte der Konferenz in der Öffentlichkeit sprechen darf, aber keine konkreten Aussagen und keine Verbindungen solcher mit konkreten Namen an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Solche Regeln sind übrigens nichts Neues. Sie sind oftmals die einzige Möglichkeit, den Teilnehmern freie Gespräche und ungezwungene Gedankenaustausche zu ermöglichen. Beschlüsse und Abstimmungen finden nicht statt.

Sven von Storch

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