Bemannte Raumfahrt_ Neues Wettrennen ins All_

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Bemannte Raumfahrt_ Neues Wettrennen ins All_
Datum: 23.07.2019 - 08:00 Uhr

Die Dimensionen des NASA-Mond-Programms der USA in den 1960er Jahren kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Inflationsbereinigt kann man schätzen, dass das Apollo-Programm der NASA den US-Steuerzahlern rund 200 bis 250 Milliarden US-Dollar gekostet hat [siehe Berechnungen und Schätzungen hier, andere Schätzungen gehen von Beträgen zwischen 100 und 200 Milliarden Dollar aus, siehe hier]. Rund 400.000 Menschen sind daran beteiligt gewesen. Eine Armee! Die komplette Nation war auf das Ziel eingestimmt. Fast alle technischen Universitäten und Institute der USA hatten in irgendeiner Form ihren Beitrag dazu geleistet. Ein Heer an Wissenschaftlern und Ingenieuren war engagiert — nicht zu vergessen die »deutsche« Mannschaft von Raketeningenieuren rund um Wernher von Braun, die für die bis heute unerreichte Trägerrakete Saturn V verantwortlich war.

All dies kann man nur nachvollziehen, wenn man den Kalten Krieg vor Augen hat. Der Wettlauf zuerst ins All, den die Sowjets gewannen, und dann zum Mond, den die Amerikaner gewannen, war eine Art Kriegsschauplatz — ähnlich wie die Stellvertreterkriege in Korea und Vietnam. Es war ein Kampf der Systeme. Der Sputnik-Effekt hatte die USA alarmiert und einen Impuls ausgelöst, wie der Beginn eines Krieges.

Die Sowjets waren mit ihrem Mondprojekt gescheitert. Die großen Trägerraketen waren zu unsicher und explodierten in der Atmosphäre. Am 20. Juli 1969 betrat Armstrong als erster Mensch den Mond. Die Sowjets konnten die Funksprüche von Neil Armstrong und Buzz Aldrin vom Mond empfangen und abhören. Sie wussten in diesem Moment, dass das Rennen für sie verloren war.

Die Amerikaner schickten noch sechs weitere Missionen zum Mond (Apollo 12 bis 17), von denen eine jedoch ihr Ziel nicht erreichte und ohne Erfolg zur Erde zurückkehren musste (Apollo 13). Insgesamt 24 Astronauten haben den Mond betreten. Sie haben dort zahlreiche Objekte zurückgelassen, von denen einige von der Erde aus identifiziert werden können.

Der letzte Astronaut auf dem Mond war ein Geologe, Harrison Schmidt, der am 11. Dezember 1972 den Mond betrat. Seitdem war niemand mehr dort.

Niemals wieder hat die NASA (inflationsbereinigt) solche hohen Summen und so viel Personal zur Verfügung gehabt wie zur Zeit der Apollo-Missionen. Heute fehlt die Motivation, nochmals ein solch gigantisches Riesenprojekt zu lancieren.

Neues Wettrennen ins All: Die USA wollen wieder Menschen zum Mond und dann zum Mars schicken – die Chinesen wollen es ihnen gleichtun

Doch das könnte sich bald ändern. Denn ein neues Wettrennen bahnt sich an. China ist eine Weltraumnation geworden. Die Chinesen arbeiten seit den 1990ern an einem eigenen Weltraumprogramm. Am 15. Oktober 2003 startete der Taikonaut Yang Liwei mit dem Raumschiff Shenzhou 5 zum ersten bemannten chinesischen Weltraumflug. Der Raumflug dauerte über 21 Stunden und endete mit einer Landung in der Inneren Mongolei. Einen weiteren Achtungserfolg konnten die Chinesen 2018 mit der Landung einer Sonde auf der Rückseite des Mondes erlangen. Das war ein technisches Meisterwerk, wie auch die Amerikaner zugaben. Ein bekannter US-Astronaut chinesischer Abstammung, Leroy Chiao, erklärte auf »CNN«, dass die Landung einer chinesischen Raumfähre auf der Rückseite des Mondes sowie die Art und Weise, wie dies zustande gebracht wurde, eine technisch herausragende Meisterleistung sei. Für den Westen müsste dieses Ereignis als Warnschuss gesehen werden, erklärte Chiao.

Damit ist also das neue Rennen eröffnet. Die USA regierten prompt. Vize-Präsident Mike Pence verkündete, dass die USA wieder zurück zum Mond und anschließend zum Mars fliegen wollen. Dieser Entschluss wurde angesichts des 50-jährigen Jubiläums der Apollo-11-Mondlandung nochmals deutlich bekräftigt [siehe CBS-Interview mit Mike Pence auf YouTube].

Damit ist klar: Die Chinesen machen den Amerikanern Druck. Dieser Druck hatte bisher gefehlt. Falls die Chinesen die Amerikaner in der Weltraumfahrt überholen sollten, dann wäre das eine symbolische Niederlage, die das Image der USA als Technologie-Nation nachhaltig zerstören würde. Schon jetzt ist es geradezu peinlich, dass die Amerikaner stellenweise auf russische Raketentechnologie zurückgreifen mussten, weil das Space-Shuttle-Programm eingestellt wurde.

Klar ist: Ein Mond- und Mars-Programm wird das Budget der NASA sprengen, weshalb es nur als nationale Anstrengung in Angriff genommen werden kann. Dazu muss noch viel Überzeugungsarbeit in der amerikanischen Öffentlichkeit geleistet werden. Denn es gibt noch viele andere Baustellen in der amerikanischen Gesellschaft, die finanziell besser ausgestattet werden müssen. Hier bedarf es guter Rechtfertigungen und Überzeugungen. Doch die Welt steht nicht still. Das Weltall ruft. Auch Nationen wie China, Russland und Indien haben den Ruf vernommen.

Die Pläne der Chinesen sind klar: Sie wollen für ihre Taikonauten eine bemannte Station im All installieren und einen bemannte Flug zum Mond verwirklichen. Sie werden ihr Ziel erreichen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Sven von Storch

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