Babylonische Sprachverwirrung im Genderland
Babylonische Sprachverwirrung im Genderland
Datum: 23.02.2016 - 09:00 Uhr
Das arme Mädchen. Es wird keinem Geschlecht zugeordnet. Es heißt „das Mädchen“, als wäre es eine Sache, ein Gegenstand, völlig neutral. Warum heißt es nicht „die Mädchen“ im Singular? Und warum heißt es „der Baum“ und „die Blume“? Hat das etwas mit der Größe der Pflanze zu tun? Wird hier etwa die Unterdrückung des Weiblichen zum Ausdruck gebracht, indem die großen Bäume mit männlichem Artikel und die kleinen Blumen mit weiblichem Artikel gekennzeichnet werden?
Und wenn ich sage: „Ich gebe der Blume Wasser“ – Warum wird hier aus „die Blume“ plötzlich „der Blume“? Hat sie das Geschlecht gewechselt? Ist diese grammatikalische Beugung des Wortes nicht eine Unterdrückung der Weiblichkeit?
Deutsche Sprache – schwere Sprache
Warum heißt es „die Spinne“, aber „der Käfer“? Warum ist der Ball männlich, das Auto neutral und die Bahn weiblich? Warum heißt es „der Apfel“, aber „die Apfelsine“? Diese Frage stellen sich vor allem Ausländer, die Deutsch lernen. Denn Deutsch ist eine schwierige Sprache, zumindest was die Zuordnung der Artikel angeht. Diese zu lernen ist wichtig. Denn die grammatikalische Zuordnung des Geschlechtes wird radikal und streng durch alle Fälle dekliniert: Nominativ (der Apfel, die Blume), Akkusativ (den Apfel, die Blume), Genitiv (des Apfels, der Blume) und Dativ (dem Apfel, der Blume).
Man kann sich darüber streiten, ob die Engländer zu beneiden sind, weil sie dem Substantiv nur den bestimmten Artikel „the“ oder den unbestimmten Artikel „a“ zuordnen. Doch die meisten Sprachen haben zwei oder drei Geschlechter. Im Arabischen wird sogar in der Anrede, also in zweiten Person Singular, zwischen Mann und Frau unterschieden. Du ist nicht gleich Du.
Eine andere Diskussion jedoch ist vollkommen überflüssig: Nämlich der absurde Gedanke, der grammatikalischen Zuordnung des bestimmten und unbestimmten Artikels würde eine geschlechterdiskriminierende Gedankenwelt zugrunde liegen. Diese Idee ist allein sprach- und kulturgeschichtlich so abwegig und wirr, dass einem bei der Beobachtung der aktuellen Genderdebatte vor Verwunderung die Spucke wegbleibt.
Was wäre damit erreicht, wenn es plötzlich nicht mehr heißt „Das Mädchen hat einen roten Rock an“, sondern: „Die Mädchen hat einen roten Rock an“? Vielleicht wird es subjektiv positiv erlebt, wenn eine Beamtin in Uniform sagt: „Ich bin Polizistin!“ statt „Ich bin Polizist!“. Vielleicht ist es höflich, wenn man bei einem Polizeieinsatz von „Polizisten und Polizistinnen“ spricht. Oder sollte man von „PolizistInnen“ oder „Polizist_innen“ oder von „Polizist*innen“ reden? Engländer haben es auch hier wieder einfacher. „Police Officer“ ist geschlechtsneutral. Die Frage ist, wieviel Steuergelder uns die Klärung dieser Fragen wert ist.
Tatsache ist, dass das subjektiv positive Gefühl durch diese neuen Geschlechtsergänzungen wie „Beamt*innen“ nur dann empfunden wird, wenn einem vorher erfolgreich eingeredet wurde, dass man in der herkömmlichen Sprachform nicht zum Ausdruck gebracht wurde, gleichsam verschwiegen wurde. Denn allen übrigen Menschen ist diese Diskussion herzlich egal. Nur wenn man an der Schule oder der Universität mit Gender Studies belästigt wurde, wird einem dieses künstliche Problem suggeriert, das vorher gar nicht zur Denkwelt eines normalen Menschen gehörte und daher auch kein Problem war. Es wird quasi-religiös aufgebauscht. Nur wer an den Osterhasen glaubt, muss man sich um die Frage bemühen, wieso ein Hase Eier legen kann.
Ideologischer Hintergrund sind die alten Ideen der sogenannten „Frankfurter Schule“, die mit ihrer „kritischen Theorie“ den Studenten in Europa und Amerika vor einigen Jahrzenten erklärt hat, dass man alle Strukturen in der Gesellschaft und Kultur auf versteckte hierarchisierenden und unterdrückenden Mechanismen untersuchen müsse. Genau das haben Generationen von Geisteswissenschaftlern getan. Und sie wurden fündig, und zwar überall. Alles ist Unterdrückung, von der Religion bis zur Sprache, von der Kleidung bis zu den Benimmregeln, von der Staatsidee bis zur Wirtschaftsform des Kapitalismus, vor allem das Patriachat der klassischen Familie.
Natürlich ist es generell löblich, Strukturen kritisch zu hinterfragen. Doch mittlerweile ist diese Art zu denken zu einem wildwachsenden Selbstläufer geworden, der nun schon zwei Generationen lang die Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen, Habilitationen und Fachartikel durchzieht wie ein roter Faden. Da man theoretisch alles unter dem Gesichtspunkt der Unterdrückung analysieren kann, gehen den Absolventen niemals die Themen aus. Dies prägt ganze Generationen von Akademiker*innen. Bis heute können sie nicht davon lassen.
Von Studenten und Studierenden
Wie soll man nun jene jungen Menschen nennen, die an der Hochschule oder Universität ein- und ausgehen? Studenten, Studentinnen, Student(inn)en, Student/innen, Student_innen, StudentInnen, Student*innen (mit Sternchen für die Transgender*innen) oder ganz neutral Studierende?
Diese Frage scheint wichtig zu sein! Zu ihrer wissenschaftlichen Diskussion gibt man gern das hart erarbeitete Steuergeld der Bürger aus. Zu dumm nur, dass sich die Bürger nicht für solche Späßchen interessieren. Die meisten Menschen in diesem Lande sind damit beschäftigt, das Geld für das Essen auf dem Tisch und die Miete zu verdienen.
Aber die Bürger müsse man intellektuell an die Hand nehmen und ideologische Anweisungen geben: Dieses autoritäre Denken verbreitet sich mehr und mehr an deutschen Unis und in den Redaktionen so mancher Zeitungen.
Jeder weiß, dass es zwischen den Plural-Worten „Studenten“ und „Studierenden“ einen großen Bedeutungsunterschied gibt. Studierende sind alle Menschen, die etwas lernen. Auch jemand, der ein Speisekarte oder die Zeitung studiert, ist ein Studierender. Studenten sind dagegen nur solche, die an einer ordentlichen Universität immatrikuliert sind.
Doch das will man nun ändern. Jetzt sollen die Studenten Studierende heißen, damit man sich das Student*innen ersparen kann. Das Studentenwerk muss nun in Studierendenwerk unbenannt werden. Solche Umbenennungen kosten natürlich viel Geld. Denn sie müssen in allen Drucksachen geändert werden. Aber je unsinniger das Geld ausgeben wird, desto spaßiger scheint es zu sein. Es sind ja nicht die Student*innen alias Studierenden, die aktuell die Steuern zu bezahlen haben.
Schritt für Schritt in die autoritäre Gesellschaft
Wir leben in einer Zeit, in der die Basisdemokratie auf ein Minimum gekürzt ist. Die Idee der repräsentativen Demokratie wird nicht nur im Sinne des Parlamentarismus umgesetzt, sondern auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Das Sagen haben Expertenkommissionen. Experten! Oder solche, die sich dafür halten. Selbst in der Sprache wird dem Bürger vorgeschrieben, wie er etwas zu sagen und zu schreiben hat. Oder konnten die Menschen in Deutschland über die Rechtschreibreform abstimmen? Wie viele Menschen haben sich über die Reform geärgert, haben sich jahrelang umgewöhnen müssen? Hätte man ihnen das nicht ersparen können? Warum wird etwas völlig Überflüssiges einfach über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden? Warum bilden sich bestimmte Milieus ein, der Bevölkerung vorzuschreiben, wie sie zu leben, zu reden und zu schreiben hat? Warum ist es angeblich moralisch fragwürdig, des Volkes Stimme sprechen zu lassen? Warum ist das Wort „Populismus“ negativ konnotiert?
Es zeichnet sich immer mehr ab, dass bestimmte Berufsgruppen vergessen haben, dass der Luxus ihrer brotlosen Kunst von Menschen bezahlt wird, die morgens früh aufstehen, um in der Fabrik, in der Firma, auf dem Bau und in der Werkstatt ihre Arbeit zu verrichten. Doch die „Expert*innen“ und ihre „Studierenden“ haben die Muße und die Kontakte, um ihre Belange durchzusetzen. Die Arbeiter im Niedriglohnbereich der Produktion haben diesen Luxus nicht. Sie müssen mit ansehen, dass man sich in der Politik um Sprachreformen Gedanken macht, anstatt das Leben der Arbeiter zu verbessern.
Speerspitze der deutschen Sprachautorität sind die Grün*innen. Die haben sich jetzt vorgenommen, dass man alles geschlechterneutral ausdrücken soll. Das Sternchen im Wort soll dabei die Transgender-Menschen symbolisieren, damit auch diese ein Plätzchen im Worte haben. Denn die trans- und intergeschlechtlichen Menschen finden sich in der Grammatik der deutschen Sprache nicht wieder.
Wie immer, will man das nicht als neutralen Vorschlag einbringen. Nein, man will die Gesellschaft geschlechterneutral umerziehen. In der Partei selbst nun soll es Pflicht werden, statt „Vergewaltiger“ und „Terrorist“, „Vergewaltiger*innen“ und „Terrorist*innen“ zu schreiben. Daran sollte man denken, wenn man der nächsten „Fußgänger*innen-Ampel“ auf grünes Licht warten muss oder bei der nächsten Demo die „Arbeitnehmer*innen-Rechte“ verteidigt.
Ob sich für die Arbeitnehmer*innen durch diesen Sprachwandel ihre Arbeitsbedingungen und Gehälter verbessern werden, wird sich zeigen. Eine Gesellschaft, die sich mit solchen Scheinproblemen auseinandersetz, scheint keine wirklichen Probleme zu kennen. Problematisch ist es allerdings, dass wir viele Millionen Menschen in unserem Land haben, die existentielle Probleme haben, arbeitslos oder verschuldet sind, krank sind oder auf die Altersarmut zusteuern. Denen ist mit solchem Sprachunsinn nicht geholfen. Nur wer kein Auge für die wirklichen Probleme in diesem Lande hat, kann sich mit derartigen Scheinproblemen auseinandersetzen, wie die Grünen es tun.
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