Asymmetrische Handelsbeziehungen zwischen den USA und China

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Asymmetrische Handelsbeziehungen zwischen den USA und China
Datum: 27.04.2015 - 08:54 Uhr

Wenn man sich die Forbes-Liste der reichsten US-Amerikaner anschaut, dann fallen einige Außergewöhnlichkeiten auf. Die reichsten Amerikaner lassen sich mit wenigen Ausnahmen in drei Gruppen aufteilen. Entweder sind sie dank des Software- und Internetbooms reich geworden (Bill Gates – Microsoft, Larry Ellison – Oracle, Jeff Bezos – Amazon, Sergey Brin – Google, Larry Page – Google) oder sie sind Investoren (Warren Buffet, George Soros).

Eine dritte Gruppe sind die Handelskönige. Hier ist auffällig, dass (im Jahre 2012) vier der zehn reichsten US-Amerikaner einer einzigen Familie angehören: den Waltons. Sie haben ihr Vermögen einem einzigen Unternehmen zu verdanken: Walmart.

Christy Walton, Jim Walton, Alice Walton und Samuel R. Walton haben jeweils ein Vermögen von rund 26-28 Milliarden US-Dollar. Zusammen verfügen sie über ca. 107 Milliarden US-Dollar.

Womit ist diese Familie so reich geworden? Die Waltons sind die Gründerfamilie des global tätigen Walmart-Konzerns. Dieser Konzern ist nach der Liste „Forbes Global 500“ im Wirtschaftsmagazin „Fortune“ (Stand 2014) mit 476 Milliarden US-Dollar der umsatzstärkste Konzern der Welt.

Damit hat Walmart Stores Inc. die Industrie- und Ölriesen auf die Plätze verwiesen. Walmart kontrolliert einen großen Teil des US-amerikanischen Einzelhandels. Das ist umso erstaunlicher, als dass der Konzern noch relativ jung ist. 1962 hatte Sam Walton den ersten Walmart im US-Bundesstaat Arkansas eröffnet. Heute ist Walmart der größte private Arbeitgeber der Welt. Rund zwei Millionen Menschen arbeiten für die Waltons.

„Made in China“ für US-Märkte

Ein Teil des Erfolgs des Walmart-Konzerns ist der Aufkauf und Weiterverkauf von Produkten in großen Mengen. Durch den Mengenrabatt können sie dem Endverbraucher günstige Preise bieten.

Tatsache ist, dass Walmart einen großen Teil des US-Außenhandels abwickelt. Walmart hat einen erheblichen Anteil an der Einfuhr chinesischer Produkte in die USA. Viele Produkte, die man bei Walmart kaufen kann, sind „Made in China“. Das ist ein weiterer Grund, weshalb Walmart so preisgünstig ist. US-Amerikaner, die insbesondere seit der Wirtschaftskrise auf die Preise schauen müssen, kaufen gern bei Walmart.

US-Handelsdefizit im Chinageschäft

Handelskonzepte wie jenes von Walmart nützen der Industrie in China und den Waltons. Vielen kleineren US-Unternehmen schadet dieses Prinzip. Das produzierende Gewerbe in den USA kann nicht so kostengünstig arbeiten wie die chinesische Konkurrenz. Und die kleineren US-Handelsketten können nicht mit dem Angebot und den Preisen von Walmart konkurrieren.

Inzwischen spricht die Handelsbilanz zwischen beiden Ländern eine klare Sprache. Rund 7,7 Prozent des US-Exports gehen nach China. Aber 19,4 Prozent des US-Imports kommen aus der Volksrepublik.

Die US-Industrie klagt schon seit Jahrzehnten über die Konkurrenz aus der pazifischen Übersee. Früher war es Japan, dann waren es Taiwan, Hongkong und Südkorea. Nun ist es vor allem die Volksrepublik China, die zum US-Außenhandelsdefizit beiträgt.

China bleibt auf US-Dollar-Reserven sitzen

Der transpazifische Handelsaustausch entwickelt sich asymmetrisch. Chinesische Waren überschwemmen den US-Markt, und die chinesische Zentralbank häuft US-Dollar an.

Anfangs war es ein strategischer Zug der Chinesen, die Außenhandelsbilanz zur Akkumulation von Währungsreserven zu nutzen, um das Rückgrat der Volkswirtschaft zu stärken. Mittlerweile sind diese Devisenreserven auf rund 4 Billionen US-Dollar angestiegen. Damit hat die chinesische Zentralbank die größten Devisenreserven der Welt.

Das Problem: Mit all den Devisenreserven und US-amerikanischen Staatsanleihen ist China darauf angewiesen, dass die US-amerikanische Wirtschaft weiterhin reibungslos funktioniert. Zum einen braucht man die USA als Absatzmarkt, zum anderen würden bei einem Zusammenbruch der US-Wirtschaft der US-Dollar und die US-Staatsanleihen inflationieren. Das wäre für China ein herber Verlust.

China kann die Devisenreserven nicht ausreichend in nützlichere Werte umsetzen. Wirft die chinesische Zentralbank ihre Devisen auf den Markt, würde der US-Dollar an Wert verlieren. Also versuchen es die Chinesen mit einer weltweiten Einkaufstour. Gekauft werden alle Arten von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Das tun die chinesischen Einkäufer besonders dann gerne, wenn mit dem Erwerb von ausländischen Firmenanteilen auch die Aneignung von Lizenzen und Patenten verbunden ist.

In den USA ist die Öffentlichkeit deshalb sensibilisiert und alarmiert, wenn Chinesen dort Unternehmen aufkaufen. Plötzlich wird der US-amerikanische Patriotismus wiederentdeckt. Amerikanische Unternehmen sollen in amerikanischer Hand bleiben – das ist nun wieder die Devise.

Als Reaktion auf das Ungleichgewicht und der asymmetrischen Entwicklung des transpazifischen Handelsaustausches arbeiten die Chinesen daran, langfristig den US-Dollar als Weltleitwährung zu relativieren und ihre eigene Währung als alternative Leitwährung aufzubauen.

Stichwort: GeoAußenPolitik

Sven von Storch

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