75% aller US-Amerikaner sprechen keine Fremdsprache_ Amerikas Sprachenproblem wird zum Wirtschaftsproblem

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75% aller US-Amerikaner sprechen keine Fremdsprache_ Amerikas Sprachenproblem wird zum Wirtschaftsproblem
Datum: 22.01.2020 - 08:40 Uhr

Rund drei Viertel aller US-Amerikaner sprechen keine Fremdsprache. Sie verstehen und sprechen nur Englisch. Selbst wenn sie Deutsch oder Spanisch oder Französisch in der Schule hatten, verstehen sie nur ein paar Wörter und sind unfähig, eine Alltagskonversation in der Fremdsprache zu führen.



Nur ein einziges (!) Prozent aller US-Amerikaner hat eine Fremdsprache aufgrund der Ausbildung in der Schule ausreichend genug gelernt, um damit ein normales Alltagsgespräch zu führen zu können.


Von den rund 20 bis 25 Prozent der Amerikaner, die mindestens eine Fremdsprache verstehen, sind die allermeisten Migranten oder Kinder von Migranten, die in Elternhäusern aufgewachsen sind, in denen noch die Sprache des jeweiligen Herkunftslandes gesprochen wird. Von denen wiederum gibt es einen größeren Teil, die auch nach Jahren Aufenthalt in den USA kaum oder kein Englisch können. Besonders die Hispanics aus Lateinamerika haben oft Sprachschwierigkeiten in Englisch und sprechen auch im Alltag in den USA vorwiegend Spanisch.


Damit zeigt sich ein doppeltes Versagen der US-amerikanischen Bildungspolitik. Die High Schools und Colleges haben versagt, den alteingesessenen US-Amerikanern ausreichende Kenntnisse in wenigstens einer Fremdsprache zu vermitteln. Gleichzeitig versagt das Bildungssystem, Einwanderern frühzeitig ausreichende Englischkenntnisse zu vermitteln. Wenn es um Fremdsprachen geht, sind die USA also in doppelter Hinsicht ein Entwicklungsland.


Mittlerweile sorgen sich immer mehr Bildungsexperten, dass das Versagen der US-Schulpolitik massive wirtschaftliche Konsequenzen mit sich bringt. Während in Europa und in Asien immer mehr Kinder ein oder mehrere Fremdsprachen lernen, fallen die jungen US-Amerikaner zurück. International aufgestellte US-Unternehmen greifen gerne auf nicht-amerikanische Mitarbeiter zurück, die multilingual sind.


Selbst in vielen Entwicklungsländern sieht es besser aus als in Amerika. Auf den Philippinen verstehen beispielsweise viele Bürger sowohl Englisch als auch Spanisch.


Einziger Trost für die Amerikaner: In Kanada (außer Québec), Australien, Neuseeland, Irland und Großbritannien sieht es nicht besser aus. Die englischsprachige Welt ist gefangen in ihrem scheinbaren Privileg, eine Weltsprache zu sprechen. In Lateinamerika sieht es ähnlich schlecht aus. Viele Mexikaner können kein Englisch, obwohl sie die USA als Nachbar haben.


Europa und Asien sind dagegen führend, wenn es um Fremdsprachen geht. Immer mehr Chinesen lernen Englisch. Südkoreaner und Taiwanesen sowieso. In Indien ist Englisch Verkehrssprache. In Europa gibt es kaum noch junge Menschen, die kein Englisch können. In einer Welt der internationalen Vernetzungen sind solche Sprachkenntnisse von großen Vorteil.


Die besten Voraussetzungen haben die Schüler in der Schweiz, Belgien, Niederlande, Dänemark. Schweden, Norwegen und Finnland. Die Schweiz und Belgien profitieren von der Mehrsprachigkeit, die nordischen Staaten vor allem von einem guten Schulsystem.

Sven von Storch

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